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Die zwei halten zusammen: Brigitte und Hermann Salminger.

Geburtstag in Mittenwald

Altbürgermeister Salminger feiert Runden

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Er prägte fast ein Vierteljahrhundert die Mittenwalder Ortspolitik mit - zwölf Jahre davon als Bürgermeister. Nun wird Hermann Salminger 80 Jahre alt.

Mittenwald – Um Hermann Salminger ist es ruhig geworden. Der Altbürgermeister, den in Mittenwald alle nur „Sali“ rufen, sitzt zu Hause am Tisch. Vor ihm liegen die Einladungen zu seinem 80. Geburtstag, den er heute feiert. „Die Frau hat die gemacht“, sagt er und schmunzelt dabei. Spiegelt das gefaltete Blattl doch Salmingers wichtigste Lebensstationen wider – gedruckt auf beigem Papier. Ein Foto ist schwarz-weiß und zeigt ihn als Buben, vielleicht zwei Jahre alt. Er sitzt zwischen seinem uniformierten Vater Josef, Mama Hilde und dem älteren Bruder Helmut.

Geboren wird Hermann Salminger am 30. November 1938 im alten Mittenwalder Krankenhaus (heute Bürgerhaus) – knapp ein Jahr später bricht der Zweite Weltkrieg aus. Der Jubilar betrachtet die Einladung weiter und stößt auf eine Aufnahme, die ihn geradezu nostalgisch werden lässt: Er als junger Mann, schneidig mit Anzug und Krawatte. Da hat er bereits eine Konditorenlehre im Café Hochland in Mittenwald begonnen. „Damals war das noch eine gut bezahlte und angesehene Arbeit“, erinnert sich Salminger.

Nach seiner Lehrzeit und drei Gesellenjahren rückt er in die Bundeswehr ein. Auch wenn es nur ein Wehrpflichtjahr war, hat es sein Leben tief geprägt. „Ich bin zu den Mulitreibern gegangen.“ Es war „die schönste Zeit meines Lebens“, schwärmt er noch heute. Wie oft er mit seinem Tier die Hütten rund um den Karwendel und darüber hinaus auf- und abgestiegen ist, weiß er nicht mehr. Unzählige gesellige Abende hat er mit seinen Kameraden verbracht. „Wir waren ein ganz verschworener Haufen.“ Jeder hat für jeden eingestanden, dem anderen den Rücken gestärkt.

General Klaus Reinhardt hat ihn später sogar liebevoll als „Mulitreiber-Bürgermeister“ bezeichnet. „So eine Kameradschaft wie damals habe ich davor und danach nie mehr wieder erlebt.“ Doch die Bundeswehr zu seinem festen Arbeitgeber zu machen, kam für den Mittenwalder nie in den Sinn.

Deshalb zog es den Jungspund nach seinem Dienst in die Ferne, weg vom Geigenbauort. „Ich wollte beruflich weiter kommen und was anderes sehen.“ In Baden-Baden (Baden-Württemberg) arbeitete er in der Pattiserie des dortigen Kurhauses. Während dieser Zeit lernte er nicht nur beruflich zum Koch um, sondern traf auch Brigitte – die Liebe seines Leben.

Fortan waren die beiden ein Herz und eine Seele. Ein Foto der Geburtstagseinladung zum 80-er zeigt die beiden während der Hochzeit in einer Kirche in Baden-Baden anno 1963. Ein Jahr später werkelt er als Koch in Grünwald bei München und verköstigt fortan prominente Gäste. „Da ging die Crème de la Crème ein und aus.“

1965 zog es Salminger endgültig zurück in seine Heimat unterm Karwendel, wie auch die Bilder seiner Einladung unter dem Schlagwort „Lebenslinien“ zeigen. Der Gasthof Postkeller war die erste, große Herausforderung, der er sich stellte.

Das Bild auf der Einladung zeigt Umbauarbeiten. „Das war unsere Grundvoraussetzung, damit wir den Postkeller übernehmen.“ Er erinnert sich an die zahlreichen Gespräche mit dem damaligen Besitzer Hans Neuner, dem „alten Posthalter“, wie Salminger ihn respektvoll nennt. „Die Wirtschaft soll komplett neu saniert werden, dann machen wir’s“, war seine Forderung. Das ist geschehen. 1966 ziehen er und seine Brigitte in der Brauerei-Wirtschaft ein. Schon damals gibt ihm seine Frau die nötige Kraft und Unterstützung. „Wir haben immer vorab über wichtige Entscheidungen gesprochen.“ Auch als zwölf Jahre später die Kärntner Alm zu haben ist. Kein einfacher Entschluss, schließlich hatte Salminger einen riesigen Stammtisch im Postkeller aufgebaut. „Es gab 112 Stammgläser.“ Doch auch in der Kärntner Alm, die er von 1978 bis 1990 bewirtschaftete, gehen von Beginn an die Einheimischen ein und aus. Viele Probleme werden ihm dort zugetragen. Er lernt die Bürger, ihre Belange und Ängste kennen. Das gibt ihm den Mut, sich 1996 – er sitzt bereits seit zwölf Jahren für die Freien Wähler im Gemeinderat – als Bürgermeister-Kandidaten aufstellen zu lassen. Auch dabei unterstützt ihn Gattin Brigitte tatkräftig: „Des pack ma doch“, ermuntert sie ihren Hermann. Mit Erfolg: Zwei Amtsperioden sitzt Salminger auf dem Chefsessel im Rathaus, er wird Nachfolger von Hans Neuner (Hackl). Während seiner Amtszeit wird die Geisterklamm, die Kläranlage und die Ortskernsanierung verwirklicht sowie seine „härteste Nuss“, die Karwendel-Röhre, realisiert.

Ganz besonders am Herzen liegt ihm der Rettungsverein Oberes Isartal, bei dem er zum Ehrenvorsitzenden ernannt wurde. Stolz ist er, „dass ich mich rechtzeitig durchgesetzt habe, die Rettungswache zu bauen“.

Reumütig denkt er bis heute an das Kurhaus zurück, dass er so gerne gebaut hätte, aber nie realisiert wurde. „Das Modell steht bis heute auf dem Speicher im Rathaus.“ Doch „schöne Momente wiegen all den Ärger auf“. 2008 übergibt er den Posten mit 69 Jahren an Adolf Hornsteiner (CSU). Auch den Fraktionsvorsitz bei den Freien Wählern im Kreistag (2002 bis 2008) überlässt er anderen. Salminger wird Altbürgermeister und erhält den Goldenen Ehrenring sowie die Goldene Ehrennadel des Marktes Mittenwald.

Seitdem ist Salminger Politrentner, bei einer Gemeinderatssitzung hat man ihn fortan nicht mehr gesehen. Der Jubilar ist zufrieden mit seinem Leben. Drei Stammtische besucht er noch, ist oft mit dem Fahrrad unterwegs.

Er klappt die Einladung zu. Am morgigen Samstag soll im Gasthaus Alpenrose mit Familie und Freunden gefeiert werden – mit seinen zwei Kindern Josef und Jutta samt Ehegatten sowie den beiden Enkelkindern Dominic und Quirin.

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