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Entfernen den Boden: (v.l.) die polnischen Bauarbeiter Pawel Kubacki und Ryszard Karwik.

Und dann steht die nächste Probe an

Geigenbauschule: Belasteter Boden wird beseitigt

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Es ist wie eine große Räumaktion: Alles muss raus. Nicht ganz, aber zumindest die gesamte alte Unterkonstruktion im Erdgeschoss der Mittenwalder Geigenbauschule. Diese ist mit Schadstoffen behaftet.

Mittenwald – Sie ist wie ausgestorben. Weder Schüler noch Rektor Dr. Frederik Habel halten sich derzeit in der Geigenbauschule in Mittenwald auf. In der Ferienzeit herrscht gespenstische Ruhe in dem ehemaligen Forstamt. Seit vergangener Woche rumpelt es in dem Gebäude aber täglich. Die Arbeiter der Firma, die das Landratsamt beauftragt hat, packen kräftig an: Sie entfernen in allen Räumen des Erdgeschosses, in denen Holzböden verlegt sind, die gesamte über 100 Jahre alte Unterkonstruktion, einschließlich des alten Parketts.

Böse Zungen würden sagen, Zeit wird’s. Schließlich hat es gut drei Jahre gedauert, bis die Kreisbehörde als Sachaufwandsträger die Sanierung veranlasste. Jahre voller Gutachten, Tests und Diskussionen. Doch erst im April 2017 brachte eine Untersuchung Licht ins Dunkel, was den Teer-Geruch und die E rkrankung von Habel und einer Angestellten – sie leiden an der so genannten Multiplen Chemikalien-Sensivität – verursachte. Insbesondere in den alten tragenden Holzbalken und der darüber liegenden Bretterschicht wurden deutlich erhöhte PAK-Werte (Polycyclische Aromatische Kohlenwasserstoffe) festgestellt.

Nun folgt das Landratsamt dem Rat des Schadstoffgutachters und macht in dem Gebäude sozusagen die Luft rein. Der Unterboden, der im Wesentlichen aus alten Lagerhölzern und Kies besteht, wird fachgerecht ausgebaut. Im Anschluss ist ein zertifiziertes Entsorgungsunternehmen an der Reihe, teilt Sprecher Stephan Scharf mit. Alles ordnungsgemäß versteht sich.

Eigentlich sind die fraglichen Kohlenwasserstoffe schwerflüchtig. Im Falle von „Naphtalinen“ besteht die Möglichkeit, dass diese in die Raumluft ausgasen. Inwiefern sich das gesundheitsschädigend auswirkt, hänge davon ab, wie belastet die Luft tatsächlich ist. Diesen Standpunkt vertrat man noch vor wenigen Monaten. Trotzdem tragen die Arbeiter keinen Mundschutz. Scharf kann die Erklärung liefern: „Den unterschiedlichen Schadstoffklassifizierungen des Materials entsprechend, sind auch die geforderten sicherheitstechnischen Vorkehrungen unterschiedlich.“ Demnach entspricht das Parkett zum Beispiel einem lackierten Gartenzaun oder Möbelstück. Ähnlich verhält es sich mit dem Kies. Fazit: Der Umgang damit stellt keine Gefahr dar. Anders sieht das bei den Lagerhölzern aus, auch wenn Scharf zufolge die Schadstoffe gebunden seien und nicht wie Asbest in die Luft freigesetzt werden. Heißt: Schutzausrüstung braucht es nur bei bestimmten Arbeitsschritten. „Die Mitarbeiter der ausführenden Firma“, betont Scharf, „sind entsprechend angewiesen.“

Noch in dieser Woche endet der vollständige Ausbau des Bodens. Dann stehen weitere Proben auf dem Programm, um sicherzugehen, dass wirklich alle belasteten Materialien aus dem Gebäude an der Schöttlkarstraße beseitigt wurden. Sobald das Ergebnis feststeht und gut ausfällt, beginnt der Aufbau des neuen Bodens. Auf rund 60 000 Euro schätzt das Kreisbauamt die Kosten für den Schritt, der die Erkrankten zwar nicht mehr gesund macht, aber ein unbedenkliches Arbeiten in der Schule wieder zulässt.

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