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In der Werdenfelser Kaserne in Murnau ist ein großes Wandbild übermalt worden.

Durchsuchungsaktion bei der Bundeswehr 

Kasernen stöbern „anrüchige“ Bilder auf

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Bis 16. Mai hat die Bundeswehr Zeit, ihre Kasernen nach Gegenständen aus der Zeit der Wehrmacht zu durchsuchen. Diese müssen sie vernichten, Anweisung von ganz oben. Die Kasernen im Landkreis haben ihre Suche beendet. Erfolgreich.

Landkreis – Matthias Rehse hat sich sofort an die Arbeit gemacht. Und mit ihm etwa 220 Soldaten in der Karwendelkaserne in Mittenwald. Jede Stube, alle Gänge, Keller und Speicher haben der Hauptmann und seine Leute durchstöbert, „in jede Ecke haben wir geschaut“. Zwei Tage waren sie mit dem Gelände des Ausbildungsstützpunktes Gebirgs- und Winterkampf beschäftigt. Das meiste andere blieb liegen. Denn die Suchaktion hatte oberste Priorität. Kam der Befehl von ganz oben.

Nachdem Ermittler der Bundeswehr Wehrmachtsandenken in deutschen Kasernen gefunden haben (siehe unten), ordnete Generalinspekteur Volker Wieker die Durchsuchung sämtlicher Bundeswehrgebäude an. Alles, was dem Traditionserlass der Wehr widerspreche, müsse entfernt werden. Entsprechend haben Andenken an den Nationalsozialismus und an die Wehrmacht in Kasernen nichts zu suchen. Und damit auch nicht das Bild, das Rehse im Flur eines Gebäudes entdeckte.

In einer Galerie zwischen anderen Schwarz-Weiß-Fotografien hing es. Sie dokumentieren die Geschichte der Bundeswehr ab ihrer Gründung 1955 – was erlaubt ist, gehört diese Historie doch zur Tradition. Das eine Foto aber fiel aus dem Rahmen. 1939 wird es wohl entstanden sein, schätzt Rehse. Mit einer Huldigung der Wehrmacht aber habe das Foto nichts zu tun. Es zeige einfach alte Gebirgsjäger, während einer Übung in den Bergen. Dabei aber tragen sie alte Bergmützen der Wehrmacht. Und sind deshalb aus der Bildergalerie verschwunden. Rehse nahm das Foto sofort ab. „Wir vernichten es.“

Ein Fundstück in Murnauer Kaserne

Seine Ergebnisse zur zweitägigen Suche hat er bereits dokumentiert, bis zum 16. Mai haben alle Kasernen Zeit, ihre an die vorgesetzten Stellen zu melden. Nach einem ersten Zwischenstand am Dienstag will das Verteidigungsministerium entsprechend bald einen Abschlussbericht vorlegen.

Inwiefern die zweite Kaserne in Mittenwald darin auftaucht, lässt sich nicht beantworten: Christopher Arns, Presseoffizier des Gebirgsjägerbataillons 233, darf zur „internen Untersuchung“ keine Angaben machen – Weisung der übergeordneten Division.

Die Murnauer Kaserne dagegen wird ebenfalls ein Fundstück melden: ein Bild an der Wand im Speisesaal. Keine Waffen oder Panzer sind zu sehen, nur drei Soldaten, die um ein Muli herumstehen Schemenhaft gezeichnet, in Schwarz-Weiß. Sie tragen keine Abzeichen, aber einen Helm, wie ihn die Wehrmacht nutzte – wenn auch schwer zu erkennen. Mehrmals mussten die Verantwortlichen hinsehen, auch Zugführer und Presseoffizier Christopher Schüttler hat sich das Bild genau angeschaut. „Man hätte es kritisch auslegen können“, sagt der Oberstleutnant, der Geschichte studiert hat. Die Kasernenführung reagierte: Sie ließ weißeln. Das eineinhalb Meter hohe und zwei Meter breite Bild wich einer weißen Wand. Wann es entstanden, ist weiß Schüttler nicht. Das Werk eines berühmten Malers habe man aber nicht vernichtet.

Symbole, die wie das Hakenkreuz eindeutig den Nationalsozialismus repräsentieren, tauchten bei der Suchaktion keine auf. Alles andere hätte Schüttler und Rehse doch sehr verwundert. Seien sie schließlich verboten und – sofern vorhanden – längst entfernt worden. Auch die beiden gefundenen Bilder sind von einer Verherrlichung der Wehrmacht weit entfernt.

Presseoffizier Rehse sieht in der Anordnung eine „letzte große Welle“, um wirklich alle Bereiche von „verstaubten Devotionalien“ einer dunklen Zeit zu befreien. Das befürwortet er. Für Wehrmachtsandenken – in welcher Form auch immer – sei kein Platz, betont er. „Das gehört nicht zur Tradition der Bundeswehr, das hat in einer Kaserne nichts verloren“, bekräftigt Schüttler aus Murnau. Für ihn ist die Aktion ein wichtiges Zeichen für außen, für Menschen mit rechtem Gedankengut, die in der Bundeswehr womöglich einen Anziehungspunkt finden. Ihnen mache man damit klar: „Wir haben mit der Wehmacht nichts zu tun.“ Schüttler betont aber auch: Die dunkle Geschichte darf man nicht unter den Teppich kehren. Erinnerung muss sein. Auch mit entsprechenden Erinnerungsstücken. Solange sie eingeordnet und im richtigen Rahmen präsentiert werden.

„Braune Denke gibt es nicht“

Zur Überprüfung der Kasernen hatte eine Reihe von Vorfällen innerhalb der Bundeswehr geführt. Angefangen beim Fall des rechtsextremen Oberleutnants Franco A.. Sein mutmaßlicher Plan: als Flüchtling getarnt, mit Hilfe eines weitere Oberstleutnants einen Anschlag zu verüben. Beide sitzen in Untersuchungshaft. In A.s Kaserne fanden Ermittler Landser-Bilder, Stahlhelme und Replika von Waffen – Gegenstände, mit denen A. und Mitstreiter wohl ihre Begeisterung für die Wehrmacht ausdrückten. Kurz darauf entdeckten Inspekteure einer Kaserne in Donaueschingen einen Raum mit Wehrmachtsandenken. Die Frage, die seitdem laut gestellt wird: Hat die Bundeswehr ein Problem mit Rechtsextremismus? In den Kasernen in Mittenwald und Murnau sind die Themen um Terror und Rechtsextremismus omnipräsent. „Die Gespräche beginnen beim Frühstück“, sagt Presseoffizier Christopher Schüttler. Als Zugführer hat er seine Soldaten zusammengeholt, um Fragen zu beantworten und zu klären, wie sie mit dem Thema umgehen sollen, falls sie angesprochen werden. „Wir haben hier kein Problem mit Rechtsradikalismus“, betont er. Generell leiste die größte Mehrheit der Soldaten vorbildliche Arbeit. Auch wenn er persönlich in Murnau keine negativen Auswirkungen auf die Akzeptanz der Soldaten spürt: Wenige schwarze Schafe wirken sich in seinen Augen auf den Ruf der Bundeswehr aus. Das würde Matthias Rehse unterschreiben. Den Kasernenkommandanten und die Truppe des Ausbildungsstützpunktes Gebirgs- und Winterkampf in Mittenwald beschäftigt das Thema. Durch Menschen wie Franco A. werde die Bundeswehr in den Dreck gezogen. Zu Unrecht. „Die Masse macht einen Dienst, wie er sein solle.“ Für seine Leute legt er die Hand ins Feuer: „Eine braune Denke gibt es nicht.“   


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