Einreise im Lawinenstrich: Die österreichischen Grenzkontrollen sind mittlerweile wieder von Gießenbach nach Scharnitz verlegt worden.
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Einreise im Lawinenstrich: Die österreichischen Grenzkontrollen sind mittlerweile wieder von Gießenbach nach Scharnitz verlegt worden.

Lawinenschutz an der Landesgrenze

Marchklamm: Keine Entwarnung auf der Schnee-Autobahn

  • VonChristof Schnürer
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Der Lawinenschutz an der Landesgrenze bei Scharnitz ist in die Endlosschleife geraten. Seit 18 Jahren diskutieren die zuständigen Stellen - ohne sichtbaren Erfolg.

Mittenwald - Die älteren Semester können sich vielleicht noch an den 8. Februar 2003 erinnern. Damals rauschte mitten in der Nacht von der Westflanke des Brunnsteins eine mächtige Lawine ins Tal. Unmittelbar an der Landesgrenze bei Scharnitz begrub sie Bahnlinie und Bundesstraße. Seitdem ist die Marchklamm, jene berüchtigte Felsrinne, die damals zur Schnee-Autobahn mutierte, in aller Munde. „Die Gemeinden sollten Gas geben“, forderte seinerzeit Erwin Seelos, der Bürgermeister von Seefeld. Doch davon kann 18 Jahre nach dem Unglück nicht die Rede sein. Im Gegenteil: In 6577 Tagen, die seitdem verstrichen sind, haben deutsche und österreichische Behörden immer noch keinen Durchbruch erzielt.

Nadine Heiß, Abteilungsleiterin beim Staatlichen Bauamt Weilheim, fehlen ob des schleppenden Prozesses auch langsam die Argumente. „Es geht ja um eine wirtschaftliche Lösung, die von allen mitgetragen werden kann.“ Mit alle meint sie die Deutsche Bahn AG, die Österreichische Bundesbahn, die Tiroler Straßenbauverwaltung und eben das Staatliche Bauamt, die seit bald zwei Dekaden um die richtige Lösung an der Landesgrenze feilschen.

Aus Kostengründen bevorzugt dieses Quartett nun wieder den Lawinenschutz im Anrissgebiet – also Schneestopper aus Stahl in etwa 1800 Metern Höhe. Das zumindest ist das Ergebnis einer weiteren Studie der beauftragten österreichischen Firma, die seit Herbst 2020 allen Beteiligten vorliegt. Mit geschätzten Bruttokosten von elf Millionen Euro wäre man deutlich unter der Galerie-Variante im Tal (350-Meter-Einhausung von Schiene und Straße), die auf 33 Millionen Euro taxiert wurde.

Mit anderen Worten: Die Verhandlungspartner kehren nun zu einem Vorschlag zurück, der bis 2010 präferiert wurde, aber am Veto des Naturschutzes scheiterte. Geplant war damals: Zwischen 2170 und 1800 Metern sollten auf einer Länge von 5870 Metern zahlreiche Stahlschnee-Brücken gebohrt werden. Allein an der Lawinen-Anrissstelle wollte man diese massiven Schneestopper – zwischen vier und 214 Meter lang – auf einer Fläche von 15,3 Hektar installieren. Das Hauptproblem: Dieses Areal ist geschütztes FFH-Gebiet.

Schon damals zweifelte Johannes Riedl, zuständiger Abteilungsleiter beim Wasserwirtschaftsamt Weilheim, gegenüber dem Tagblatt an der Umsetzung: „Es gibt zwar die Möglichkeit für eine Ausnahme-Regelung, aber nur wenn alle anderen Alternativen geprüft sind.“ Folglich warb der gleiche Experte seinerzeit für eine Galerie: „Finanziell ist kein großer Unterschied, und der Schutzgrad ist wesentlich höher.“

Heute müsste er zähneknirschend konstatieren: Die Galerie ist dreimal so teuer. Ein Argument, dass für die beiden Bahn-Unternehmen offenbar stichhaltig ist. Mehrmals sollen DB und ÖBB darauf hingewiesen haben, nicht jeden Preis bei der Lawinen-Verbauung in der Marchlamm mitgehen zu wollen.

Galerie – Schneestopper – Galerie – und jetzt wieder Schneestopper. Die Studie liegt inzwischen auch im Landratsamt vor. Man darf gespannt sein, ob sich an der Sichtweise der Unteren Naturschutzbehörde mittlerweile etwas geändert hat oder ob der grüne Daumen sich doch wieder senkt.

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