Karwendelmarsch: Keine Option für Mittenwald

Mittenwald/Tirol - Knapp 2000 Wanderer sind beim Karwendelmarsch am nächsten Wochenende in den Tirolern Bergen unterwegs. Eine solche Veranstaltung lehnt Mittenwald aus Naturschutz-Gründen ab.

Das Karwendel ist derzeit als Veranstaltungsort sehr beliebt - auf deutscher wie auf Tiroler Seite. Die Mittenwalder Bergwacht hofft am morgigen Samstag auf zahlreiche Gäste bei ihrem Naturschutztag. Nur eine Woche später, am 28. August, zieht es von Scharnitz aus rund 1800 Wanderer beim großen Karwendelmarsch in die Berge.

Eines haben beide Veranstaltungen gemeinsam: Es geht um Naturschutz. Nur die Auffassung davon geht bei Tirolern und Isartalern auseinander. Die Österreicher sehen kein Problem in einer Wanderung mit vielen Menschen durch die geschützte Tier- und Pflanzenwelt rund um die Gipfel. „Wir wollen die Sensibilität der Menschen für die Natur wecken“, betont Markus Tschoner, Pressesprecher der Olympiaregion Seefeld. Dazu sei der Karwendelmarsch, der sich bei seiner Neuauflage im vergangenen Jahr mit 1000 Teilnehmern bis aus Tschechien und Holland großer Beliebtheit erfreute, eine geeignete Plattform. Organisiert wird die Tour von der Olympiaregion Seefeld und Achensee Tourismus in Kooperation mit dem Alpenpark Karwendel.

Beide Regionen haben den Nutzen dieser Veranstaltung erkannt. „Natürlich ist es für eine Tourismusregion das Ziel, dabei eine gewisse Zahl an Übernachtungen zu generieren“, sagt Tschoner. Dazu kommt die Werbung: Zahlreiche Journalisten aus Deutschland, Tschechien und Holland hätten die Wanderung im vergangenen Jahr begleitet.

Trotz dieser positiven Effekte ist ein ähnliches Projekt für Mittenwald keine Option. „Es gäbe vermutlich große Probleme mit dem Naturschutz, eine solche Mammut-Veranstaltung durchs Karwendel zu ziehen“, begründet Mittenwalds Tourismus-Direktor Klaus Ronge. Die zuständige Behörde gibt ihm recht. „Solche Märsche sind im Naturschutzgebiet verboten“, sagt Landratsamtsprecher Michael Kleissl auf Nachfrage.

Doch neben den strengeren Auflagen in Deutschland distanziert sich Ronge auch generell von dieser Art Werbung. „Wir haben ja den Naturschutztag“, betont er vielsagend. Sensibler Umgang mit Flora und Fauna statt Massentourismus steckt dahinter. Als problematisch betrachtet Markus Tschoner den Karwendelmarsch nicht. Die Tiroler Bergwacht, die die Wanderung betreut und die Einhaltung der Auflagen vom Land Tirol kontrolliert, habe nach der Tour 2009 bestätigt, dass die Wanderer keine Spuren hinterlassen hätten. Und genau das wollen die Organisatoren an die Wanderer weitergeben. Sein Bruder Martin Tschoner, für Achensee Tourismus an dem Projekt beteiligt, erläutert: „Wir möchten beweisen, dass sich Naturschutz und Tourismus nicht widersprechen müssen.“

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