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Jetzt ist es amtlich: Bei der Übergabe der Anerkennungsurkunde im Kultusministerium (v. l.) Ministerialdirigent Walter Gremm, Schulrat Jürgen Heiß, Elisabeth Kohl (Grundschule Wackersberg), der Walchenseer Schulleiter Bernhard Wirth und Ministerialrätin Maria Wilhelm. 

Flexible Grundschule 

Hier bleibt keiner mehr sitzen

Walchensee –Die Dorfschule Walchensee, die auch Kinder aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen besuchen, ist ab dem kommenden Schuljahr eine sogenannte „Flexible Grundschule“. Für die Knirpse soll das nur Vorteile haben. Sitzenbleiben können Erst- und Zweitklässler nun nicht mehr.

Ob ein Schüler drei Jahre für die ersten beiden Grundschulklassen braucht. Oder zwei Jahre. Oder vielleicht sogar nur eines: Das wird ab September egal sein. Dann sollen die Kinder die Möglichkeit bekommen, in ihrem individuellen Tempo Lesen, Schreiben und Rechnen zu lernen. Ganz nach dem Motto: „Nicht jedes Kind muss das Gleiche zur gleichen Zeit können“, wie der Walchenseer Schulleiter Bernhard Wirth betont. Seine Schule hatte sich im April bei der Regierung von Oberbayern um die Einführung dieses neuen Schulsystems beworben. Im Juli kam die Zusage.

Von den rund 40 Kindern, die in Walchensee die Schulbank drücken, stammt etwa ein Viertel aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen: nämlich aus Mittenwald, Krün, Obernach, aber auch aus dem Kreisort. Mit dem Transport wurde der Wallgauer Omnibusbetrieb Hornsteiner beauftragt. „Das läuft recht gut“, betont Wirth. Die Dorfschule Walchensee hat einen privaten Träger. Dabei handelt es sich um die Dorfleben Walchensee gemeinnützige GmbH.

Bereits vor einigen Jahren starteten die ersten Modellschulen mit dem Format „Flexible Grundschule“. Mittlerweile, so schätzt Wirth, gibt es bayernweit über 200 dieser Bildungseinrichtungen. „Im Schuljahr 2017/2018 trägt im Landkreis Garmisch-Partenkirchen die Grundschule Oberau das Profil ,Flexible Grundschule‘“, teilt Julia Graf mit, Sprecherin des bayerischen Kultusministeriums. Kernelement dieses Angebots sind unter anderem jahrgangsgemischte Klassen. Also Kombiklassen, wie es sie in Walchensee (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen) mit den insgesamt 43 Schülern seit jeher gibt. Hier sollen sich die Kinder ab September noch stärker als bisher gegenseitig unterstützen. Die klare Klassenzuweisung eines Schülers wird entfallen. „Die Kinder können sich bewusst austauschen. Der Lehrer steht nicht mehr so stark im Mittelpunkt“, erklärt Wirth.

Der Frontalunterricht werde weiter aufgeweicht, das individuelle Lernen dagegen intensiviert. Trotzdem sei ein guter Pädagoge für das Gelingen der „Flexiblen Grundschule“ unabdingbar. Denn nur durch seine geschickte Aufgabenstellung könne er gemeinsames Lernen erst ermöglichen. Deshalb werden die Walchenseer Lehrer mit Fortbildungen für das neue System geschult. Auch die Tatsache, dass es in dem Dorf seit dem Trägerwechsel vor rund zehn Jahren immer zwei Pädagogen in einer Klasse gibt, sei für die Umsetzung der „Flexiblen Grundschule“ von großem Vorteil, sagt Wirth. „Das ist schon Luxus.“ Andere Grundschulen hätten den nicht.

Braucht ein Kind also künftig drei Jahre für die ersten beiden Klassen, wird ihm dieses zusätzliche Jahr nicht auf die Pflichtschulzeit angerechnet. In intensiven Beratungsgesprächen werde mit Eltern und Kind ganz individuell entschieden, wann ein Kind in die dritte Klasse wechseln kann.

Franziska Seliger und Roland Lory

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