Singen, trommeln, tanzen: Die Karwendelchor-Minis beim Bozner Markt 2017.
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Singen, trommeln, tanzen: Die Karwendelchor-Minis beim Bozner Markt 2017.

Alles abhängig von der Corona-Pandemie

Bozner Markt 2022 auf der Kippe: Drei Szenarien stehen im Raum

  • Josef Hornsteiner
    vonJosef Hornsteiner
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Am 26. Januar ist Stichtag. Bei der ersten Mittenwalder Gemeinderatssitzung dieses Jahres soll entschieden werden, wie es mit dem geplanten Bozner Markt im Jahr 2022 weiter geht.

Mittenwald – Es ist für die Mittenwalder eigentlich unvorstellbar. Der Super-GAU. Dass der Bozner Markt 2022 zum ersten Mal seit seiner Premiere 1987 ausfallen könnte – an das will noch kein Isartaler auch nur ansatzweise denken. Doch scheint es ganz und gar nicht mehr ausgeschlossen nach den jüngsten Lockdown-Verlängerungen, dem anhaltenden Verbot von Großveranstaltungen und einem zögerlichen Impfstart.

Mittenwalds Bürgermeister Enrico Corongiu (SPD) weiß nur zu gut, dass die beliebte Großveranstaltung 2022 auf der Kippe steht. Eigentlich hätte noch im vergangenen Jahr ein Entschluss fallen sollen. Doch gab man sich im Gemeinderat noch einmal Bedenkzeit. Zu wichtig ist diese Entscheidung, um sie übers Knie zu brechen. Zu weitreichend die Konsequenzen.

Erster Schritt: Organisationskomitee zusammenstellen

Nun soll bei der ersten Gemeinderatssitzung dieses Jahres am 26. Januar Tacheles gesprochen werden. Bis dahin wollen sich die Fraktionen Gedanken machen. Jede soll Ideen liefern. Theoretisch stehen drei Szenarien zur Auswahl.

Die erste ist, das Historien-Spektakel einfach so zu planen, als würde es in eineinhalb Jahren wie gewohnt stattfinden. Ohne Einschränkungen, ohne Auflagen, ohne Corona. Corongiu gibt dabei zu Bedenken, dass selbst ohne Virus eine Größenordnung, wie der Markt zuletzt 2017 angenommen hat, aus sicherheits-relevanten Gründen nicht mehr zu verantworten sei. „Die Besucherzahlen müssen sowieso deutlich nach unten geschraubt, oder ein anderer Platz gefunden werden“, betont der Bürgermeister. Zeit zum Planen hätte die Kommune ab dem 26. Januar immer noch genug, beruhigt Corongiu. Schließlich veranstalte man den Bozner Markt „ja nicht zum ersten Mal. Wir haben sehr viel Erfahrung“. Es gebe eine gewisse Routine, weshalb man nicht bei Adam und Eva anfangen müsse. Der erste Schritt – wenn auch kein einfacher – sei, ein Organisationskomitee auf die Beine zu stellen.

Organisatorische Unterschiede zu den Passionsspielen

Das zweite Szenario ist das intensivste und mit Abstand schwierigste: Den Bozner Markt abgespeckt und corona-konform zu planen – sofern er letztlich in eineinhalb Jahren überhaupt stattfinden darf. Die Version gleicht momentan einem Blindflug. Noch niemand kann Stand heute seriös sagen, wie sich die Corona-Pandemie in den nächsten Monaten und vielleicht sogar Jahren entwickeln wird. Und mit welchen Mitteln ihr die Menschheit bis dahin entgegentritt.

Sollten auch noch im Jahr 2022 coronabedingte Beschränkungen gelten, wird es die größte Herausforderung werden, ein Hygienekonzept für das Treiben im historischen Ortskern zu erstellen. Denn die Großveranstaltung in Mittenwald ist keinesfalls mit der in Oberammergau zu vergleichen. Dort soll bekanntlich im selben Jahr das zweite Mammut-Ereignis im Landkreis stattfinden: die weltberühmten Passionsspiele.

Doch anders als im geräumigen Passionstheater können die Mittenwalder im Obermarkt und auf der Hochstraße keine festen Sitze verteilen, Besucherströme nicht durch markierte Laufstrecken steuern, die Zuschaueranzahl nur bedingt mit gekauften Tickets regulieren. Der Mittenwalder Ortskern ist eben, was er ist: Historisch gewachsen und dementsprechend eng verschlungen. Einfach die Tore schließen und nur eine kleine begrenzte Anzahl an Menschen hinein zu lassen, ist nicht realistisch. Es gibt Anwohner, Angestellte oder Bürger, die einkaufen müssen. „Wir können da nicht einfach einen Riegel vorschieben“, sagt Corongiu.

Zurück zu den Wurzeln?

Und selbst wenn sich nur eine geringe Anzahl an Besuchern im Obermarkt befindet, wie will man sie steuern? Wie sollen haushaltsfremde Menschen voneinander getrennt werden? Wie verhindert man spontane Ansammlungen bei Musikgruppen oder Theateraufführungen? Wie soll da eine urige Schänke betrieben werden, geschweige denn Stimmung entstehen und mittelalterliche Atmosphäre aufkommen? „Unmöglich“, attestiert Corongiu nüchtern.

Doch gibt es dadurch die Möglichkeit, das Treiben zu seinen Wurzeln zurückkehren zu lassen. Wie einst in den 1980er-Jahren, als der Bozner Markt noch aus einigen wenigen Ständen bestand, von Vereinen betrieben, von Einheimischen besucht. Kein über Jahrzehnte gewachsenes „Show-Event“ mit zigtausenden Besuchern.

Das dritte Szenario wäre die Absage für 2022 und den Markt auf die Folgejahre zu verschieben. Damit würden die Veranstalter ihre Chancen erhöhen, ihr Spektakel in einer Welt stattfinden zulassen, die sich vielleicht wieder erholt hat von der großen Pandemie. Der Bozner Markt könnte in seiner vollen Pracht stattfinden. Wie in den vergangenen Jahrzehnten auch. Doch bringt das Aufschieben auch Schwierigkeiten mit sich. Vereine, die ihre Kasse während des Mittelaltertreibens auffüllen, hätten eine Durststrecke. Selbst der Markt Mittenwald müsste dementsprechend auf Einnahmen – zumindest vorerst – verzichten.

Wie auch immer der Gemeinderat am 26. Januar entscheidet: „Weiter geht’s immer“, sagt Corongiu. Die Frage ist nur, wann und wie.

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