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Raus damit: Der Boden im Erdgeschoss der Geigenbauschule wurde entfernt.

Weitere Untersuchungs-Ergebnisse liegen vor

Geigenbauschule: Belastetes Material kommt raus

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Wer suchet, der findet: Auch wenn es länger dauert. Im Falle der Geigenbauschule Mittenwald hat sich das bewahrheitet. Die belasteten Materialien sind geortet und größtenteils entfernt. Im Frühjahr sollen die Räume wieder bezugsbereit sein.

Mittenwald/Garmisch-Partenkirchen – Würde ein Autor die Geschichte der Geigenbauschule Mittenwald niederschreiben, er würde der Phase nach dem Umzug ins ehemalige Forsthaus wohl ein langes Kapitel widmen. Eines im Drama- oder Krimi-Stil. Jedenfalls ohne Komödien-Charakter. Vielleicht würde der Abschnitt über das Geruchsproblem noch ein bisschen Galgen- oder schwarzen Humor beinhalten. Das Happy End versucht derzeit das Landratsamt beizusteuern.

„Wir wollen endlich das Problem lösen“, betonte Landrat Anton Speer im Schulausschuss des Landkreises. Inzwischen laufen entsprechende Arbeiten in dem Gebäude. Rund 60 000 Euro kosten sie. Seit 2013 hat die Behörde das leidige Thema an der Backe. Zahlreiche Gutachten und Untersuchungen prägten die vergangenen Jahre – mit teilweise umstrittenen Resultaten. Die Kritik blieb nicht aus. „Klassisches Planungsversagen“ und „Vertuschung“ wurde dem Landratsamt, das als Sachaufwandsträger fungiert, vorgeworfen.

Raumluftmessung wurde veranlasst

Eine Zäsur gab es schließlich im Frühjahr. Untersuchungen der über 100 Jahre alten Unterkonstruktion des Fußbodens ergaben, dass dieser belastet ist. In den Holzproben des Fußbodenaufbaus im Erdgeschoss, besonders in den alten, tragenden Holzbalken und der darüber liegenden Bretterschicht hatten die Gutachter zum Teil deutlich erhöhte PAK-Werte (Polycyclische Aromatische Kohlenwasserstoffe) festgestellt.

Mittlerweile sind die kompletten Fußböden, die mit Holzschutz kontaminierten Hölzer im Unterbau und die Kiesschüttungen bis zu den Rohdecken ausgebaut und von einem zertifiziertem Unternehmen fachgerecht entsorgt worden, heißt es vonseiten des Landratsamtes. Wie Alkmar Zenger in der Sitzung erläuterte, seien nur noch einige alte Hölzer unter den Türschwellen sowie in den Randbereichen der verbauten Teerpappen verblieben. „Die sind schwer auszubauen“, sagte der Kreisbaumeister. Deshalb möchte man die betroffenen Stellen abdichten.

In der Zwischenzeit wurden auch Proben vom Rohboden, also vom Beton und Ziegelgewölbe, entnommen. Das Ergebnis: Der PAK-Gehalt sei deutlich geringer als bei den Untersuchungen des Bodenaufbaus. Auf Empfehlung des Büros für Umweltschutz, das die Sanierung, begleitet, stand zudem eine weitere Raumluftmessung als Momentaufnahme auf dem Programm, um Rückschlüsse auf möglichen weiteren Handlungsbedarf zu ziehen. Sieben Räume wurden unter die Lupe genommen. Die Messwerte der ermittelten Substanzen seien sehr niedrig, berichtet Sprecher Stephan Scharf. Bei ausgewählten Einzelverbindungen aber „sind tatsächlich flüchtige PAK-Bestandteile noch leicht erhöht“, räumte Zenger ein und lieferte gleich eine Erklärung mit. „Das kann auch von der Entsorgung kommen“, sagte er. „Das Material lag frei herum.“

Kreisbaumeister Zenger: „Wir wollen keine Fehler mehr machen“

Was damit einhergeht: Es stinkt in dem Gebäude. Das streitet der Kreisbaumeister gar nicht ab, obwohl er er Anfang 2016 noch behauptete, es gebe keine Geruchsbelastung. „Das ist Fakt.“ Mit einem Sinneswandel hat das aber nichts zu tun. Zenger bezieht sich bei den „deutlich wahrgenommenen Gerüchen“ ausschließlich auf die Zeit, nach dem der Unterboden geöffnet und der Rohboden vollständig freigelegt worden war.

Um weitere Ausdünstungen zu verhindern, stehen diverse Überlegungen im Raum. Neben den Abdichtungs-Vorhaben zum Beispiel die Luftströmung umzudrehen. Heißt: Die Luft wird über das Rohrsystem angesaugt, in den Räumen entsteht ein Überdruck, der über Fenster- oder Lüftungsöffnungen nach außen abgeleitet wird. „Dieses Verfahren vermeidet das Nachströmen von Luft aus anderen Bauteilen.“ Wie dem Parkett. Klingt nach einer Lösung, für die man viele Jahre benötigte.

Die Ursachenforschung zog sich. „Das liegt darin begründet, dass es zunächst keinen Anlass gab, mit dem so genannten Unterboden auch Bereiche zu öffnen und zu untersuchen, die bei den Sanierungsarbeiten gar nicht angetastet worden sind“, teilt Sprecher Scharf auf Anfrage mit. Auch aus Raumluftuntersuchungen hätten sich keine Hinweise darauf ergeben. Zenger will künftig ebenfalls nichts überstürzen. Er bittet um Geduld, um mit Fachleuten weitere Schritte zu besprechen. „Wir wollen keine Fehler mehr machen“, sagt er. Gleichzeitig stünde man in engem Kontakt mit der Schulleitung. Das dürfte Rektor Frederik Habel mit Interesse zur Kenntnis nehmen. Er hatte zuletzt Informationen vom Hausmeister oder aus der Zeitung erfahren.

Habels Erkrankung spielte bei der Sitzung keine Rolle. Der Schulleiter und eine Angestellte leiden nachweislich und chronisch an der so genannten „Mehrfachen Chemikalien-Sensivität“ (MCS). Die Leidenszeit begann zufällig vor etwa vier Jahren. Doch wer trägt die Verantwortung? Diese Frage ist bislang ungeklärt. Das Landratsamt wäscht seine Hände in Unschuld. „Wir haben die Beschwerden der betroffenen Personen immer ernst genommen und sofort nach Bekanntwerden weitere Untersuchungen und Maßnahmen, wie etwa eine Verbesserung der Lüftung durchführen lassen“, teilt Scharf mit. Außerdem habe man „in mehreren Gesprächen und Briefen versucht, zwischen den beteiligten Personen und Stellen zu vermitteln. Der Landkreis zeichne sich für das Gebäude zuständig, nicht für das Personal. Diese Aufgabe kommt dem Freistaat zu.

Während die Krankheit nicht rückgängig zu machen ist, plant Zenger mit einer Rückkehr in das Gebäude im Frühjahr. „Ihr Wort in Gottes Ohr“, schickte Speer seiner Prognose hinterher. Aus baulicher Sicht mag es dann zu einem Happy End gekommen sein – aus der von Habel und der Mitarbeiterin bleibt’s eine Tragödie.

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