Diese Woche soll’s losgehen: Das Pfarrer-Ehepaar Simone Hilbert Hegele und Josias Hilbert Hegele freuen sich auf die PV-Anlage auf dem südlichen Dach der Mittenwalder Dreifaltigkeitskirche.
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Diese Woche soll’s losgehen: Das Pfarrer-Ehepaar Simone Hilbert Hegele und Josias Hilbert Hegele freuen sich auf die PV-Anlage auf dem südlichen Dach der Mittenwalder Dreifaltigkeitskirche.

Energiewende in Mittenwa

Erstmalig im Landkreis: Grüner Strom vom Kirchendach

  • VonChristof Schnürer
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So etwas dürfte über die Landkreisgrenzen hinweg absolut einzigartig sein: eine Photovoltaik-Anlage auf einem Gotteshaus. Im Laufe dieser Woche sollen dazu die Arbeiten an der Dreifaltigkeitskirche in Mittenwald beginnen.

Mittenwald - Pfarrerin Simone Hilbert Hegele zeigt sich überzeugt: „Das wird unserer Kirche gut stehen.“ Die Theologin, die sich seit Juli 2020 mit ihrem Ehemann Josias um die evangelische Gemeinde im Oberen Isartal kümmert, zielt damit auf ein ehrgeiziges Projekt ab: Heute nämlich soll die Installation einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach der Mittenwalder Dreifaltigkeitskirche beginnen. Grüner Strom von ganz oben sozusagen. Auf jeden Fall dürfte diese Initiative weit über die Landkreisgrenzen hinweg einzigartig sein.

„Ein schönes Zeichen“, findet die Pfarrerin im Hinblick auf die vielbeschworene Energiewende in Zeiten des Klimawandels. „Vor allem weil die Bewahrung der Schöpfung und die Nachhaltigkeit bei uns gerade große Themen sind.“ Doch selbst bei diesem beispielgebenden Vorhaben einer christlichen Glaubensgemeinschaft geht es letztlich auch um den schnöden Mammon. 16 000 Euro kostet die Aktion „Grüner Strom vom Kirchendach“. „Wir haben Erspartes zur Seite gelegt“, informiert Rudi Achtner vom Kirchenvorstand, der das Projekt koordiniert. Zuschüsse von der Landeskirche, die nach monatelangem Hin und Her Grünes Licht gegeben hatte, gibt es nämlich nicht. „Deshalb freuen wir uns über jede Spende“, untermauert Simone Hilbert Hegele.

Die künftige PV-Anlage mit einer Maximal-Leistung von 9,8 Kilowatt-Peak soll im Winter die elektrischen Heizstrahler unter den Kirchenbänken versorgen und im Sommer die Entfeuchtungsanlage. „Die brauchen unwahrscheinlich viel Strom“, erläutert Achtner. Künftig kommt die Energie direkt vom Dach, der wenige Rest wird ins Stromnetz eingespeist. Laut Achtners Berechnungen soll sich die 16 000-Euro-Investition in zehn Jahren amortisiert haben. „Jetzt freuen wir uns auf umweltfreundlichen Strom.“

Vom Dach eines Gotteshauses, das 1938 gebaut wurde und das nicht denkmalgeschützt ist. Zudem kollidiert die PV-Anlage, die wegen des Steildachs nicht aufgeständert werden muss, nicht mit der Mittenwalder Ortsgestaltungssatzung. „Rein rechtlich können sie es machen“, teilt Marktbaumeister Ralf Bues mit, der von dem Bauvorhaben ebenso wenig wusste wie das Landratsamt. Ist in diesem Fall auch nicht zwingend vonnöten. Wobei in diesem Zusammenhang Stephan Scharf, der Sprecher des Landratsamtes, auf den sogenannten Nähfall hinweist. Dieser tritt dann ein, wenn unweit eines Bauvorhabens sich ein denkmalgeschütztes Anwesen befindet. In der Tat gibt es solche in der rückwärtigen Goethestraße. Grundsätzlich empfiehlt Scharf vorab einen Blick in den Denkmal-Atlas und – sicher ist sicher – eine Rücksprache mit den Fachbehörden.

Vor diesem Hintergrund sind innovative PV-Anlagen auf katholischen Kirchen im Landkreis schwieriger zu realisieren, firmieren die meisten doch wegen ihres Alters und der Architektur als Baudenkmäler. Immerhin: In den vergangenen zehn Jahren hatte man drei von fünf PV-Anlagen auf derlei geschützen Anwesen unter gewissen Auflagen genehmigt – eine Kirche war übrigens nicht dabei. Somit bleibt der Fall Mittenwald bis auf Weiteres einzigartig.

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