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Wieder im Einsatz: Die Weibermühle wurde zuletzt 1999 angeworfen.  

Faschingstreiben unterm Karwendel

Weibermühle in Mittenwald: Die Alte rein, die Neue raus

Mittenwald - Nach 18 Jahren Pause wird in Mittenwald die Weibermühle entstaubt. Am Faschingssonntag, 26. Februar, soll sie beim Maschkeravolk unterm Karwendel wahre Wunder bewirken.

Was macht Mann, wenn einen die Gattin zur Weißglut treibt? Genau, man bringt sie nach Mittenwald. Über 18 Jahre ist es nun her, dass unglückliche Ehegatten zuletzt ihr närrisches Weibsbild in eine junge und schöne Dame umwandeln durften. Heuer ist es wieder so weit: Die Weibermühle wird am Fasnachtssonntag erbarmungslos rattern. Das feucht-fröhliche Spektakel ist nicht nur lustig mit anzusehen, sondern hat eine sehr lange Tradition: Im 19. Jahrhundert dürfte das Konstrukt bereits gemahlen haben.

Und schon damals lautete die Frage, was man sich da beim Ringtausch nur angetan habe? Noch viel wichtiger: Was tun mit dem alten Hausdrachen? Tatsächlich gibt’s in Mittenwald die Lösung. Denn glücklicherweise wurde dort eine Umwandlungsmaschine gebaut, die dieses Problem löst: die Weibermühle. Das Prinzip ist denkbar einfach. Oben die nicht mehr erwünschte Gattin hinein, unten eine rundum erneuerte Schönheit wieder raus. Am 26. Februar, also am Fasnachtssonntag, wird sie wieder mahlen in der Mittenwalder Kuranlage Puit.

Doch dass alles so funktioniert, dafür zeichnen seit jeher die Trachtler verantwortlich. Immerhin werden mehr als 120 Maschkera nötig sein, um das Theater über die Bühne – in diesem Fall durch die Mühle – zu bringen. Das will gut organisiert sein. Die einen verkörpern die dahinscheidenden Gattinnen, die anderen die erneuerte Auflage. Zudem gibt’s Musikanten, die weißgekleideten Müller sowie die eine oder andere politische Größe. Am meisten Text zum Lernen haben aber die verzweifelten Mannsbilder.

Zwar sind es noch knapp eineinhalb Monate hin, der Aufwand hat es allerdings in sich. Fast wöchentlich müssen Treffen vonstatten gehen und Text und Musik einstudiert werden. Basis hierfür sind die Aufzeichnungen von 1999, 1978, 1965 und sogar noch einige wenige von der Inszenierung Mitte der 1950er. Ein Weibermühl-Veteran von damals wirkt noch heute mit: Hans Knilling (Kuinfasl) kann sich gut erinnern, wie es damals vorm Gasthof Gries zuging. Das Gelächter war schon seinerzeit groß.

Doch die Weibermühle in Mittenwald dürfte noch viel älter sein. „Bereits in den 1930er Jahren wurde sie aufgeführt und war Bestandteil der alten Maschkera-Umzüge“, recherchierte Matthias Wurmer. In einer Chronik ist sogar die Rede vom 19. Jahrhundert. „Da war die Aufführung aber noch wesentlich kleiner“, erzählt Hans Knilling. Heuer zählt das Weibermahlen neben dem Treiben am Unsinnigen Donnerstag zur größten Fasnachts-Veranstaltung. Auch aufgrund des Seltenheitswertes der Weibermühle werden mehrere tausend Schaulustige erwartet.

Wurmer muss lachen, als er an die alten Manuskripte denkt. Viele sind mit Schreibmaschine getippt. Keine Unterschiede gibt’s beim Geschlechterkampf. „Die Probleme mit den Frauen waren anscheinend schon immer die gleichen“, meint Trachtlerchef Franz Lipp (Dauberweiß). „Wir müssen sie nur mehr ein wenig modernisieren.“

Josef Hornsteiner

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