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Mit der Drohne übers „Katastrophengebiet“.

Bürgermeister begehrte TV-Interviewpartner

Katastrophen-Berichte aus dem Isartal

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Keine Lawine, keine Katastrophe – ein Horror für manchen Fernsehsender, der sich das Isartaler Winterchaos ganz anders vorgestellt hatte. Der Frust bei einigen TV-Leuten saß tief, weil sie vor Ort nicht das bekamen, was sie wollten.

Oberes Isartal – Die Macht der Bilder und etwas Drama obendrauf – das sind beliebte und bewährte Zutaten, wenn TV-Sender aus Krisengebieten berichten. Als solches hatten die Fernsehmacher während der schneereichen Tage in den bayerischen Alpen auch das Isartal auserkoren. Dumm nur, dass der vom Landratsamt ausgerufene Katastrophenfall nicht das hielt, was sich manche sensationslustige Kamerateams davon versprochen hatten.

Die drei Bürgermeister, die allesamt als Interviewpartner herhalten mussten, können davon ein Lied singen. Wallgaus Rathauschef Hansjörg Zahler beispielsweise sollte einem Mitarbeiter des MDR für die ARD-Sendung Brisant packende O-Töne von der Schneefront liefern. Doch er betonte ein ums andere Mal: „Das ist keine Katastrophe, sondern Winter.“ Wenn Zahler schon nicht das Richtige sagt, sollte wenigstens das Drumherum passen. Also musste der Bürgermeister seinen Text vor einem Feuerwehr-Fahrzeug mit Blaulicht aufsagen. Immerhin schaffte es Zahler damit ins Vorabendprogramm. Dem Mittenwalder Statiker und Experten für Dachlasten, Wolfgang Schwind, gelang das nicht – und das, obwohl sich RTL knapp drei Stunden mit ihm abgemüht hatte. „Ich konnte ihnen das Szenario, das sie wollten, einfach nicht liefern“, meint Schwind mit etwas Süffisanz. Gefragt war natürlich auch das G7-gestählte Krüner Gemeinde-Oberhaupt. „Ich hab’ mich um keinen Brennpunkt beworben“, versichert Thomas Schwarzenberger. Doch bereitwillig hatte er sich im Flockenwirbel den Fragen des Bayerischen Rundfunks für das ARD-Format gestellt. Mit dem Gezeigten kann Schwarzenberger leben – auch wenn die TV-Leute aus anderem Antrieb gekommen sind. Was nicht die Schuld der Fernseh-Profis ist. Der Begriff Katastrophenfall implizierte nicht nur für sie – eben eine Katastrophe.

Zu Wort kam in den Katastrophen-Berichten auch Mittenwalds Bürgermeister. Gleich dreimal durfte Adolf Hornsteiner gegenüber dem ZDF, RTL und dem Saarländischen Rundfunk zur Lage der Gemeinde Stellung beziehen. „Wir sind weit von einer Katastrophe entfernt“, sagte er dabei nicht nur einmal. Umso überraschender, dass sein nüchterner Aufruf zu Sorgfalt und Gelassenheit überhaupt ausgestrahlt wurde.

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