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Der Vorstand der Wohltätigkeitsstiftung: (v.l.): Bürgermeister Adolf Hornsteiner, Pfarrer Michael Wehrsdorf, Klaus Brandner, Silvester Jais, Josef Jais, Hans Neuner, Franz-Josef Huber und Josef Schöpf. 

Jais‘sche Wohltätigkeitsstiftung wird 200

Mittenwalds Vermächtnis

Pater Ägidius Jais gründete am 10. Dezember vor 200 Jahren die „Jais’sche Wohltätigkeitsstiftung“, die seither Mittenwalder Kinder, Jugendliche und Theologie-Studenten unterstützt. Heute ist der Stiftungszweck nicht mehr zeitgemäß und soll geändert werden.

Mittenwald – Zahlreiche Kinder besuchen den Pater-Ägidius-Jais-Kindergarten. Jede Sitzung des Marktgemeinderats findet im Ägidius-Jais-Saal im Rathaus statt. Der Name scheint in Mittenwald allgegenwärtig. Doch die Erinnerung an die Person, die als Joseph Jais am 17. März 1750 im Isartal zur Welt gekommen war, und deren Wirken verblasst. Dabei wurde viel über das Leben von Ägidius Jais, wie er sich als Benediktinerpater genannt hatte, geschrieben, ein Bild von ihm hängt noch heute im Mittenwalder Pfarramt.

Dort sitzen acht Männer in der Stube zusammen und beugen sich über ein Plakat. „Wunderbare Musikgruppen“, lobt Pfarrer Michael Wehrsdorf, als er das Programm für den Festabend am Samstag, 9. Dezember, im TSV-Saal überfliegt. Es darf gefeiert werden: Vor fast genau 200 Jahren gründete Pater Ägidius Jais in Benediktbeuern die „Jais’sche Wohltätigkeitsstiftung“.

In einer Zeit, in der es weder caritative Einrichtungen, geschweige denn staatliche Sozialhilfe gab, rief Jais diese ins Leben und gilt damit als ein Vorreiter für sämtliche heute bekannten Sozialdienstleister. Ihm brach es das Herz, dass es damals viele mittellose Kinder gab, für die ein Schulbesuch kaum möglich war. So half die Stiftung beim Kauf von Kleidung oder Schulmaterial. Und Mittenwalder bleibt eben Mittenwalder: Die Spendengelder sollten ausschließlich der Jugend im Ort zu Gute kommen.

Da Jais selbst erfuhr, wie schwierig es sich für Einheimische aus – gelinde gesagt – bescheidenen Verhältnissen gestaltete, ein Studium zu absolvieren, wurden auch angehenden Theologiestudenten aus Mittenwald in die Empfängerliste aufgenommen. Bis heute ist dies das Ziel der Jais’schen Stiftung.

Einige ältere Bürger gibt es noch, die sich erinnern können, „dass Schulkinder mit Hilfe der Stiftung Schuhe bekommen haben, um ihnen den Schulweg zu erleichtern“, erzählt Wehrsdorf. Doch heute scheint dies glücklicherweise überholt. „Der Stiftungszweck ist nicht mehr zeitgemäß“, betont Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU). Da die Urkunde von 1817 den sozialen Verhältnissen jener Zeit entsprechen wollte, wird „seit mehreren Jahren versucht, den Zweck zu aktualisieren“.

Deutschland ist nun Sozialstaat. Es existiert Sozialhilfe und Wohngeld. Außerdem engagieren sich viele Ehrenamtliche und Institutionen, um Mittellosen zu unterstützen. „Es gibt eigentlich keine Schüler mehr, die dringend unsere Hilfe brauchen“, sagt Josef Schöpf, der bei der Stiftung für die Verwaltung verantwortlich ist. Auch Theologiestudenten sind rar gesät im Isartal. Der letzte, dem in Form von Schulbücher profitiert hat, war Alois Emslander, der vor zwei Jahren seine Priesterweihe erhielt. Doch der Vorstand hat nun eine Idee: Da die Stiftung keine rein kirchliche, sondern eher eine bürgerliche ist, „wird vor allem an eine Unterstützung der beiden Mittenwalder Kindergärten gedacht, in welcher Form auch immer“, sagt Wehrsdorf.

Beim Festabend möchte der Geistliche die Stiftung in einem Vortrag vorstellen, und Hermann Hornsteiner gibt Einblicke in das katechetische Werk des Stifters. Begleitet wird der Festabend von adventlichen Texten und Musikgruppen des Marktes Mittenwald. Tags darauf, am Sonntag, 10. Dezember, wird der Vorstand nach Benediktbeuern fahren, um mit einer Blumenschale das Grab von Joseph Jais zu schmücken und ihm, der Mittenwald ein so großes Vermächtnis hinterlassen hat, im Gebet zu gedenken.

Das Programm

Das 200-jährige Jubiläum der Pater-Ägidius-Jais-Stiftung wird am Samstag, 9. Dezember, in Mittenwald gefeiert.

-19 Uhr: Heilige Messe in der Pfarrkirche St. Peter und Paul.

-20 Uhr:Jubiläumsveranstaltung im TSV Saal mit einem Sänger- und Musikantentreffen. Es treten auf: die Zithermusi Hornsteiner, Dreigesang Brandner/Höllwart/Veit, Oimsumma-Musi, Mittenwalder Dreigsang und der Karwendel-Hütten-Musi. Dazwischen sind Kurzvorträge von Pfarrer Michael Wehrsdorf und Hermann Hornsteiner sowie adventliche Texte zu hören. Durch den Abend begleitet Hans Neuner („Noderschuster“).

Josef Hornsteiner

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