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Spende: Die Stiftungsvorsitzenden Michael Wehrsdorf (l.) und Adolf Hornsteiner mit den Kindergärtenrinnen Anita Baier (2.v.r.) und Andrea Duda.

Jubiläumsabend in der TSV Halle

„Jais’sche Wohltätigkeitsstiftung“ besteht seit 200 Jahren 

Auf den Tag genau am 9. Dezember vor 200 Jahren hat ein rühriger Mittenwalder mit seinem privaten Vermögen eine Wohltätigkeitsstiftung, die bis heute Bestand hat, gegründet.

Mittenwald – Pater Ägidius Jais, mit bürgerlichem Namen Joseph, wollte damals Kindern und angehenden Theologie-Studenten aus Mittenwald helfen. Am Samstag wurde die Stiftung der Bevölkerung im TSV-Saal bei einem großen Jubiläumsabend gefeiert.

10 000 Gulden waren es, die der Benediktinermönch Pater Ägidius Jais in die Stiftung investierte. Der Betrag entspricht heute rund 10 000 Euro. 1817, unter den damaligen Verhältnissen war das ein schier unvorstellbares Vermögen. „Ein Knecht bekam jährlich 24 Gulden ausbezahlt“, stellte Pfarrer Michael Wehrsdorf bei dem Festabend als Vergleich auf. Und machte damit die Dimensionen für die zahlreichen Zuhörer deutlich. „Ein Minister verdiente rund 7500 Gulden im Jahr. Aber das war die Ausnahme.“

Mit den 10 000 Gulden von Jais sollte vor 200 Jahren vor allem den „armen Kindern, Jugendlichen und Studenten aus Mittenwald geholfen“ werden. Das Wort „arm“ hat dabei in den vergangenen zwei Jahrhunderten eine andere Bedeutung bekommen. Nicht ohne Grund fragte Wehrsdorf, „wer denn eigentlich noch arm ist“. Wie der Begriff heutzutage definiert werden soll. Um mit der Zeit zu gehen, wurde nun der Stiftungszweck aktualisiert. Statt einfach nur Kinder und Jugendliche vereinzelt zu unterstützen, wird künftig zudem den beiden Kindergärten in Mittenwald das Geld zugute kommen. Einen Scheck gab es schon jetzt. Jeweils 500 Euro durften Stiftungs-Vorsitzender Pfarrer Wehrsdorf und sein Stellvertreter, Bürgermeister Adolf Hornsteiner, den beiden Kindergartenleiterinnen Anita Baier und Andrea Duda feierlich übergeben.

Denn aus den Gulden von damals ist ein beachtliches Sümmchen herangewachsen. Die Jais’sche Wohltätigkeitsstiftung finanziert sich seit über 200 Jahren durch die Pachterträge zahlreicher landwirtschaftlicher Grundstücke. „Das bekannteste Grundstück ist jenes, auf dem der Ägidius-Jais-Kindergarten steht“, erklärt Wehrsdorf. Bewirtschaftet werden die Flächen von Josef Schöpf (Kosi).

Mit einem Schmunzeln musste Wehrsdorf an die erste Besichtigung mit Schöpf und dem restlichen Vorstand denken. Dieser wird ergänzt durch Klaus Brandner, Silvester und Josef Jais sowie Franz-Josef und Hubert Jais. Auch Hans Neuner, der den Abend moderierte, gehört dem Gremium an. Den gebürtigen Wallgauer Schöpf hat Pfarrer Wehrsdorf mit seiner kernigen und unvergleichlichen Art von Beginn an ins Herz geschlossen. Als sie gemeinsam die Flächen anschauten, legten sie eine Pause an einem ihrer Stadel vor dem Schlosshotel Elmau ein. Urlauber kreuzten den Weg der Gruppe und kamen dabei mit den Männern ins Gespräch. Im Vorfeld des damaligen G7-Gipfels in Elmau hatte Bürgermeister Hornsteiner spaßeshalber erklärt, dass sie bereits „eine Ausschusssitzung vorab für das Gipfeltreffen“ machen würden und jeder der Anwesenden stellvertretend für einen Staatsführer steht. So wurde aus Hornsteiner schließlich Angela Merkel, aus Josef Schöpf Wladimir Putin und so weiter. „Als sie dann unseren Pfarrer fragten, wen denn er darstelle, meinte er: „Ich bin der Pfarrer von Mittenwald““. Das haben sie ihm allerdings dann nicht geglaubt.

Der Jubiläumsabend regte zum Lachen und Nachdenken an. Besinnliche Lieder rundeten ihn ab. Aufgetreten sind unter anderem Bürgermeister Hornsteiners Zithermusi, der Dreigesang Brandner/Höllwart/Veit, die Oimsumma-Musi, der Mittenwalder Dreigsang sowie die Karwendel-Hütten-Musi. 

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