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Ausflug ins Rotlicht-Milieu

Karwendelbahn-Aufsichtsratsvorsitzender bietet Anlegern an, in Bordelle zu investieren

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Wolfgang W. R., Aufsichtsratsvorsitzender der Karwendelbahn AG, tut offenbar alles, um an Geld zu kommen. Aktuell bietet er Anlegern an, in Bordelle zu investieren. Richtig heiß macht er sie mit dem Versprechen auf eine unanständig hohe Rendite.

Mittenwald – Bordelle hält Wolfgang W. R., der Aufsichtsratsvorsitzende der Mittenwalder Karwendelbahn, für eine einträgliche Geldanlage. Das erfuhren die Aktionäre der Karwendelbahn bei der Hauptversammlung im April des vergangenen Jahres in München. Dort erzählte R. von der Beteiligung seines Unternehmens-Konglomerats an dem Laufhaus Artemis in Berlin. Er selbst besuche das Bordell nur rein geschäftlich, um mit dem Pächter Gespräche zu führen, ließ er wissen. Jetzt will er dieses Geschäftsmodell mit Freudenhäusern auch Anlegern schmackhaft machen.

In einem Gebäude in Heidenheim, das der Red Rooms AG, die der Heidenheimer Zeitung zufolge R. und anderen Firmen seines Konstrukts gehört, residiert ein Freudenhaus. Auf der Homepage kauf-dir-ein-bordell.de wird um Investoren geworben, die Anteile an dem Bordell kaufen wollen. Dafür wird eine fast schon unanständige Rendite von sagenhaften 6,9 Prozent pro Jahr versprochen, die mit seriösen Produkten nicht zu erzielen sein dürfte. Das sind die nackten Tatsachen. Wie genau das Anlagemodell funktioniert – es können Anteile ab 2000 Euro bei fünfjähriger Laufzeit erworben werden – wird nicht beschrieben. Aktionäre der Red Rooms AG sind neben R. und anderen die Konsortium AG, die wiederum die meisten Anteile an der Karwendelbahn besitzt. Der Ausflug ins Rotlicht-Milieu hat offenbar handfeste Gründe. Die Börsenredaktion des ARD-Fernsehens, die sich schon einmal mit der Unternehmensgruppe um Wolfgang W. R. befasst hat und die dafür mit einem Preis ausgezeichnet wurde, spekuliert, dass auf diesem Weg versucht werden soll, an frisches Geld zu kommen.

Frisches Geld erhofft sich R., wegen Marktmanipulation, unrichtiger Darstellung und falscher Angaben verurteilt, auch für die Karwendelbahn. Durch eine Kapitalerhöhung, an der sich der Markt Mittenwald nicht beteiligen will, sollen finanzielle Mittel beschafft werden, um die Steuerung, die in die Jahre gekommen ist, und das Tragseil der Karwendelbahn zu erneuern. Dass das Tragseil Beschädigungen aufweist, ist laut Pressemitteilung der Karwendelbahn AG erst seit der Untersuchung im Mai 2018 bekannt. Seitdem werden diese durch die Regierung von Oberbayern und „entsprechend ausgebildeten Ingenieuren in mehrmonatigen Abständen kontrolliert. Es sei geplant, ein neues Tragseil anzuschaffen, „sobald die Kapitalerhöhung entsprechend platziert ist“.

Karwendelbahn rechnet ab

Es ist inhaltlich wenig Neues, was die Verantwortlichen der Karwendelbahn wieder einmal von sich geben: In einer Pressemitteilung, die nicht unterschrieben ist, äußert sich das Unternehmen zum Offenen Brief des Gemeinderats vom Dezember 2018, der im Garmisch-Partenkirchner/Murnauer Tagblatt erschienen war. Der Inhalt: Eine Abrechnung mit dem Markt Mittenwald und jenen Kommunalpolitikern, die das Schreiben unterzeichnet haben. Das Ganze wird mit einer Medienschelte garniert. Nur die beiden Gemeinderäte der Freien Wähler, die sich dem Brief verweigert haben, kommen gut weg. Sie hätten „Mut bewiesen“ und verdienten „höchsten Respekt“. Von den anderen Mitgliedern des Gremiums hält man hingegen offenbar nichts. Ein wenig schmeichelhafter Satz, der in abgewandelter Form häufiger in der Mitteilung vorkommt: „Ist halt blöd, wenn man sich einen offenen Brief von zwei lügenden Bürgermeistern unterschieben lässt.“ Wer mit den lügenden Bürgermeistern gemeint ist, daran lässt das Schreiben keinen Zweifel: Rathaus-Chef Adolf Hornsteiner und seinen Stellvertreter Gerhard Schöner, beide CSU.

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