+
Gedenken an die Kriegsopfer: Seit 1957 finden am Ehrenmal Gottesdienste unter freiem Himmel statt.

Gedenkfeier des Kameradenkreises auf dem Hohen Brendten 

Ehrenmal der Gebirgsjäger: Magnet für Freund und Feind

Für die einen ist es ein Symbol für Völkerverständigung, für die anderen ein Monument für Kriegsverbrecher. Die Rede ist vom Ehrenmal auf dem Hohen Brendten, das vor 60 Jahren eingeweiht wurde. Morgen ruft der Kameradenkreis der Gebirgstruppe dort oben wieder zum Gedenkgottesdienst.

Mittenwald –Vor 60 Jahren – um genau zu sein: am 10. Juni 1957 – hat der Münchner Kardinal Dr. Josef Wendel dem Ehrenmal der Gebirgstruppe seinen Segen gegeben. Doch die beiden Steinpfeiler, die an die Opfer der beiden Weltkriege erinnern und Standfestigkeit und Bodenständigkeit symbolisieren sollen, waren nicht allen heilig. Vor allem denjenigen nicht, die den Kameradenkreis der Gebirgstruppe, den Bauherrn des Monuments auf dem Hohen Brendten, als „Selbshilfegruppe für Kriegsverbrecher“ brandmarken. Sozusagen als Fanal an die vielerorts unter den Teppich gekehrten Verbrechen der Gebirgsjäger während der Nazizeit versuchten vermutlich linksgerichtete Aktivisten 2004 sogar, das Lärchenkreuz vor dem Ehrenmal anzuzünden. Dabei soll dieses getreu ihrer Erbauer als Bekenntnis für Glauben, Friede, Freiheit, Völkerverständigung und Versöhnung stehen. Die Gedenkstätte der Gebirgsjäger – ein Magnet für Freund und Feind.

Schatten auf Mittenwald

Nicht zuletzt durch die Anti-Brendten-Kampagnen zwischen 2002 und 2009 haben die beiden wuchtigen Pfeiler auch ein wenig Schatten auf den Tourismusort Mittenwald geworfen. Und den Kameradenkreis zum Umdenken veranlasst. „Wir haben uns nach diesen Tiefschlägen eine neue Struktur verpasst. Wir sind zukunftsorientiert und gewinnen immer noch Mitglieder aus der aktiven Truppe und von Soldaten, die nach ihrer Dienstzeit durch uns mit ihren Kameraden in Kontakt bleiben wollen“, verdeutlicht Oberst a. D. Hans Sahm aus Bad Reichenhall, der neue Präsident des Kameradenkreises. Doch trotz der Vorkommnisse der jüngsten Vergangenheit bleibe man „gelassen“.

30000 Besucher bei Einweihung

Nur zu gerne erinnern sich Sahm und seine Freunde an die Sonnenseiten des Ehrenmals. Beispielsweise als bei der Einweihung der Stelen sage und schreibe 30 000 Menschen auf den Hohen Brendten hinauf pilgerten. Oder als der damalige NATO-Generalsekretär Manfred Wörner 1989 und 1990 am Gedenkgottesdienst teilnahm – und mit dem CDU-Politiker mehre tausend Besucher.

So viele werden es am morgigen Mittwoch definitiv nicht sein. Seit Jahren schon bröckelt die Front derjenigen, die sich an die Opfer von Krieg und Terror erinnern wollen. Die ausrichtende Ortskameradschaft Mittenwald lässt sich von dem latenten Schwund jedoch nicht beirren – im Gegenteil: „Auch wenn seit 2002 durch Demonstranten versucht wurde, das Gedenken an unsere Kameraden und allen Kriegsopfern massiv zu stören oder zu verhindern“, versichert OK-Vorsitzender Klaus Esper, „werden wir auch heuer versuchen, durch unseren Einsatz einen Beitrag zum ungestörten Ablauf dieser Feier zu leisten.“ Viel Arbeit liegt hinter der OK Mittenwald. So haben 25 Mitglieder unter der Regie von Esper das Gelände rund um das Ehrenmal gesäubert, Absperrungen, 16 Fahnenmasten, ein Rednerpult und den Altar für den Gottesdienst aufgestellt. Immerhin: „Zur Kranzniederlegung haben sich 20 Truppen- und Ortskameradschaften sowie Bataillone angemeldet“, teilt Esper erfreut mit.

Derzeit zählt die OK Mittenwald 273 Gleichgesinnte mit einem Altersdurchschnitt von 62 Jahren. „Mit der Auflösung der Gebirgsdivision und der Reduzierung der Soldaten begann bei uns das Schrumpfen“, meint Esper. „Durch die ständigen Auslandsaufenthalte inklusive langer Vorübungen zeigen die Soldaten im Standort immer weniger Interesse an einer Mitgliedschaft und haben nach ihrer monatelangen Abwesenheit auch verständlicherweise andere Interessen.“

Das gilt im Übrigen auch für die Brendtengegner, die Mittenwald seit 2010 nicht mehr aufgesucht haben.

Die Brendtenfeier

des Kameradenkreises der Gebirgstruppe findet am morgigen Mittwoch am Ehrenmal statt. Der Gottesdienst mit Militärdekan Alfons Hutter und seinem evangelischen Amtsbruder Markus Linde

beginnt um 14 Uhr. Es sprechen der italienische Brigadegeneral a.D. Renato Genovese und Hans Sahm, der neue Präsident des Kameradenkreises. Nach der Gedenkfeier wird zum Kameradschaftsabend in den Gasthof Gasthof Gries geladen.

Wolfgang Kunz
Christof Schnürer

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Kurze Zustiege für alpine Touren: Baudrexl veröffentlicht Kletterführer
65 Mehrseillängentouren in fünf Gebieten - mit maximal 30 Minuten Zustieg. Keine Frage: Matthias Baudrexl (27) aus Garmisch-Partenkirchen hat einen besonderen …
Kurze Zustiege für alpine Touren: Baudrexl veröffentlicht Kletterführer
Fall Zitzmann und das Bürgerbegehren: Räte müssen noch einmal abstimmen
Zurück auf Anfang. Wegen eines Formfehlers befasst sich der Gemeinderat erneut mit Spielwaren Zitzmann. Vielleicht ist das Bürgerbegehren zu dessen Erhalt am …
Fall Zitzmann und das Bürgerbegehren: Räte müssen noch einmal abstimmen
„Holländer“-Schiff kommt unter den Hammer
Es stand auf der Bühne, dann fuhr es durch den Ort, jetzt steht dem Schiff aus dem „Holländer“ ein neues Schicksal bevor: Es soll versteigert werden. 
„Holländer“-Schiff kommt unter den Hammer
„Bayerische Buam“ brechen zum Abenteuer ihres Lebens auf
Wochenlang mit einem alten Karren durch Russland, die Ukraine bis nach Tadschikistan fahren? Was sich für die einen wie Horror anhört, ist für Michael Hejda und Daniel …
„Bayerische Buam“ brechen zum Abenteuer ihres Lebens auf

Kommentare