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Kieszunge im Laintal: Der Bach verläuft nun unterirdisch.

Hochwasserschutz in Mittenwald: das „Schlüsselbauwerk“ 

Lainbach vom Erdboden verschluckt

Die Vorarbeiten für das „Schlüsselbauwerk“ der Hochwasser-Verbauung laufen in Mittenwald auf Hochtouren. Um die Geschiebe-Rückhaltesperre überhaupt realisieren zu können, musste der komplette Eingangsbereich des Laintals regelrecht umgepflügt werden.

Mittenwald – „Das wird ein sehr großer Eingriff in die Natur“, schwante Gemeinderat Rudi Rauch (SPD) schon vor Monaten. Recht hat er. Was derzeit am Eingangsbereich des Mittenwalder Laintals entsteht, darf mit Fug und Recht als umwälzend bezeichnet werden. Besonders signifikant: Der Lainbach ist verschwunden, wie vom Erdboden verschluckt. „Der fließt jetzt irgendwo in Neuseeland“, scherzt Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU). Doch Spaß beiseite: Dort wo Mitte Juli der Rathauschef und Horst Hofmann vom zuständigen Wasserwirtschaftsamt Weilheim (WWA) in saftigem Grün bei einem Ortstermin das Bauvorhaben vorgestellt haben, ist nun eine Schotterwüste. Der planierte Kies frisst sich regelrecht durch das Bachbett entlang der ehemaligen, gerodeten Uferböschung. Zuvor haben die Wasserbau-Experten dort dicke Rohre – Durchmesser 1,20 Meter – verlegt. Darin fließt der Lainbach nun unterirdisch zu Tal, ebenso das verlegte Provisorium der Brauerei-Wasserleitung.

Tor zum Laintal

Das alles, weil am Tor zum Laintal eine sogenannte Geschiebe-Rückhaltesperre mit vorgelagertem Becken – bis zu 15 Meter breit und ungefähr 60 Meter lang – entstehen wird. Diese künstliche Barriere – so eine ähnliche gibt es bereits im Kranzbach bei Klais – soll bei Starkregen und Murenabgängen verhindern, dass Schwemmholz und mitgerissenes Gestein in den Lainbach geraten, der seit eineinhalb Jahren im Ortsgebiet hochwasser-sicher gemacht wird.

Das Schlüsselbauwerk

860 000 Euro – 30 Prozent darf der Mittenwalder Steuerzahler berappen – kostet alleine dieses Sperre. Die Gesamtkosten werden auf knapp neun Millionen Euro beziffert. Doch bis das von Hofmann titulierte „Schlüsselbauwerk“ im kommenden Jahr angepackt werden kann, muss das enge und bislang idyllische Gelände für schwere Fahrzeuge erschlossen werden. Der Weg ist sozusagen das Ziel. Aus diesem Grund hat der beauftragte Bautrupp in Verlängerung zur Laintalstraße eine breite Baustraße aus dem Boden gestampft. Sie verläuft direkt im Lainbach-Bett und teilweise auf Privatgrund einer Familie, die sich zu der enormen Belastung nur wenige Meter von ihrem Anwesen nicht äußern möchte.

200 Bohrpfähle

Der Bürgermeister hingegen tut es. Man arbeite „sehr kooperativ“ mit ihr zusammen, versichert Hornsteiner. Das gilt auch beim Kauf von rund 400 Quadratmetern Grund, der für die Geschiebe-Sperre oberhalb des betroffenen Anwesens benötigt wird.

Besonders spannend soll’s übernächste Woche werden, wenn peu á peu rund 200 bis zu 5,80 Meter lange Bohrpfähle in den Boden getrieben werden. Damit soll die Böschung der künftigen Laintalstraße oberhalb der jetzigen Behelfs-Trasse befestigt werden. Dazu bedarf es eines 50-Tonnen-Baggers mit Turm. Den liefert die beauftragte Spezialfirma Mayerhofer aus Simbach mit einem Tieflader an. 

„Mordsaufwand“

Nicht ganz einfach in dem teilweise verwinkelten Viertel. „Ich hatte schon engere Baustellen“, meint Hofmann, wohlwissend dass nicht nur der Transport des Arbeitsgeräts, sondern auch das anschließende Bohren der Betonpfähle ein „Mordsaufwand“ sein wird – und eine Geduldsprobe für die Anrainer. Denn das eine oder andere Mal könnte es schon kräftig rumpeln.

Das Projekt Geschiebesperre im Laintal soll spätestens im August 2018 abgeschlossen sein. Und nicht nur das: Dann wird buchstäblich Gras über die Sache wachsen und der hässliche Kies-Wendehammer einer malerischen Aulandschaft weichen – beteuern zumindest die Experten.

Christof Schnürer

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