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Beim Bürgerentscheid im Februar war das Ergebnis knapp.

Lokalpolitischer Zündstoff

Hallenbad Mittenwald: Kommt nun ein Ratsbegehren?

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Tanz auf der Rasierklinge: Im Mittenwalder Gemeinderat wurden Töne laut, dass man die Bürger nochmal zu einem Hallenbad-Bau hören sollte.

Mittenwald– War der Gedanke spontan oder wohl überlegt? Auf jeden Fall hat der eine Satz, den CSU-Mann Michael Altmann am Ende einer hitzigen Debatte über den geplanten Hallenbad-Neubau in Mittenwald aussprach, enorme Sprengkraft. Wenn die Kosten und der Standort für dieses umstrittene Projekt geklärt sind, sollte man noch einmal den Bürger befragen, regte der Christsoziale an. Nicht wenige deuten das als klare Aufforderung zu einem Ratsbegehren über ein Millionen-Euro-Vorhaben, das den Karwendelort und seine politischen Gremien zuletzt regelrecht entzweit hat.

Viele in Mittenwald fragen sich nun: Worauf spi

elt Altmann, der ansonsten nicht unbedingt für provokante Thesen bekannt ist, eigentlich an? Gegenüber dem Tagblatt nimmt er das Reizwort Ratsbegehren wohlweislich nicht in den Mund, bekräftigt aber: „Es wäre sinnvoll, den Bürger zu fragen.“ Über das Wie hält er sich bedeckt. Seine Äußerung sei auch nicht von langer Hand von der CSU-Fraktion, die sich vor dem Bürgerentscheid im Februar ganz klar gegen einen Hallenbad-Neubau aus finanziellen Gründen positioniert hatte, geplant gewesen. „Das ist meine ganz persönliche Meinung“, beteuert der Gemeinderat. „Das ist eine Aussage Altmann und ein Gedankengang Altmann.“

Eine Diskussion darüber fand im Rathaus übrigens nicht statt. Altmann hatte nämlich im selben Atemzug beantragt, die Diskussion darüber zu beenden. Diesem Ansinnen stimmte das Gremium mehrheitlich zu.

Dabei hätte einer gerne etwas dazu gesagt: Georg Seitz, Fraktionssprecher der Freien Wähler. Diese Gruppierung hatte neben der SPD den Neubau explizit befürwortet und beim Plebiszit einen hauchdünnen Sieg (50,2 Prozent dafür, 48,8 Prozent dagegen) eingefahren. „Ich habe davon zum ersten Mal gehört“, sagt Seitz. Was er von einem Ratsbegehren hält? „Das ist doch der Wahnsinn!“ Seiner Meinung nach versuchen die Hallenbad-Gegner, allen voran die Bürgermeister-Partei CSU, „mit aller Gewalt“ ein für sie missliebiges Ergebnis mit diesem – legitimen – Instrument zu revidieren. Seitz findet das gar nicht lustig. „Irgendwann hat man mal die Schnauze voll, da kommt jetzt ein Knaller nach dem anderen.“ Damit spielt der Fraktionschef unter anderem auf die Kranzberg-Modernisierung an, die sich die CSU – O-Ton Seitz im Gemeinderat – „auch an Land gezogen hat“.

Die Fronten in der zentralen Zukunftsfrage Mittenwalds sind also nach wie vor verhärtet. Umso mehr kommt die Altmann-Offensive einem Tanz auf der Rasierklinge gleich. Die allmächtige Mittenwalder CSU – Kümmerer um das Allgemeinwohl oder einfach nur schlechter Verlierer? Darüber möchte sich Enrico Corongiu (SPD), ein weiterer Hallenbad-Verfechter, nicht äußern. Nur so viel: „Ich nehme die Leute schon beim Wort.“ Damit spielt er nicht zuletzt auf den Rathauschef an, der nach der für ihn schmerzhaften Bürgerentscheids-Niederlage im Februar signalisiert hatte, den Willen der knappen Mehrheit umzusetzen. „Pack’ mas o“, verkündete Adolf Hornsteiner seinerzeit forsch.

Und was sagt er knapp zehn Monate später? „Wir arbeiten nach bestem Wissen und Gewissen an diesem Thema.“ Doch liegen belastbare Zahlen auf dem Tisch, könnte sich Hornsteiner offenbar mit der Altmann-These anfreunden. Anders ist folgender Satz nicht zu deuten: „Aufgrund der Relevanz wäre es nicht verkehrt, den Bürger noch einmal zu fragen.“ Ein Ausspruch mit Tragweite. 

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