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Dirndlspringen am Lautersee: Hinein ins Vergnügen

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Ein Teilnehmer hüpft beim Dirndlspringen in Mittenwald in den Lautersee.
Lautersee, ich komme! Markus Weidner platscht gleich mit Getöse ins feuchte Nass. © Peter Kornatz

Vier Jahre Pause sind genug: Allerhöchste Zeit fürs Dirndlspringen am Lautersee, dachten sich die Verantwortlichen von der Wasserwacht Mittenwald. So durften sich Einheimische und Gäste wieder über eine Modenschau der besonderen Art freuen. Die Stimmung konnten auch Gewitter und Regen nicht vermiesen.

Mittenwald - Regelmäßig blickt Ralf Obst, Zweiter Vorsitzender der Wasserwacht, aufs Wetterradar. „Das wird schon werden“, muntert er seine Mannschaft auf. Und tatsächlich kommt die Sonne hervor. Viele Schaulustige und Teilnehmer treffen mit etwas Verspätung ein. Die ersten Steckerlfische sind auch fast fertig – vom Chef persönlich zubereitet. „Die grill’ ich selber, da lass ich keinen andern ran“, sagt Vorsitzender Robert Müller und lacht dabei. Am Ende sind zirka 200 Makrelen verkauft. Auch der Duft von Bratwürsten steigt auf. Tom Barton dreht und wendet sie wie ein Profi.

Kuchenverkauf der Wasserwacht-Damen beim Dirndlspringen am Lautersee in Mittenwald.
Etwas Süßes kredenzen die Wasserwacht-Damen. © Peter Kornatz

Während die Besucher sich die erste Halbe schmecken lassen, melden sich bei Lucy die ersten Springer an. Die Dirndl-Einkleidung übernimmt Heidi Reiser-Filser von der gleichnamigen Gwandstub’n. Den Mannsbildern verpasst sie je nach Bedarf kleine oder große Brüste aus Luftballons. Es ist eine Mordsgaudi, bis alle 30 Teilnehmer ausgestattet sind. Die Hälfte sind Mittenwalder, die anderen Urlauber beziehnungsweise aus dem benachbarten Tirol.

Endlich kann Robert Müller das Dirndlspringen eröffnen. „Wir sind froh, dass der Wettergott mitspielt, denn in der Früh hat’s schlecht ausg’schaut.“ Dann gibt er das Mikrofon an seine Schwester und Moderatorin Heidi Reiser-Filser weiter. Sie gibt sogleich den mutigen Springwilligen einen wichtigen Tipp: „Die Dirndl ziehen ein bisserl runter. Also gleich strampeln, damit ihr wieder raufkommt’s.“

Für die Darbietung von der knapp fünf Meter hohen Rampe ins 21 Grad warme Wasser haben sich alle etwas einfallen lassen. Von Schraube über Backflip bis Radschlag und Arschbombe mit Nasezuhalten, von Einzel- bis Dreiersprünge bis sogar zum Sprung für den Frieden von zwei Australierinnen, alles wird dem applaudierwilligen Publikum geboten.

Rafael Pohl aus Mittenwald animiert die Zuschauer am gegenüber liegenden Seeufer sogar zu einer La-Ola-Welle, bevor er seine Vorstellung gibt. Bei den Sprüngen lüften sich die Dirndlröcke, und die Luftballonbusen verlassen die Ausschnitte oder zerplatzen gar beim Eintauchen.

Kostümprobe beim Dirndlspringen am Lautersee bei Mittenwald.
Hand angelegt: Heidi Filser-Reiser kümmert sich höchstpersönlich um die Ausstattung der Teilnehmer. © Peter Kornatz

Natürlich sorgt die Wasserwacht für die Sicherheit. Dazu sind Heinrich Hartmann und Dominic Bäcker auf Rettungsboards unterwegs. Aber alles geht gut – keine Zwischenfälle oder Verletzungen. Zu guter Letzt springen Moderatorin Heidi und ihre Assistentin Lucy, eskortiert von zwei Grainauer Wasserwachtlern und einem jungen Burschen, ebenfalls ins kühle, smaragdgrüne Nass.

Für die Jury ist es nicht leicht, die Reihenfolge zu bestimmen. Rang eins belegt schließlich Ole Graf aus Mittenwald, der vor seinem eigenen Sprung noch seinen Bruder von der Rampe hoch hinaus ins Wasser geworfen hat. Doch um Sieg oder Niederlage geht es ohnehin nicht. Für jeden gibt es einen Preis – wahlweise Sonnenbrillen, Handtücher, handgestrickte Mützen, Gutscheine und vieles mehr. „Geile Solidarität der Mittenwalder Geschäftsleut’“, findet Teilnehmer Rafael Pohl in etwas unorthodoxen Worten.

Kaum ist das Springen beendet, gibt’s neuerdings einen kurzen heftigen Duscher von oben. Die Stimmung kann er nicht verhageln. Für die sorgen auf musikalischem Sektor Andrea & Michael – Andrea Diepold aus Garmisch-Partenkirchen und Michael Kriner aus Leutasch. Bei fetzigen Schlagern, Volksmusik und Witzen wird viel gelacht, getrunken und gegessen. Ab 15 Uhr gibt’s Süßes von den Wasserwacht-Damen. „Wir können nicht nur schwimmen, sondern auch backen“, scherzt Insa Wasserberg, die zusammen mit Evi Boxleitner zum sofortigen Verzehr, aber auch zum Mitnehmen verkauft. Im Einsatz sind 16 Wasserwachtler aus ganz Bayern. Die mit der weitesten Anreise kommen aus Selb und Schönwald. Alle sind emsig beschäftigt, die rund 500 Gäste zu versorgen. Robert Müllers Fazit: „Es läuft alles bestens, das freut uns und motiviert zur Wiederholung.“ Peter Kornatz

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