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Erneut Trommelfeuer aus Heidenheim

Karwendelbahn: Vorwurf der Unterschlagung

Immer skurriler wird die Schlammschlacht bei der Karwendelbahn AG. Nun werfen die Hauptaktionäre aus Heidenheim den Vertretern des Marktes Mittenwald vor, die Aufklärung von Unregelmäßigkeiten zu boykottieren. Die Rede ist etwa von Unterschlagung. Gegen diese Vorwürfe wehrt sich der Bürgermeister entschieden.

Mittenwald – Verdächtig ruhig war’s zuletzt bei der Mittenwalder Karwendelbahn – keine Gerichtstermine, keine turbulenten Aktionärsversammlungen, keine Kündigungen. Doch mit diesem Burgfrieden ist nun Schluss. Die Heidenheimer Hauptaktionäre der Konsortium AG (Wertpapier-Anteil von über 40 Prozent) schießen wieder scharf – und wie.

In einer Pressemitteilung ist von einem „vorläufigen Fehlbetrag für das Geschäftsjahr 2014/2015 in Höhe von zirka 58 000 Euro“ die Rede. „Das heißt, dass dieser Betrag an Tageseinnahmen nicht auf das Bankkonto eingezahlt wurde.“ Daraus wird abgeleitet, „dass nach vorläufiger Einschätzung mindestens dieser Betrag unterschlagen beziehungsweise veruntreut wurde“. Laut Presseerklärung soll dieser Vorfall dem Zweiten Bürgermeister Gerhard Schöner (CSU) „seit nunmehr eineinhalb Jahren“ bekannt sein.

Massive Vorwürfe stehen im Raum

Dieser nimmt seit Frühjahr 2016 als Vertreter der Marktgemeinde (30 Prozent der Karwendelbahn-Aktien) nicht mehr an Sitzungen des Aufsichtsrats teil. Hintergrund sind natürlich die Dauerquerelen zwischen den Heidenheimern und Mittenwaldern.

Doch für Schöners Kontrahenten Patrick Kenntner (Vorstand) und Wolfgang Wilhelm Reich (Aufsichtsratschef) ist ein Mitwirken des Vize-Bürgermeisters unabdingbar, „damit der Aufsichtsrat einen Beschluss zur Aufklärung dieser Unregelmäßigkeiten fassen kann“ und „dieser Untreuevorwurf untersucht und aufgeklärt wird“. Zumal davon auszugehen sei, „und die Stichproben bestätigen dies vorläufig, dass auch Tageseinnahmen aus den Vorjahren nicht eingezahlt wurden“.

Dann werden die Vorwürfe massiv. In der Pressemitteilung wird Aufsichtsratschef Reich wie folgt zitiert: „Möglicherweise ist Herr Schöner beziehungsweise der Bürgermeister Hornsteiner in Unregelmäßigkeiten verwickelt. Es handelt sich lediglich um eine Vermutung. Die Blockadehaltung von Herrn Schöner ist ohne diesen Verdacht jedoch nicht nachvollziehbar.“

Im Rathaus reagiert man auf diesen erneuten Frontalangriff gelassen. „Das ist in Anbetracht der Situation bei der Karwendelbahn AG nun wirklich ein Hohn“, sagt einer der Adressaten, Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU). „Der Markt fordert seit Jahren vergeblich Transparenz und die Aufklärung aller Ungereimtheiten bei der Bahn.“ So liegen beispielsweise seit einiger Zeit dem zweitgrößten Aktionär, der Marktgemeinde Mittenwald, keine belastbaren Geschäftszahlen mehr vor. „Wenn es etwas aufzuklären gibt, dann soll das der von der Hauptversammlung gewählte unabhängige Sonderprüfer übernehmen.“ Dieser heißt Christian Müller. Doch ihm wird laut Pressemitteilung der Marktgemeinde „seit mehr als einem Jahr“ von den „Verantwortlichen der Reich-Gruppe“ der Zugang zu den Geschäftsräumen sowie zu den Unterlagen und Dokumenten der Karwendelbahn AG verweigert. „Und das, obwohl das Landgericht München in seinem Urteil ausdrücklich bestätigt hat, dass die Wahl des Sonderprüfers rechtens war.“

Gemeinde bezeichnet Vorgehen der Reich-Gruppe als „durchsichtig“

Pikant ist der jüngste Vorwurf von Unregelmäßigkeiten für die Rathaus-Verantwortlichen auch in anderer Hinsicht: „In dieser Zeit hat Herr Reich junior (als verurteilter Straftäter unzulässigerweise!) die Geschäfte der Karwendelbahn AG als Vorstand geführt. Und sein Vater hat als Vorsitzender des Aufsichtsrats die Verantwortung für die ordnungsgemäße Kontrolle des Vorstands getragen.“

„Wenn man die Verantwortlichen von damals heute mit der Überprüfung von angeblichen Unregelmäßigkeiten beauftragen würde, dann würde man nun wirklich den Bock zum Gärtner machen“, schlussfolgert Hornsteiner. Er betont: „Der Markt und seine Vertreter haben immer unverzüglich auf einer Überprüfung aller Vorfälle bestanden. Und zwar durch einen unabhängigen Dritten – das tun wir auch weiterhin.“ Das Vorgehen der Reich-Gruppe bezeichnet die Gemeinde als „durchsichtig“. Immer dann, „wenn die Gerichte dem Treiben der Verantwortlichen der Karwendelbahn einen Riegel vorschieben“, tauchen Meldungen „mit haltlosen Vorwürfen und unbewiesenen Anschuldigungen auf. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.“


Christof Schnürer

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