Die sogenannte Ladestraße Ost unweit des Bahnhofs von Mittenwald
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Hier soll die Hotelanlage hin: Auf der Bahnbrache an der Ladestraße Ost.

Zu laut und zu groß: Anrainer kritisieren Vorhaben

Hotelprojekt in Mittenwald: Bürgergroll am Kresenzerweg

  • vonChristof Schnürer
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Der Marktgemeinderat Mittenwald hat die Einwände zur Kenntnis genommen - mehr auch nicht. Somit befinden sich die Planungen für das Hotel an der Ladestraße Ost auf der Zielgeraden.

Mittenwald – Eine Anlage, elf Beschwerden – zahlreiche Eigentümer der Ferienwohnungen am Kresenzerweg 3-5 finden das geplante Hotelvorhaben der Ten-Brinke-Projektentwicklungs-GmbH auf der sogenannten Ladestraße Ost gar nicht lustig. „Bitte besinnen Sie sich!“, schreibt einer der Anrainer in seiner Stellungnahme an die Marktgemeinde Mittenwald. Teils mehrseitige Schreiben verfassten die elf von der Verwaltung titulierten „Einwendungsführer“. Marktbaumeister Ralf Bues durfte sie den Ratsmitgliedern in der jüngsten Sitzung in der Schulaula vortragen.

Um es kurz zu machen: Alle Einwände wurden zur Kenntnis genommen. Mehr aber auch nicht. Den Satzungsbeschluss für den vorhabenbezogenen Bebauungsplan Nummer 46 „Ladestraße Ost“ brachte man trotz des Unmuts am Kresenzerweg einstimmig (21:0) auf den Weg. „Ein Meilenstein“, findet Bürgermeister Enrico Corongiu (SPD) gegenüber dem Tagblatt. Nach der Sporthalle an der Schule (wir berichteten) arbeitet der Sozialdemokrat nun ein weiteres Projekt ab, das sein Vorgänger Adolf Hornsteiner (CSU) vor zwei Jahren an der Bahnbrache entlang der Zugstrecke angestoßen hatte.

Laut Investoren soll auf dem derzeit schmucklosen, innerörtlichen Gelände ein massiver, vierstöckiger Baukörper entstehen. In der künftigen Anlage im Zwei- bis Drei-Sterne-Segment möchte man eine Art Lifestyle-Hotel mit 136 Räumen und 272 Betten schaffen. Der Wellness-, Sauna- und Fitnessbereich im obersten Stockwerk soll dem Vernehmen nach auch der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. Geplant ist in der Dachetage zudem ein geräumiger Konferenztrakt. Der Komplex dient also mehreren Gäste-Klientels: Geschäftsleuten auf der Durchreise ebenso wie jungen Urlaubern oder Familien.

Kein reines Wohngebiet

Das Projekt könnte ob dieses Spektrums zum Erfolgsmodell avancieren. In puncto Lärm zum Nachteil der Anlieger, heben die meisten „Einwendungsführer“ in ihrer Stellungnahme hervor. Diese gingen „irrtümlicherweise“ davon aus, heißt es in der Antwort der Marktgemeinde, die angrenzende Nachbarbebauung habe den Charakter eines reinen Wohngebiets mit entsprechend höheren Grenzwerten. „Tatsächlich handelt es sich schon aufgrund der zahlreichen gewerblichen Vermietungsbetriebe und Ferienwohnungen sowie aufgrund der umliegenden Bebauung um ein allgemeines Wohngebiet.“ Somit gehe die Planung von den „richtigen Immissionsrichtwerten“ aus.

Ein massiver Baukörper soll in der Nähe des Mittenwalder Bahnhofs entstehen.

Ferner stößt die Kritik der Anrainer an der Größe und Wucht des Hotels im Rathaus auf keinen Widerhall. Die Verwaltung argumentiert mit den abgestuften Bauelementen, die auch vom Landratsamt in keiner Weise beanstandet wurden.

Lücken im Angebot

Auch der Einwand, das Vorhaben auf der Ladestraße Ost würde Nachteile für Ferienwohnungsbesitzer mit sich bringen, ist für die Gemeinde nicht stichhaltig. Sie verweist stattdessen darauf, das aktuell nur elf Prozent des Mittenwalder Bettenangebots in Hotels zu finden seien. In diesem Zusammenhang erinnert die Kommune beispielsweise an die Schließung des Jägerhofs. „Durch das geplante Hotel können neue Zielgruppen angesprochen und Lücken im Angebot geschlossen werden“, heißt es in der Stellungnahme des Gemeinderats. Dieser kommt zu dem Schluss: „Eine negative Beeinflussung der Nachfrage insbesondere im bestehenden Ferienwohnungssegment ist aufgrund der unterschiedlichen Zielgruppen nicht zu erwarten.“

Die Bauleitplanung geht also trotz des Nachbargrolls in die entscheidende Phase. Nach dem Satzungsbeschluss können Bürger, Verbände und Behörden nochmals in einem kleinen Zeitfenster Bedenken oder Anregungen vorbringen. „Dass es bei einem Projekt dieser Größenordnung Einwände gibt, das ist doch klar“, sagte Bürgermeister Corongiu.

Ihm zufolge ist zwar eine Normenkontrollklage potenzieller Hotelgegner grundsätzlich möglich. Die Erfolgsaussichten sind jedoch aufgrund des Placets übergeordneter Stellen eher gering. Aufschiebende Wirkung hätte der Gang vor die Verwaltungsrichter allemal, wie das gescheiterte Hotelprojekt an der Dammkarstraße deutlich vor Augen führt.

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