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Die Grenze nach Tirol ist bei Mittenwald immer noch dicht.

Verbindung zwischen Bayern und Tirol gekappt

Lawinengefahr: Harte Zeiten für Grenzgänger

Harte Zeiten für Grenzgänger: Wegen der akutenLawinengefahr ist seit einigen Tagen im Oberen Isartal die Verbindung zwischen Bayern und Tirol gekappt. Für Pendler, die in dem einen Teil wohnen und in dem anderen arbeiten, bedeutet diese Sperre eine Herausforderung.

Mittenwald/Scharnitz/LeutaschSo nah und doch so fern – das denken sich momentan zahlreiche Mittenwalder, die entweder im benachbarten Tirol wohnen oder arbeiten. Sowohl die Verbindung nach Scharnitz als auch Leutasch ist gekappt – Lawinengefahr.

Für echte Grenzgänger eine schwierige Situation, die vom einen oder anderen Improvisationskunst erfordert – beispielsweise für Josef Schandl. Der Stuck’n-Seppi, leidenschaftlicher Fingerhakler und Theaterer, wohnt nämlich an der Mittenwalder Riedkopfstraße und verdient sein Geld im Bauhof des Tourismusverbands Seefeld in Leutasch. Vor einer Woche ist er wie immer zur Arbeit hinüber aufs Plateau gefahren – abends war die Grenze dicht. „Zum Glück konnte ich zweimal bei meiner Mutter in ihrem Haus in Unterleutasch übernachten“, erzählt Schandl. Verpasst hat er dadurch in seinem Heimatort am Freitag auch die Jahres versammlung der Fingerhakler, bei der der deutsche und alpenländische Vizemeister im Schwergewicht geehrt werden sollte. „Am Wochenende habe ich dann mit meiner Pistenraupe die Loipen für ein Skilanglaufrennen präpariert.“ Am Sonntag kurz vor Mittag war er damit fertig und durfte nach Hause fahren. Ein kleines Zeitfenster hatte sich aufgetan. „Ich habe es gerade noch geschafft, vor der erneuten Straßensperrung nach Mittenwald zu kommen.“

Bis jetzt wartet Schandl ab, dass die Straße in die Leutasch wieder geöffnet wird. Ein Nachteil entsteht ihm durch diese Zwangspause nicht. „Ich brauche keinen Urlaub nehmen“, berichtet der Stuck‘n-Sepp erleichtert. „In Radio Tirol kam die Nachricht, dass wir eine bezahlte Freizeit in Anspruch nehmen dürfen.“

Darüber ist auch Andreas Strodl froh. Der 20-jährige Mittenwalder arbeitet ebenfalls in Leutasch beim kommunalen Bauhof – im Sommer als Gärtner, im Winter beim Räumdienst. „Die Gemeinde zeigt sich kulant, jetzt habe ich ein paar Tage frei.“ Diese Phase will Strodl nicht sinnlos verstreichen lassen. „Jetzt helfe ich meinen Eltern bei der Landwirtschaft und beim Schneeräumen.“ Josef Schandl nutzt die Zwangspause erst einmal zum Schneeräumen rund um sein Haus. Einen Seitenhieb kann sich der Mittenwalder dabei nicht verkneifen. „In Leutasch wird geräumt und gesalzen, da gibt es nicht so ein Verkehrschaos wie hier.“

Bei Mark Ostermayr, der jenseits der Porta Claudia in Scharnitz lebt und in Mittenwald arbeitet, stellt sich die Lebenswirklichkeit genau anders herum dar. Auch er kommt seit vergangener Woche wegen der Grenzsperrung nicht zu seinem Arbeitsplatz bei Mauritius Images. „Ich habe aber das große Glück“, erzählt der Vize-Vorsitzende des örtlichen TSV, „dass ich den Großteil meiner Arbeit von zu Hause aus erledigen kann“. In seiner Wohnung hat sich der 44-Jährige ein Büro eingerichtet. „Von dort aus kann ich die Finanzbuchhaltung und das Controlling erledigen. Außerdem besteht ja auch die Möglichkeit, mich telefonisch mit den Kollegen in der Firma kurzzuschließen.“ Entgegen allen Prognosen glaubt Ostermayr an ein baldiges Ende seiner Heimarbeit. „Ich rechne damit, dass ich im Laufe dieser Woche wieder nach Mittenwald fahren kann.“

Wolfgang Kunz

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