Ein Schütze gerät ins Visier

Dreister Betrug am Schießstand?

Dieses Kompanieschießen wird in die Geschichte der Mittenwalder Gebirgsschützen eingehen. Mit offenbar manipulierten Scheiben soll einer der Teilnehmer dem Glück etwas nachgeholfen haben. Der Beschuldigte weist alle Vorwürfe entschieden zurück.

Mittenwald – Nach nervenaufreibenden Querelen und Grabenkämpfen an der Vereinsspitze ist bei den Mittenwalder Gebirgsschützen seit einiger Zeit Ruhe eingekehrt. Doch damit ist es seit dem jüngsten Kompanieschießen vorbei. Einer der Teilnehmer soll nämlich bei diesem Traditionswettbewerb betrogen haben – und das laut Expertenmeinung sehr stümperhaft.

„Das sieht sogar ein Blinder“, meint Hans Peter Wilhelm. Der Chef der gastgebenden Mittenwalder Feuerschützengesellschaft spielt damit auf mehrere, offenbar manipulierte Scheiben an, die den Wettkampfrichtern mehr als spanisch vorkamen. Sie alle weisen jeweils einen Bilderbuch-Volltreffer aus – mitten ins Schwarze. Ebenso dubios: Die ominösen Karton-Teile konnten allesamt ein und derselben Person zugeordnet werden. Das machte die Veranstalter natürlich stutzig, zumal die Einschusslöcher nicht die markante Ausfransung auf der Rückseite aufwiesen. „Die waren aalglatt, regelrecht herausgestanzt“, bestätigt Wilhelm. Zu perfekt, um wahr zu sein.

In der Folge geriet ein langjähriges Kompaniemitglied ins Visier, das pikanterweise vor zwei Jahren schon mal für einen Eklat beim Königsschießen gesorgt hatte. Im April 2015 musste eine Schützenkönigin auf seinen Einwurf hin ihren Titel zurückgeben – weil die Marketenderin laut Satzung die Altersgrenze von 30 Jahren knapp überschritten hatte.

Beschuldigte hat Austrittsschreiben verschickt

Doch die seltsamen Begebenheiten beim jüngsten Kompanieschießen toppen das um ein Vielfaches. Darauf angesprochen, gibt sich der Mittenwalder Gebirgsschützen-Hauptmann Roland Spornitz sehr zurückhaltend. „Da ist schon was dran“, räumt er nach etwas Zögern ein. „Jetzt warten wir auf eine Reaktion.“ Bis spätestens beim Jahrtag der Kompanie am kommenden Samstag soll sich der mutmaßliche Übeltäter erklärt haben. Doch so lange müssen Spornitz und Co. gar nicht mehr warten. „Mit diesen Leuten will ich nichts mehr zu tun haben“, stellt der verhinderte Schützenkönig gegenüber dem Tagblatt klar. Sein Austrittschreiben will der Mittenwalder nach 39 Jahren Mitgliedschaft bereits verfasst und an den Hauptmann geschickt haben. Ein Schuldeingeständnis sei das nicht. Er habe die Scheiben nicht manipuliert, versichert der Betroffene. „Ich wüsste nicht, wie und wann.“

Doch da gehen die Meinungen auseinander. Augenzeugen wollen gesehen haben, wie der Mann die Scheiben erst gekauft und dann mit diesen unter einem Vorwand das Schützenhaus am Burgberg verlassen hatte – angeblich, weil er seine Töchter abholen wollte, berichtet FSG-Chef Wilhelm. Immer noch ärgert er sich, warum ein Teilnehmer überhaupt mit samt den Zielscheiben nach Hause gehen konnte. Ein Unding, findet Wilhelm. „So etwas gibt es auf keinem Schiff.“

Auch diesen Vorwurf will der mutmaßliche Betrüger nicht auf sich sitzen lassen. „Ich habe weder den Stand verlassen, noch sonst etwas gemacht.“ Als er zu seinen Töchtern fuhr, „habe ich die Scheiben der Schießaufsicht gegeben“.

Doch das nehmen ihm seine inzwischen ehemaligen Kameraden nicht ab. Für sie ist nach Rücksprache mit einigen Sachverständigen der Schuldige gefunden, zu eindeutig sprechen die Indizien gegen ihn. „Der Vorfall liegt auf der Hand“, bekräftigt Spornitz. Er und seine ebenso sprachlosen Vorstandskollegen forderten daraufhin das ihrer Meinung nach schwarze Schaf zum Austritt auf. Dem ist der mutmaßliche Präzisonsschütze schneller als gedacht nachgekommen.

Christof Schnürer

Rubriklistenbild: © imago

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