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Der Heilige Mauritius grüßt auf dem Ortswappen die Autofahrer am Ortseingang von Mittenwald.
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Der Heilige Mauritius grüßt auf dem Ortswappen die Autofahrer am Ortseingang von Mittenwald.

Muss der „Mohr“ weg?

Heiliger Mauritius im Mittenwalder Wappen - CSU-Ortsverband reagiert empört: „Er ist ein Vorbild, kein Stereotyp“

  • Josef Hornsteiner
    vonJosef Hornsteiner
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Der Mittenwalder Ortsverband der CSU reagiert auf die Petition gegen das Ortswappen. Die Abbildung sei kein „falsches rassistisches Motiv“.

Mittenwald – Er ist allgegenwärtig. An der Ortseinfahrt, im Flur des Rathauses als Skulptur, an gestickten Hosenträgern von Trachtlern, auf geweihten Fahnen von Vereinen. Der Mohr im Ortswappen ist in Mittenwald nicht wegzudenken. Dass er einmal verschwinden könnte? Unvorstellbar. Doch genau das wünscht sich eine Bürgerin mit einer Petition, die sie im bayerischen Landtag eingereicht hat. Das Motiv sei rassistisch, verletzend und eine kolonialistische Stereotype, heißt es in dem Schreiben. Alleine die Bezeichnung „Mohr“ sei bereits eine Abwertung und mit dem N-Wort gleichzusetzen.

CSU-Ortsverband stellt sich schützend vor sein über 600 Jahre altes Hoheitszeichen

Mit der Petition zielt sie auf die oberfränkische Stadt Coburg sowie auf die Landkreise Freising und Garmisch-Partenkirchen – Mittenwald kannte die Petentin wohl noch nicht. Doch fiel natürlich auch der Name des Geigenbauorts in der überregionalen Berichterstattung, weshalb sich der CSU-Ortsverband nun schützend vor sein über 600 Jahre altes Hoheitszeichen stellt. „Mit uns wird es keine Veränderung unseres schönen Wappens geben“, schreiben sie in einem offenen Brief.

Der Schutzheilige des Heeres ist oft auch als Statue gezeigt worden, wie hier im Dom zu Magdeburg.

Die Isartaler sind nämlich stolz auf ihr Zeichen. Es ist am 20. Juni 1407 von Bischof Berthold von Wachingen in seiner Eigenschaft als Landesherr des Werdenfelser Gebiets verliehen worden – als erstes Gemeindewappen überhaupt in Bayern. Bei der jetzigen Diskussion sollten die Beteiligten vielmehr auf die geschichtlichen Hintergründe eingehen, als „pauschal völlig falsche rassistische Motive“ zu unterstellen, fordern die Christsozialen.

Der Heilige Mauritius zeigt, dass alle Menschen unabhängig von ihrer Herkunft oder Abstammung Heilige und somit Vorbilder werden können.

CSU-Ortsverband Mittenwald in einem offenen Brief

Einblick in die Historie gibt das Haus der Bayerischen Geschichte, das sich schon länger intensiv mit dem Thema befasst. Demnach geht der Mittenwalder Mohr auf den Heiligen Mauritius zurück. Er ist der Schutzheilige des Heeres, der Infanterie, der Messer- und Waffenschmiede. Seit Jahrhunderten wird er angerufen vor der Schlacht oder vor einem Gefecht. „Doch handelt es sich bei ihm um keine fiktive Gestalt, welche eine kolonialistische Stereotype darstellt“, erklärt Tobias Schmidt aus Nürnberg. Er hat eine Gegenpetition Online ins Leben gerufen. Mauritius sei bereits im 13. Jahrhundert auf Münzen dargestellt worden. Also noch vor der von Europa ausgehenden Kolonialisierung. Genau wie das Mittenwalder Wappen aus dem Jahr 1407.

Heiliger Mauritius und seine gesamte Legion wegen ihres christlichen Glaubens hingerichtet

Er wurde der christlichen Überlieferung zufolge im dritten Jahrhundert in Ägypten geboren und war der Legende nach der Anführer der römischen thebaischen Legion. Wegen ihres christlichen Glaubens sollen Mauritius und alle seine Soldaten hingerichtet worden sein. Mauritius wird deshalb in der katholischen Kirche als Märtyrer und seit dem 4. Jahrhundert als Heiliger verehrt. Sein schwarzafrikanisches Konterfei ziert seither unzählige Wappen in Deutschland: Coburg, Flumenthal, Förderstedt, Mandach, Zwickau – sogar das Kardinalswappen von Joseph Ratzinger, dem ehemaligen Papst Benedikt XVI, bildet zwei Mohren ab – den des Hochstifts Freising und jenem aus dem Wappen der Pappenheimer. Sie alle zeigen einen Mann mit krausem Haar und dunkler Hautfarbe.

Die Verehrung ist keine stereotypische Darstellung - genau das Gegenteil sei der Fall

Auch wenn Althistoriker die historische Existenz der legendären Legion anzweifeln, ist die Geschichte um den Heiligen für die Mittenwalder Christsozialen eine vorbildliche, die bis heute nichts an ihrer Aktualität verloren hat. Die Verehrung ist keine stereotypische Darstellung. Genau das Gegenteil ist der Fall. „Der Heilige Mauritius zeigt, dass alle Menschen unabhängig von ihrer Herkunft oder Abstammung Heilige werden und damit für alle anderen Menschen ein Vorbild sein können“, schreibt die CSU. „Der Heilige Mauritius ist also ein Vorbild, kein Stereotyp.“ Das traditionsreiche Wappen trugen „die Einheimischen in der Vergangenheit zurecht mit Stolz“. Daran soll auch ein „unbegründeter Aktionismus hinsichtlich der Petition künftig nichts ändern“. Das Ortswappen ist „seit Generationen identitätsstiftend für die Gemeinschaft des Marktes“.

Die Mittenwalder wehren sich gegen die Rassismusvorwürfe. Zahlreiche Einheimische haben in den sozialen Medien ihr Profilbild gegen das des Ortswappens getauscht. Der Heilige Mauritius schweißt zusammen.

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