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Haus Röhling in Mittenwald: Im Sommer wird zugesperrt

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Von: Christof Schnürer

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Suchttherapiestätte Haus Röhling am Oberen Rain 3 in Mittenwald
Die geforderte Sanierung ist nicht refinanzierbar: Daher muss Haus Röhling im Juni schließen. © Josef Hornsteiner

Die Suchttherapiestätte am Oberen Rain ist bald Teil der Ortsgeschichte. Vermutlich zur Jahresmitte wird die Einrichtung des Deutschen Ordens aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen. Die nötigen Sanierungsarbeiten hätten schlichtweg zu viel Geld verschlungen. Somit geht eine 32-jährige Ära in Mittenwald zu Ende.

Mittenwald – Die Wortwahl von Helmut Meixner spricht Bände: „Jammerjammerschade“ und „todtraurig“ findet der Heimleiter die jüngste Entwicklung, an deren frustrierendem Ende das Aus von Haus Röhling steht. Am 30. Juni wird die Mittenwalder Suchtherapiestätte nach über 30 Jahren dicht gemacht. „Die Entscheidung zur Schließung des Hauses Röhling bedauern wir sehr, können aber versichern, dass wir alle Handlungsoptionen sehr sorgfältig geprüft haben“, lässt der zuständige Suchthilfe-Leiter Jochen Meyer vom Deutschen Orden, der Träger dieser Einrichtung ist, via Presse-Mitteilung wissen.

Auch für die politische Gemeinde ist diese Nachricht ein herber Schlag. „Definitiv ein Verlust für Mittenwald“, bedauert Bürgermeister Enrico Corongiu (SPD). Zumal sich Haus Röhling und dessen Bewohner stets im Ortsleben eingebracht haben – beispielsweise beim Christkindlmarkt. „Daher finde ich die jüngste Entwicklung sehr schade, kann die Entscheidung aber verstehen.“

Derjenige, der den Standort Mittenwald – einer von bundesweit 60 sozialen Stätten des Ordenswerks – abwickeln darf, ist Helmut Meixner (62), der bald 31 Jahre die Geschicke am Oberen Rain 3 lenkt. Der Oberauer kann somit getrost als Mann der ersten Stunde tituliert werden. „Ich habe es aufgebaut, weiterentwickelt, und jetzt geht es zu Ende.“ Melancholie mischt sich in Meixners Rückschau. Doch der Heimleiter, der bis zuletzt an das Projekt Mittenwald glaubte, gibt sich auch selbstkritisch. „Wir haben es alle nicht geschafft, unter diesen Rahmenbedingungen ein tragfähiges Zukunftskonzept hinzubringen.“ Meixner zielt damit auf die seit langem geforderte Modernisierung der Suchtherapiestätte ab. Denn aufgrund gesetzlicher Vorgaben des Freistaats Bayern entspricht die bauliche Situation der Immobilie, die Slauko Fürst von Sayn-Wittgenstein gehört, nicht mehr den staatlichen Anforderungen.

Seit zehn Jahren haben wir diese Unsicherheit.

Heimleiter Helmut Meixner

„Seit zehn Jahren haben wir diese Unsicherheit“, verdeutlicht Meixner. Etwas Hoffnung keimte im Sommer 2021 auf, als der Mittenwalder Marktgemeinderat einem möglichen An- beziehungsweise Umbau keine Steine in den Weg legte. Ganz im Gegenteil: „Wir sind froh, dass wir diese Einrichtung haben“, sagte seinerzeit Bürgermeister Corongiu mit Nachdruck. Die vorgelegte Planung sah den Abriss der nördlichen Bestandsgebäude und den Neubau eines zweigeschossigen Zimmertrakts vor, der durch einen Verbindungsgang barrierefrei mit dem Altkomplex verbunden ist. Alles Schnee von gestern: Trotz „intensiver Bemühungen“ sei es nicht möglich gewesen, „eine nachhaltige Perspektive für unser Haus Röhling sicherzustellen“, heißt es in der Presseerklärung. Die Kosten für die durch die „Verordnung zur Ausführung des Pflege- und Wohnqualitätsgesetzes“ notwendig gewordenen Umbaumaßnahmen „überschreiten die Refinanzierungsmöglichkeiten“. Bittere Konsequenz: „Nach einer über Jahre hinweg intensiven Abwägungs- und Prüfungsphase ist die Schließung unserer Einrichtung damit unumgänglich geworden.“

Traurig für die aktuell 30 Mitarbeiter und die verbliebenen 20 Heimbewohner (insgesamt 56 Therapieplätze). Einige von ihnen leben bereits seit mehreren Jahrzehnten im Haus Röhling. „Das tut besonders weh“, meint Meixner, „die haben hier eine Heimat gefunden“.

Diese Menschen sollen nicht durchs Raster fallen. „Die Ordenswerke haben in der Region ein hervorragendes Suchthilfe-Netzwerk“, betont Jochen Meyer. „Daher prüfen wir gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern nun die Option für eine Weitervermittlung in andere Einrichtungen.“ Zudem kümmere man sich in puncto Belegschaft „in gemeinsamen Gesprächen um individuelle, sozialverträgliche und zukunftsfähige berufliche Perspektiven“.

Heimleiter Helmut Meixner, der in Bad Tölz mit Haus Waldherr noch eine adäquate Therapiestätte zu verantworten hat, bleibt in fünf Monaten nur noch die Erinnerung an 31 gemeinsame Jahre und an Haus Röhling – für ihn „eine wunderschöne Anlage“ und enorm wichtiger Teil seines Lebens.

Hintergrund:

Das Objekt wurde zum größten Teil 1955 als sogenanntes Kur- und Diätheim errichtet und 1965 erweitert. 1970 hatte man das Gebäude aufgestockt und das Schwimmbad überdacht. Seit 1990 ist in dem Komplex unter der Trägerschaft des Deutschen Ordens eine soziotherapeutische Einrichtung für suchtkranke Menschen beheimatet. Haus Röhling, wie es in Mittenwald besser bekannt ist, verfügt über 56 stationäre und 14 ambulante Plätze.

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