Die Grund- und Mittelschule am Mauthweg in Mittenwald
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Hier soll sie hingebaut werden: Die neue Sporthalle soll parallel zum bestehenden Schulgebäude (l.) entstehen.

Gemeinderat segnet Pläne einstimmig ab

Mittenwalder Sporthalle soll im Erdboden versenkt werden

  • vonChristof Schnürer
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Die künftige Sporthalle auf dem Mittenwalder Schulgelände soll nicht groß herauskommen. Ganz im Gegenteil: der Sieben-Millionen-Euro-Komplex wird 3,6 Meter „eingegraben“.

Mittenwald – Vor genau neun Jahren ließ der damalige Mittenwalder Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) die Katze aus dem Sack: „Ja, ich will eine Turnhalle bauen“, bestätigte er damals gegenüber dem Tagblatt. Viel Zeit ist seitdem ins Obere Isartal gegangen. Doch jetzt haben Hornsteiners politische Erben einen riesigen Schritt in die richtige Richtung gemacht:

Mit 21:0 Stimmen segneten sie den Entwurf der künftigen Dreifach-Sporthalle ab. „Ein sehr ausgeklügeltes Konzept“, hob Bürgermeister Enrico Corongiu (SPD) hervor. Der Clou dabei: Der Komplex auf dem Schulgelände wird im Erdboden versenkt. Ganze 3,6 Meter will man ihn eingraben. Somit ragt die Halle letztlich nur 7,5 Meter an der Oberfläche in die Höhe (Giebel), an der Traufseite sind es laut Marktbaumeister Ralf Bues 5,75 Meter. Zum Vergleich: Bei einem Einfamilienhaus fallen diese Maße ähnlich aus. „Es ist wichtig, dass man den Baukörper eingräbt, sonst würde das Gebäude sehr mächtig herauskommen“, unterstrich Architekt Michael Weinbrenner vom beauftragten Münchner Büro Haindl und Kollegen GmbH Planung und Baumanagement bei seiner Präsentation. Allein schon um das Wohlwollen mit der Nachbarschaft am Mauthweg und Birnbaum zu erzielen. In diesem Zusammenhang betont Marktbaumeister Bues, dass es durch den versenkten Komplex keine zusätzliche Schattenbildung in den umliegenden Grundstücken gebe.

Nur zu Schul- und Sportzwecken

Doch in diesem Viertel haben die Anwohner nicht nur Angst vor einem riesigen Bauwerk, sondern auch vor Lärmbelästigung – beispielsweise durch die Belüftungsanlage. Die sei mit Schalldämpfern ausgestattet und auf der Schulseite positioniert, ergänzt Bues. Auch die Fenster können nicht geöffnet werden. Der Hallenlärm kann demzufolge nicht nach draußen dringen. Ferner sollen die Parkplätze dort bleiben, wo sie bisher sind: zwischen der alten, kleinen und der künftigen Halle im Nordwesten des Schulgeländes. In diesem Kontext wird von Seiten des Rathauses betont, dass der Bau ausschließlich Schul- und Sportzwecken dient. „Wir planen weder einen Veranstaltungssaal noch eine Versammlungsstätte“, betont Bues. Derlei Planspiele könnten in der dann frei werdenden TSV-Halle realisiert werden. Doch das ist eine politische Entscheidung.

Viel Holz und ein flaches Satteldach: So sieht die Halle aus.

Der künftige Komplex – die Halle allein misst 46,5 auf 26,5 Meter – soll parallel zum bestehenden Schulgebäude auf dem jetzigen Pausenhof entstehen. Die Bruttokosten betragen rund sieben Millionen Euro. Mit etwa 2,5 Millionen Euro an Fördergeldern kann die Gemeinde rechnen. Den versenkten Baukörper halten mächtige Stahlträger zusammen. Mit einem Lift soll für Barrierefreiheit gesorgt werden. Auf der Nordseite entsteht der Vereinsbereich des TSV. Warm wird’s in der Halle über eine Fußboden-Heizung.

Gemeinde gönnt sich Extras

Auch Extras gönnt sich die Kommune. Neben dem Eingraben, das alleine Mehrkosten von 580 000 Euro beschert, ist ein vergrößerter Konditionsraum (plus 88 000 Euro), eine Tribüne mit zwei Sitzreihen à 60 Plätze (72 000 Euro) und Schallwände, die die Halle teilen (40 000 Euro), vorgesehen. Der Bürgermeister verteidigt das Mehr an Kosten. „Wir bauen schließlich eine Turnhalle, die die nächsten Jahrzehnte steht“, betonte Corongiu.

Der Hallenkomplex soll auf dem Schulgelände an der Ecke Mauthweg/Birnbaum entstehen.

Weitere Besonderheiten: ein flaches Satteldach, viel Holz und viel Helligkeit durch eine sogenannte Belichtungsschiene. In der Schwebe ist allerdings der Verbindungstrakt zwischen Schule und Halle – rund 15 Meter lang. Nicht nur wegen der Zusatzkosten von 160 000 Euro riet Experte Weinbrenner davon ab. „Es ist gefährlich, wenn man ihn nicht beheizt.“ An die Gemeinderäte gerichtet, ergänzte der Architekt: „Da werden Sie keinen Spaß haben, ich würde es nicht machen.“ In diesem Zusammenhang sprach der Marktbaumeister von „intensiven“ Diskussionen im Turnhallen-Ausschuss. „Es ist immer von Vorteil, wenn ein geschützter Gang da ist. Aber man braucht es auch nicht überschätzen.“ Die Empfehlung von Fachmann Weinbrenner: Fundamente legen und warten. Daran findet Florian Lipp (Freie Wähler) wenig Gefallen. „Entweder Fundamente und Gang oder gar nichts!“ Ursula Seydel (SPD), ihres Zeichens Architektin, empfahl, auf den Verbindungstrakt wegen der Folgekosten zu verzichten. Dazu meinte Florian Lipp: „15 Meter über einen Schulhof laufen, das wird auch ein Grundschüler schaffen können.“

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