Soll 2022 abgerissen werden: Das ehemalige Zollamt an der Scharnitzer Grenze. Im Gebäude befindet sich ein Ableger der ehemaligen Mittenwalder Firma Gewa.
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Soll 2022 abgerissen werden: Das ehemalige Zollamt an der Scharnitzer Grenze. Im Gebäude befindet sich ein Ableger der ehemaligen Mittenwalder Firma Gewa.

Altes Zollamt wird abgerissen

Gewa muss raus – und weiß noch nichts davon

  • Josef Hornsteiner
    VonJosef Hornsteiner
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Das ehemalige Zollamt in Scharnitz soll im Frühsommer 2022 abgerissen werden. In dem Gebäude befindet sich seit dem Fortgang der Instrumentenbaufirma Gewa aus Mittenwald deren österreichische Niederlassung. Wie es weitergeht, kann die Firma noch nicht sagen – denn niemand hat ihnen über den überraschenden Auszug Bescheid gegeben.

Scharnitz/Adorf – Sie war einer der größten Arbeitgeber in Mittenwald, prägte den Ort über 60 Jahre lang. Unzählige Einheimische waren über Jahrzehnte für die Gewa tätig. Die Instrumentenbaufirma beschäftigte zu Glanzzeiten über 150 Mitarbeiter an der Isarauenstraße 17. Allein zwischen 2002 und 2005 kassierte die Marktgemeinde von der „Musikinstrumente-, Etui- und Taschenfabrik GmbH“ rund eineinhalb Millionen Euro Gewerbesteuer. Dann war alles vorbei. Mitte Juni 2010 verließen die letzten Angestellten den einst pulsierenden Firmensitz im Isartal. Gewa zog um in eine ehemalige Teppichfabrik im sächsischen Adorf. Sozusagen als letztes Überbleibsel sind seither wenige Mitarbeiter vom ehemaligen Standort Mittenwald in Scharnitz beschäftigt. Dort im ehemaligen Zollamt entstand in Grenznähe ab dem 1. Juli 2010 die neue österreichische Niederlassung.

Nun soll das Gebäude abgerissen werden. Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung am 5. August einem Vorkontrakt zum Baurechtsvertrag mit der Alpenländischen WohnbauGmbH zugestimmt. Bereits im Frühsommer 2022 könnten Bagger anrücken, „wenn alles gut läuft“, sagt Bürgermeisterin Isabella Blaha (Bürgerforum Scharnitz). „Alle Mieter sind darüber informiert worden“, meint sie. Doch ist diese Nachricht selbst einen Monat nach dem weitreichenden Beschluss nie bei der Gewa sowie bei mindestens einem weiteren Mieter an der Innsbrucker Straße 44 angekommen. „Wir bekamen diesbezüglich noch keinerlei Informationen“, teilt Unternehmenssprecherin Nicol Seidel mit. „Ein Ende des Mietverhältnisses wurde uns noch nicht kommuniziert.“ Somit hat die Firma noch gar keine Entscheidung treffen können, wohin die Niederlassung in wenigen Monaten umziehen wird. „Im Moment warten wir den Gang der Dinge ab.“

Ehemaliges Zollamt weicht Supermarkt und betreutes Wohnen

Derweil sind die Pläne im Scharnitzer Rathaus recht weit fortgeschritten: Entstehen soll ein neues Gebäude in ähnlichem Umfang. Ins Parterre zieht demnach ein kleiner Supermarkt der Kette MPreis ein, im ersten und zweiten Stock entstehen zwölf Einheiten für betreutes Wohnen. Beides sei für Scharnitz „sehr wichtig“, erläutert Blaha. Schließlich hat der Grenzort seit Jahren keinen Nahversorger mehr, nachdem der Sparmarkt Michael Gohm an der Innsbrucker Straße seine Pforten geschlossen hat. Auch Seniorendomizile gab es bislang keine. Ältere pflegebedürftige Menschen mussten ihren Lebensabend in Seefeld oder Leutasch verbringen.

Doch sei die Standortsuche seit Jahren schon „keine einfache“, teilt Blaha mit. Die MPreis-Kette wirft schon seit längerem ein Auge auf Scharnitz. Doch waren die Verantwortlichen bislang mit den wenigen Angeboten im Ort nicht zufrieden. Und ausgerechnet die langersehnte Tunnelumfahrung verschärfte das Problem. Durch die Verkehrsberuhigung schossen die Immobilienpreise „enorm in die Höhe“.

So kam das ehemalige Zollamt ins Spiel. Die Lage ist perfekt, da „der Supermarkt von der Bundesstraße aus gut einsehbar sein wird“, teilt der Nahversorger mit. Seit Öffnung der Grenzen ist das einstige Verwaltungsgebäude aus dem Jahr 1947 nutzlos geworden. 2005 kaufte es die Gemeinde dem Bund ab.

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