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„Jeder trage des anderen Last“: So steht es schon in der Bibel. An diesen Satz fühlt sich nun auch Hüttenwirt Stefan Müller erinnert.

Föhnsturm reißt Holzkreuz unweit der Hochlandhütte ab

Jesus im Gepäck: Vater und Sohn bringen Christus ins Tal

Heilige Fracht: Stefan und Martin Müller haben eine Jesus-Figur ins Tal transportiert. Der Corpus kommt nun nach München zu einem Spezialisten.

Mittenwald– Wie heißt es schon im Neuen Testament: „Jeder trage des anderen Last.“ Diesen biblischen Satz haben Stefan Müller (49) und sein Sohn Martin (17) nun mehr als beherzigt. Vater und Sohn transportierten sogar den Herrgott ins Tal. „Das war ziemlich anstrengend, aber das macht man ja gerne“, meint der Junior.

Die Ursache, warum die beiden Wallgauer sich überhaupt durchs tief verschneite Karwendel kämpften, liegt gut einen Monat zurück. Ein Föhnsturm hatte das mächtige Holzkreuz mit Heiland abgerissen. 98 Jahre trotzte das Kruzifix unweit der Hochlandhütte (1623 Meter) Wind und Wetter – bis eben zu jenem 10. Dezember. Stefan Müller bemerkte den Vorfall, als er drei Tage später in der Unterkunft der Alpenvereinssektion Hochland nach dem Rechten sehen wollte. Seit 2015 kümmern sich er und seine Frau Birgit dort um das Wohl der Bergwanderer.

Nachdem Anfang der Woche es die Witterung zuließ, brachen die Müllers zu ihrer ungewöhnlichen Mission auf. Die ramponierte Christusfigur, 35 Kilogramm schwer, wurde auf einer Kraxe befestigt, dann ging es zurück ins Tal. Etwa eine Stunde waren Vater und Sohn unterwegs – unfallfrei, oder wie es der Senior ausdrückt: „Wir blieben standhaft.“ Jeder von ihnen hat Jesus, dem ein Arm abgebrochen war, zweimal getragen. „Das war schon eine Ehre“, findet Martin Müller.

Am Freitag wird der Corpus nach München zu einem Spezialisten der Sektion Hochland gebracht. Dieser soll dem Herrgott wieder Glanz verleihen.

„Das neue Kreuz mache ich“, sagt Müller senior, der gelernte Zimmerer. „Und zwar genauso wie das alte.“ Dieses maß 4,60 Meter. Oben hatte der Heiland ein schmuckvolles Dacherl über dem Kopf. Ein richtiges Kleinod vor atemberaubender Bergkulisse. Auch das künftige Kreuz unterhalb der Hochlandhütte soll in den Boden gegraben werden. Eine Methode, die sich laut Stefan Müller bewährt hat. „Immerhin stand das Kreuz dort oben seit 1919.“

Christof Schnürer

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