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Der Angeklagte wurde unter anderem zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. 

Er hat die Nachrichten falsch gedeutet

Heiße Chats mit fataler Folge: Mann vergewaltigt Kollegin

Er gab die Tat zu, bereut sich auch. Ein 26-Jähriger hat in einem Isartaler Beherbergungsbetrieb seine 19-jährige Kollegin vergewaltigt. Jetzt bekam er sein Urteil. 

Garmisch-Partenkirchen/Oberes Isartal – Schnell, einfach und sicher – so wirbt der Smartphone-Dienst Whats-App für seine Möglichkeiten, Nachrichten aller Art blitzschnell von Mensch zu Mensch zu versenden. Was auch von ein paar jungen Bediensteten in einem Isartaler Hotel rege genutzt wurde. Unter anderem, um sich gegenseitig über sexuelle Vorlieben auszutauschen. So harmlos begann Ende des vergangenen Jahres eine Geschichte, die jetzt im Garmisch-Partenkirchner Schöffengerichtssaal behandelt wurde. Denn einer der WhatsApp-Partner, ein 26-Jähriger, nahm die virtuellen Versprechungen einer 19-jährigen Kollegin so wörtlich, dass er sie in ihrem Personalzimmer besuchte, sich ihr näherte und das Mädchen trotz aller Abwehrversuche vergewaltigte. Was er zwar mittlerweile bitterlich bereut und mit Entschuldigungen wieder gut machen wollte, dennoch aber zu einer Verurteilung führte: Wie der Vorsitzende Richter Andreas Pfisterer verkündete, bekam der Angeklagte eine 18-monatige Bewährungsstrafe, muss 2000 Euro Schmerzensgeld an sein Opfer zahlen, dazu 1500 Euro Geldauflage ans Murnauer Frauenhaus und sich überdies psychiatrisch behandeln lassen.

Mann wendete Gewalt an

Laut Staatsanwalt Steffen Wirsing arbeiten die beiden seit 2016 in dem gleichen Haus. Bald entwickelte sich ein lockerer, freundschaftlicher Kontakt zwischen ihnen. Doch nachdem man sich im gegenseitigen Chatverkehr ziemlich deutlich über Sex unterhalten hatte, habe der junge Mann offenbar gehofft, selbigen auch im wahren Leben mit der Kollegin praktizieren zu können. Prompt hatte er sich deshalb am 18. November 2017 gegen Mitternacht ins hoteleigene Zimmer der Frau begeben, die sich gerade ihr Dirndl auszog. Er stürzte sich auf sie, warf sie aufs Bett und versuchte, sie zu küssen und zu streicheln. Doch obwohl er von ihr nur gehört habe „lass’ es“ und „verschwinde“, machte er unter Anwendung von Gewalt weiter. Sagte, sie solle sich nicht so anstellen, sprach vom „f...“ und schlug ihr mit der flachen Hand ins Gesicht: Klarer Fall von Vergewaltigung mit vorsätzlicher Körperverletzung.

Der junge Angeklagte versuchte vor Gericht, sich mit dem naiven Argument, sie habe ihm schon in der Arbeit Avancen gemacht und er sei von ihrem Einverständnis ausgegangen, zu rechtfertigen. Ebenso wies er darauf hin, dass er sich telefonisch und per Handynachricht entschuldigte. Doch nicht nur das Gericht, sondern auch die Verteidiger Christian Langhorst und Annika Danner zeigten sich nicht verwundert über die Reaktion des Opfers: „Ich war vollkommen überrascht“, betonte die Frau. „Ich wollte nie was von ihm und stand auch darum hinterher total unter Schock.“

Verteidiger spricht von „Kontrollverlust“

Noch ehe der Staatsanwalt die freizügigen Chatverläufe bei WhatsApp erwähnte, auf deren erotische Nachrichten der Angeklagte angesprungen sei, sprach Langhorst für seinen Mandaten. Der würde ihm zufolge seine Tat zutiefst bereuen und wäre zu einer Schmerzensgeldzahlung von 2000 Euro bereit. Außerdem, so der Verteidiger, habe sich der 26-Jährige bereits zu einer psychiatrischen Behandlung angemeldet. Dennoch beantragte er eine zweijährige Bewährungsstrafe plus der zugesagten 2000 Euro Schmerzensgeld, die Psychotherapie sowie eine Geldauflage von 2000 Euro für eine gemeinnützige Einrichtung. „Er interpretierte ihre Signale völlig falsch“, sagte Langhorst, „und hat danach die Grenze überschritten – Kontrollverlust.“

Trotzdem deutete er das Delikt als minder schweren Fall und bat um allenfalls ein Jahr auf Bewährung. „Er hatte andere Vorstellungen darüber, was die junge Frau tatsächlich wollte“, resümierte auch Richter Pfisterer. „Unter dem Einfluss der WhatsApp-Kommunikation kam es dann zu dem Übergriff des Angeklagten, der mit der Vergewaltigung endete.“ Als Urteil sei die verhängte Strafe deshalb „völlig ausreichend“.

Wolfgang Kaiser

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