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Ein beliebtes Wanderziel in Nicht-Corona-Zeiten:  die Mittenwalder Hütte. 

Alle warten auf einen Termin

Hütten bleiben geschlossen: So überbrücken die Wirte die Corona-Zwangspause

Kein Kaiserschmarrn, kein Radler, kein gar nichts: Wanderer und Bergsteiger müssen derzeit auf die Einkehr in den Hütten verzichten. Wie lange diese noch geschlossen bleiben müssen, wissen die Wirte nicht. Sie versuchen aber, die Corona-Zwangspause effektiv zu überbrücken.

Oberes Isartal – Sie sind zum Warten verdammt. Während Geschäftsleute unter gewissen Vorkehrungen zum Teil wieder ihre Läden öffnen durften, bleiben die Türen der Gastronomiebetriebe weiter geschlossen. Zu ihnen zählen auch die Hütten der Alpenwelt Karwendel. Die Wirte müssen noch mit der Ungewissheit leben, wann die bayerische Regierung grünes Licht für die Bewirtschaftung von Gästen gibt. Doch die Betroffenen versuchen, die angeordnete Pause sinnvoll zu nutzen.

Brunnsteinhütte

Hans-Peter Gallenberger ist Wirt der Brunnstein-Hütte, die zur DAV-Sektion Mittenwald gehört. Mindestens bis Ende Mai bleibt das beliebte Wanderziel geschlossen. Stillstand herrscht trotzdem nicht. Sektionsleiter Max Schmidt hat angeregt, Instandhaltungs-, Wartungs- und Reparaturarbeiten abzuwickeln. Zusammen mit Marinus Zwerger junior inspizierte Gallenberger die Hütte bereits, notierte alle anfallende Arbeiten. Das Blechdach soll gestrichen, der Holzmantel der Außenhütte, der Wasserschaden in der Küche gerichtet und der Innenausbau verbessert werden. Der Wirt absolviert die Arbeiten selbst, die Sektion „hat mir aber als so genannte Ausfallhilfe eine finanzielle Unterstützung zu gesagt“.

Mittenwalder Hütte

Zehn Jahre lang war Jeanette Lorenz Wirtin der Traunsteiner Hütte an der Winkelmoos-Alm. Damit ist jetzt Schluss. Doch den Neuanfang auf der Mittenwalder Hütte (ebenfalls Sektion Mittenwald) hat sie sich sicher anders vorgestellt. Bis sie in ihre erste Saison starten kann, verbringt sie die Zwangspause aber nicht mit Däumchendrehen. Sie nutzt die Zeit für den Umzug. „Mit einem Angestellten richte ich gerade mein neues Zuhause ein“, erzählt sie. Die Mittenwalder Hütte fällt für sie in eine ganz andere Kategorie als ihr bisheriger Arbeitsplatz. „Hier gibt es kein fließendes Wasser, und ich warte auf Regen.“

Die Sektion hat auch ihr zu Renovierungsarbeiten geraten. In deren Rahmen wird unter anderem der Weg zur Hütte mit neuen Treppen ausgebessert. Ihre Tochter, die in Mittenwald wohnt, hilft. Sie kann wegen der Corona-Pandemie ihre Konditor-Ausbildung in Tirol nicht ausüben. Lorenz hofft, an Pfingsten öffnen zu dürfen. „Bis dahin habe ich Zeit, mich in meine neue Umgebung einzufinden.“

Dammkarhütte

Andrea Reindl bleibt nichts anderes übrig, als den 30. April abzuwarten. Dann soll es neue Anweisungen von Seiten der Staatsregierung geben. Solange hält sich die Tochter von Heini („Tschulli“) Hornsteiner noch zurück. Sie tätigt keine Einkäufe für die Dammkarhütte. Der Weg dorthin ist bereits freigeschaufelt und kann zu Fuß zurückgelegt werden. Aber die Wirtin gibt sich keinen Illusionen hin: „Erst wenn die Wirtschaften im Tal öffnen, darf ich das auch.“

Hochlandhütte

An Pfingsten zu öffnen, so war’s vorgesehen. Ob das möglich ist, das Wirte-Paar der Hochlandhütte (Sektion Hochland) weiß es nicht. Solange das der Fall ist, „laufen unsere Saisonvorbereitungen auf Sparflamme“, sagt Stefan Müller. Schon oft waren er und seine Frau Birgit heuer an ihrem Arbeitsplatz auf 1623 Höhenmetern, säuberten und richteten her. Auch ohne Corona ist die Versorgung der Hütte mit Lebensmitteln schwierig. Sie werden mit dem Hubschrauber angeliefert. „Deshalb müssen wir vorausplanen, und alles dauert etwas länger.“ Derzeit aber sei nicht alles in genügenden Mengen in den Geschäften vorhanden. Deshalb können die Wirtsleute nur wenig einkaufen und einlagern. „Wir wissen ja nicht, was noch alles passiert.“

Soiernhaus

Klaus und Susanne Heufelder wollten ihr Soiernhaus am Pfingstsamstag öffnen. „Der Alpenverein erarbeitet ein Konzept, wie es weitergehen könnte“, erklärt der Wirt. Die Versorgung des Soiernhauses und die Einlagerung von Lebensmitteln ist durch eine Materialseilbahn sichergestellt. „Jetzt können wir nur hoffen, dass wir es schaffen, alle angeordneten Regeln bewältigen zu können.“

Fereiner-Alm

Eine düstere Prognose gibt Herta Klotz aus Mittenwald ab. „Ich glaube nicht, dass ich heuer überhaupt noch aufmachen kann“, sagt die Wirtin der Fereiner-Alm. Sie trifft deshalb erst gar keine Vorbereitungen und wartet einfach ab.

Wolfgang Kunz

Wegen eines Feuers in einem Chemielabor in Mittenwald ging kürzlich außerdem ein Notruf ein. Ein Großaufgebot an Feuerwehrleuten rückte aus, um die Flammen zu löschen.

Nach der Corona-Pause dürfen Berghütten in den Alpen wieder öffnen. Doch auch dort gelten bestimmte Regeln - eine Herausforderung für Wirte und Gäste.

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