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Kein Platz für Spekulanten: die Parkflächen der Karwendelbahn. 

Mittenwald sichert sich Vorkaufsrecht 

Dreifach-Prophylaxe bei Karwendelbahn

Die Marktgemeinde Mittenwald will auf Nummer sicher gehen: Nach einer Veränderungssperre und der Aufstellung eines Bebauungsplans hat sich die Kommune nun ein Vorkaufsrecht für Grundstücke der Karwendelbahn gesichert.

Mittenwald –Vom medizinischen Standpunkt aus würde man von einer Dreifach-Prophylaxe sprechen, was die Marktgemeinde Mittenwald in städteplanerischer Hinsicht auf den Weg gebracht hat. Mit 21:0 Stimmen segnete der Gemeinderat einen Beschluss mit klarer Botschaft ab: Demnach verschafft sich die Kommune für die Grundstücke der Karwendelbahn ein Vorkaufsrecht. Hintergrund ist laut Marktbaumeister Ralf Bues, „diese Flächen dauerhaft zu sichern und der Bodenspekulation zu entziehen“. Eine deutliches Signal an die Verantwortlichen der Karwendelbahn, mit denen die Marktgemeinde – zweitgrößte Aktionärin des Unternehmens – seit Jahren im Clinch liegt.

Erst Anfang dieses Monats saßen sich Bues und Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) ihren – ja man muss es mittlerweile sagen – Gegnern Wolfgang W. Reich (Aufsichtsratsvorsitzender) und Patrick Kenntner (Vorstand) vor Gericht gegenüber. Da flogen wegen eines laut Rathauschef nicht genehmigten Freisitzes an einem Karwendelbahn-Gebäude zwischen beiden Parteien wieder die Fetzen. Dabei ging es auch um die Veränderungssperre, die die Kommune über das Karwendelbahn-Areal bis Sommer 2018 verhängte. Was Kenntner vor Gericht gar nicht behagte: „Früher hatten wir potenzielles Bauland, das wir als Sicherheit angeben konnten. Jetzt kriegen wir kein Darlehen mehr.“ Noch dazu, weil der Gemeinderat die Aufstellung des Bebauungsplans Nummer 47 Schwarzenfeld/Alpenkorpsstraße einhellig abgesegnet hatte. Demnach soll das Areal als Sondergebiet Berg- und Wintersport firmieren – und wohl zum Leidwesen von Reich und Co. von jeglicher Bebauung freigehalten werden. Schon damals kochte die Gegenseite vor Wut und reagierte mit einer geharnischten Presseerklärung, in der die Karwendelbahn-Oberen den Gemeinderat unter anderem als „Abnickverein“ titulierten. Die Laune wird sich vermutlich nach der Sicherung des Vorkaufsrechts – Phase drei der Prophylaxe – bei Reich und seinen Geschäftsfreunden, die mit der Konsortium AG die Interessen des größten Karwendelbahn-Aktionärs vertreten, sicherlich nicht gebessert haben. Eine Antwort auf eine Tagblatt-Nachfrage blieben sie einmal mehr schuldig.

Spannend wird nun auch die Frage sein, inwiefern dieser weitere Kunstgriff der Gemeinde die ohnehin belasteten Beziehungen zur Unternehmensleitung weiter strapaziert. Denn baurechtlich hat Mittenwald die Muskeln spielen lassen – nicht zuletzt aus tiefem Misstrauen gegenüber Reich und Co. heraus. Verhandlungen über eine mögliche Aktienübernahme durch den Mittenwalder Steuerzahler, eine solche steht zumindest im Raum, werden mit der jüngsten Entscheidung sicherlich nicht einfacher werden.

Christof Schnürer

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