+
Der belastete Unterbau in der Mittenwalder Geigenbauschule wird entfernt. 

Holzbalken mit Teer imprägniert?

Geigenbauschule: Das könnte die Ursache des Geruchsproblems sein

  • schließen

Die Zeit der Ungewissheit hat ein Ende: Zumindest sieht es danach aus. Bei den neuesten Untersuchungen wurden Stoffe festgestellt, die die Geruchsbelästigung in den Räumen der Geigenbauschule Mittenwald wahrscheinlich verursacht haben. Jetzt steht eine Sanierung ins Haus.

Mittenwald – Vorwürfe und Verzweiflung von den Betroffenen auf der einen Seite, Schuldabweisungen bei den vermeintlich Verantwortlichen auf der anderen Seite – davon waren die vergangenen gut drei Jahre geprägt. Niemand konnte eine Antwort darauf geben, was nach dem Einzug der Geigenbauschule Mittenwald ins alte Forstamt den unangenehmen Geruch verursachte. Oder welche Substanzen dazu führten, dass Rektor Dr. Frederik Habel und eine Angestellte seither an einer „Mehrfachen Chemikalien-Sensivität“ leiden. Nun scheint des Rätsels Lösung offenbar gefunden zu sein.

Die vom Landratsamt in Auftrag gegebenen Untersuchungen der über 100 Jahre alten Unterkonstruktion des Fußbodens sind abgeschlossen und ausgewertet. Mit einem aufschlussreichen Ergebnis: In den Holzproben des Fußbodenaufbaus im Erdgeschoss, besonders in den alten, tragenden Holzbalken und der darüber liegenden Bretterschicht, haben die Gutachter zum Teil deutlich erhöhte PAK-Werte (Polycyclische Aromatische Kohlenwasserstoffe) festgestellt. „Diese könnten die geruchlichen Auffälligkeiten erklären“, teilt Behörden-Sprecher Stephan Scharf mit.

Einzelne Bestandteile verursachen unter Umständen Gerüche wie etwa nach Teer. Zwar seien Scharf zufolge die PAK in der Regel „schwerflüchtig“, im Falle von sogenannten Naphtalinen ist es allerdings möglich, dass diese unter ungünstigen Bedingungen in die Raumluft ausgasen. Inwiefern sich das gesundheitsschädigend auswirkt, hängt aber davon ab, wie belastet die Luft tatsächlich ist. „Genau solche Untersuchungen der Raumluft haben jedoch zu keinem Zeitpunkt eine relevante Belastung ergeben.“ Worte, die Scharf ganz bewusst wählt. Denn immer wieder waren die Mess-Resultate der Vergangenheit in die Kritik geraten. Ihre Glaubhaftigkeit wurde angezweifelt.

Den Unterbau nahm man allerdings noch nie näher unter die Lupe. Bei den Renovierungsarbeiten damals wurde die oberste Schicht des bestehenden Parketts abgeschliffen und mit Hartwachsöl behandelt. Zu mehr gab es keinen Anlass. Eben, weil die Messungen damals keine „relevanten Belastung“ der Raumluft ergaben. Selbst die einzelnen Parkettstäbe, die 2014 vorsorglich entnommen und in einer Materialprüfungsanstalt ebenfalls auf PAK untersucht worden waren, bereiteten keinen größeren Grund zur Sorge. „Die Stoffe konnten nur in sehr geringer Konzentration nachgewiesen werden.“

Sanierung für rund 60.000 Euro

Es war wie verhext. Schließlich bildeten sich Habel, der für eine Stellungnahme gestern nicht zu erreichen war, und seine Angestellte ihre Krankheit, die sich durch Atemnot, Augenbrennen oder Übelkeit äußert, nicht ein. Um letzte Gewissheit über die mögliche Ursache des Problems zu erhalten, ordnete das Landratsamt die aktuelle Untersuchung an. „Rein vorsorglich.“ Man ist um eine weiße Weste bemüht, immerhin fungiert die Behörde als Sachaufwandsträger, sie trägt also die Verantwortung. Nun spricht vieles dafür, dass vor allem die unteren, auf der Erde liegenden Tragbalken mit Teer beziehungsweise mit Altöl imprägniert worden sind, heißt es von Seiten der Behörde. Ähnlich wie man es in der damaligen Bauzeit von 1910 mit Telegraphenmasten oder Eisenbahnschwellen gemacht hat.

Nachdem nun nach gut drei Jahren Licht ins Dunkel kommt, will man das Problem beheben und den Rat der Gutachter befolgen. Diese empfehlen, die Böden zu versiegeln oder gleich den gesamten belasteten Unterbau, einschließlich des alten Parketts und der sogenannten Fehlbodenschüttung, zu entfernen. Das soll besser jetzt gleich geschehen, wenn es nach Landrat Anton Speer (Freie Wähler) geht. Er kündigt an, so schnell wie möglich die bessere „radikalere“ Lösung umzusetzen und „Nägel mit Köpfen zu machen“. Das Vorgehen ist deshalb bereits mit dem Landesamt für Denkmalpflege besprochen. Auf rund 60.000 Euro schätzt das Kreisbauamt die Kosten für die Sanierung, mit der dieses langwierige Kapitel nun endlich geschlossen werden soll.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Solidarität nach Brandkatastrophe: Vereine organisieren Benefizspiel
„Gemeinsam Gutes tun“: Unter diesem Motto laden der WSV Unterammergau und TSV Altenau am Sonntag, 24. September, zum Benefiz-Fußballspiel ein. Damit unterstützen sie …
Solidarität nach Brandkatastrophe: Vereine organisieren Benefizspiel
Fragestellung mit „Fehler“-Potenzial
Am Sonntag zählt’s: Dann geben die Farchanter nicht nur ihre Stimme bei der Bundestagswahl ab, sondern auch beim Bürgerentscheid zum geplanten Hotel-Projekt nahe der …
Fragestellung mit „Fehler“-Potenzial
Hauseigenes Wahllokal für Senioren
Am Sonntag werden 61,5 Millionen Bürger zur Wahl des 19. Deutschen Bundestages aufgerufen. Dazu gehören auch Pflegebedürftige. Ein Murnauer Seniorenheim macht vor, wie …
Hauseigenes Wahllokal für Senioren
Karwendelbahn „zwischen Tragödie und Komödie“
Es ist – wie nicht anders zu erwarten – eine denkwürdige Veranstaltung: Bei der außerordentlichen Hauptversammlung der Karwendelbahn AG treffen die Kontrahenten aus …
Karwendelbahn „zwischen Tragödie und Komödie“

Kommentare