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Hält an seinen Überzeugungen fest: Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) missfällt, sachlichen Argumenten Emotionen entgegenzuhalten.  

Mittenwald vor dem Bürgerentscheid/Ratsbegehren

Bürgermeister unter Beschuss

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Dunkle Wolken hängen derzeit über Mittenwald. Es donnert unterm Karwendel. In der Debatte zum Hallenbad-Neubau hagelt es nur so Vorwürfe. Einige richten sich gegen Rathauschef Adolf Hornsteiner (CSU).

Mittenwald - Sie gerät immer mehr ins Abseits, die viel propagierte Sachlichkeit. Je näher der Bürgerentscheid rückt, desto mehr versteift man sich auf Aussagen einzelner Meinungsmultiplikatoren. Mittenwald steht vor einer Zerreißprobe, im Gemeinderat, in der Bevölkerung. Am 5. Februar entscheiden die Bürger, ob ein Hallenbad gebaut wird oder nicht. Egal, wie das Resultat ausfällt, der Ton in der Marktgemeinde ist rauer geworden. Persönlicher. Vor allem gegenüber Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU).

Noch nie seit seinem Amtsantritt im Jahr 2008 stand der 54-jährige Rathauschef derart unter Beschuss. Kritik hagelt auf den „Mous’n-Adi“ ein – und das nicht nur beim Schwimmbadthema – Karwendelbahn, Tourismus-Kooperationen, gescheitertes Hotelprojekt – derzeit kommt’s dick für den einstigen Hoffnungsträger, der vor knapp neun Jahren als Politneuling so viel frischen Wind ins verstaubte Rathaus brachte. Lange ist’s her: Mittlerweile hat der Leuchtturm an Strahlkraft verloren. Es beschleicht einen sogar der Verdacht, dass es einigen beim derzeit laufenden Bürgerentscheid/Ratsbegehren, dessen Ergebnis am 5. Februar bekannt gemacht wird, weniger um die Sache geht, als vielmehr darum, dem Bürgermeister eine Wahl-Watsch’n zu verpassen.

Am Bürgermeister-Stuhl wird gesägt

Spätestens seit dem Stammtisch der Freien Wähler am vergangenen Freitag ist nicht mehr von der Hand zu weisen, dass schon jetzt eifrig an seinem Bürgermeister-Stuhl gesägt wird. Wie berichtet, hatte SPD-Mitglied Alfred Kielgas die nächsten Kommunalwahlen im Jahr 2020 aufs Tableau gebracht. „Da wird sich was ändern“, sagte der Bad-Befürworter und spielte auf die komfortable CSU-Mehrheit im Marktgemeinderat an. Freie Wähler und SPD würden Stimmen gewinnen, „wenn Sie Ihre Meinung nicht ändern“.

Daran denkt Hornsteiner, der selbst anwesend war, gar nicht. Der langjährige Mittenwalder Gemeindewerkschef, in dessen Aufgabengebiet auch der Betrieb des inzwischen stillgelegten Karwendelbads fiel, bleibt seinem Standpunkt treu. Er lehnt angesichts der aktuellen Finanzlage und anderen wichtigen Projekten derzeit einen Bad-Neubau ab. Aus Verantwortungsbewusstsein. Deshalb „ist es meine Pflicht, den Bürgern sachliche Informationen an die Hand zu geben, damit sie sich letztendlich selbst ein Bild machen können“, betont er auf Tagblatt-Nachfrage. Und auch er dürfe seine Meinung kundtun, unterstreicht er.

„Ich ziehe mich nicht ins Schneckenhaus zurück“

Sein Amt an die Entscheidung am 5. Februar zu binden, kommt für ihn nicht in Frage. „Ich bin bis 2020 gewählt, das ist mein Auftrag.“ Den haben ihm bei den letzten Kommunalwahlen 86,45 Prozent der abstimmenden Mittenwalder Bevölkerung gegeben. Selbst wenn das Ratsbegehren scheitert, „ich ziehe mich nicht ins Schneckenhaus zurück“, macht er deutlich. Weil er motiviert ist, wie er betont. Dabei scheut er auch nicht vor einer ausgelutschten Floskel zurück. Denn das Amt sei für ihn nämlich nicht nur ein Beruf, sondern eine Berufung.

Bis 2020 wird aber noch viel Wasser die Isar hinunterfließen, erst dann haben es die Bürger in der Hand und „können urteilen, wie es weitergeht.“ Jetzt aber müssen erst einmal Wogen geglättet werden – ob mit oder ohne Neubau. Gerade für Hornsteiner eine Mammutaufgabe.

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