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Für das abgerissene Karwendelbad wurde ein Alternativstandort gefunden.

Hallenbad-Neubau in Mittenwald 

Millionen-Projekt mit dickem Fragezeichen

Vorausgesetzt das Ratsbegehren der CSU scheitert, bekommt Mittenwald ein kleines und kompaktes Hallenbad. Der Marktgemeinderat segnete sowohl den künftigen Standort (Nemayer-Areal) als auch die Ausstattung mit großer Mehrheit (17:1) ab.

Mittenwald – Leistungsturner Stefan Schmitz (Bürgervereinigung), ein glühender Verfechter einer Dreifach-Sporthalle, bleibt beim Thema Hallenbad-Neubau bei seinem klaren Nein. Die zehn Millionen Euro, die der Mittenwalder Steuerzahler dafür aufbringen soll, bezeichnete Schmitz am Dienstagabend im Gemeinderat als „rausgeschmissenes Geld“. Zumal bei dem „Plansch-Badl“, wie es der Berufschullehrer provokant titulierte, angesichts der geringen Wassertiefe (1,35 Meter), zweier Bahnen à 25 Meter und fehlender Startblöcke Familien und Sportler außen vor bleiben. „Dafür hat jetzt der Saunagänger sein Hallenbad.“

Nein zu „Kostenfresser“

Schmitz’ beißende Kritik verhallte bei seinen Ratskollegen. Das Gremium segnete das Raumprogramm und den künftigen Standort mit großer Mehrheit (17:1) ab. Nur Schmitz konnte und wollte dem „Kostenfresser“ nicht zustimmen.

Vorausgesetzt, das am Ende der öffentlichen Sitzung angekündigte Ratsbegehren der CSU scheitert, wird auf dem gemeinde-eigenen Grundstück vis à vis des inzwischen abgerissenen Karwendelbads (Nemayer-Areal) auf Grundlage der sogenannten Krautloher Studie (Variante 2) eine neue Freizeitanlage entstehen. Zuvor hatte sich der im Juli 2017 geschaffene Arbeitskreis – unter anderem mit dem Sprecher der Bürgerinitiative Pro Hallenbad, Armin Görlich – auf diesen Standort geeinigt. Im Gespräch war auch die Eisfläche zwei an der Arena (SPD-Antrag) sowie der Bolzplatz im Riedboden (Vorschlag der Familie Rothmann). Nach Auswertung der vier Hauptkriterien (Eignung des Standorts, Erschließung, Wirtschaftlichkeit und zeitnahe Umsetzung) ergab sich folgendes Ergebnis: Eisfläche zwei (287 Punkte), Riedboden (283) und Nemayer-Grundstück (361). Aufgrund dieser gesammelten Daten verständigte sich, wie Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) betonte, der Arbeitskreis einhellig auf das ohnehin vorgesehene Gelände an der Bahnhofstraße. Für Rudi Rauch (SPD) nur „dritte Wahl“. „Aber ich stimme mit einem grimmigen Ja zu.“

Badehalle mit zwei Bahnen

Was soll dort entstehen? Im Zuge des Raumprogramms, das jährlich 60 000 Badegästen und etwa 20 000 Sauna- und Wellness-Gästen zugrundelegt, entsteht auf einer Grundstücksfläche von rund 2000 Quadratmetern ein kompakter Komplex mit folgenden Elementen: Eingangsraum (140 Quadratmeter), Umkleidebereich mit Duschen und WC (240 Quadratmeter), Badehalle mit zwei 25-Meter-Bahnen, Liegeflächen, Kleinkinderbereich, Wassergumpen und Wasserfallbecken (875 Quadratmeter), Verwaltungs- und Personalräume (45 Quadratmeter), Gastrofläche (190 Quadratmeter), Sauna (440 Quadratmeter) sowie Wellness-Refugium samt Massageräume und Salzgrotte (65 Quadratmeter). Die Sparte Technik benötigt rund 880 Quadratmeter im Kellergeschoss. Draußen denkt man unter anderem an ein Außenbecken (70 Quadratmeter), eine Sonnen-Terrasse und eine Liegewiese.

Geringe Beckentiefe

Rauch, der sich stets als Hallenbad-Befürworter exponiert hatte, bereitet die geringe Wassertiefe von 1,35 Meter enormes Kopfzerbrechen. „Wir können aus Kostengründen nicht tiefer gehen“, entgegnete ihm Arbeitskreis-Mitglied Dieter Schermak (CSU). Ginge es weiter nach unten, dann bräuchte man nämlich einen zusätzlichen Bademeister. Mit anderen Worten: Die Personalkosten würden steigen. In diesem Zusammenhang erinnerte Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) an Rauchs Fraktionskollegen Enrico Corongiu. Dieser fehlte am Dienstag berufsbedingt. Als Arbeitskreis-Vertreter soll dieser laut Rathauschef „klar signalisiert“ haben: „Mit einer Beckentiefe von 1,35 Meter ohne Startblock können wir leben.“

Und die Freien Wähler, die Hallenbad-Fraktion schlechthin, zeigten sich mit dem ausgehandelten Gesamtpaket ohnehin mehr als zufrieden. „Am Anfang hab’ ich schwarz gesehen“, sagte deren Vertreter Sepp Zunterer, „aber jetzt ist alles gut geworden“. Zu diesem Zeitpunkt konnte der Wirt der Alpenrose noch nicht ahnen, das die Mehrheitsfraktion CSU in Gestalt von Regina Hornsteiner zum großen Finale das Ratsbegehren aus der Schublade zieht – Überraschung gelungen.

Christof Schnürer

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