Geschulter Blick: 2018 haben Lehrerin Johanna de Hoop und Georg Neuner, der Stellvertretende Rektor der Geigenbauschule, die Geigen, Celli und Bratschen für den Internationalen Wettbewerb in Empfang genommen.
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Geschulter Blick: 2018 haben Lehrerin Johanna de Hoop und Georg Neuner, der Stellvertretende Rektor der Geigenbauschule, die Geigen, Celli und Bratschen für den Internationalen Wettbewerb in Empfang genommen.

2022 nächster Termin

Geigenbau-Wettbewerb in Mittenwald: Klares Ja zur neunten Auflage

  • VonChristof Schnürer
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Mittenwald scheut weder Kosten noch Aufwand: Auch 2022 soll’s wieder im Geburtsort von Matthias Klotz (1653 bis 1743) einen Internationalen Geigenbau-Wettbewerb geben. Das beschloss der Marktgemeinderat einstimmig.

Mittenwald – „Wenn nicht wir dafür in Deutschland prädestiniert sind, wer dann?“ Eine durchaus berechtigte Frage von Michael Altmann (CSU) am Dienstagabend im Mittenwalder Marktgemeinderat. Denn dank der segensreichen Schaffenskraft des legendären Matthias Klotz genießt der Ort seit dem 17. Jahrhundert unbestritten den Ruf einer Instrumentenmacher-Hochburg. „Ein Alleinstellungsmerkmal“, findet Altmann, der nicht zuletzt deshalb wie die anderen Amtskollegen auch die neunte Auflage des Internationalen Geigenbau-Wettbewerbs von 3. bis 19. Juni 2022 absegnete.

Erstmals hatte man diese Konkurrenz 1989 in Mittenwald ausgetragen. Seitdem wird diese Veranstaltung nahezu im Vier-Jahres-Rhythmus realisiert. Instrumentenmacher rund um den Globus stellen dann ihre Exponate einer fachkundigen Jury zum Bewerten zur Verfügung. Zuletzt war die Resonanz allerdings etwas rückläufig: Reichten etwa 2010 noch 246 Teilnehmer 275 Instrumente und 68 Bögen ein, so waren es 2014 nur mehr 205 Teilnehmer mit 221 Instrumenten und 66 Bögen. Der Tiefpunkt folgte schließlich 2018, als nur noch 130 Fachleute ihre 143 Instrumente und 58 Bögen nach Mittenwald versandten. Doch das hat Gründe: Gleichzeitig fand damals der Wettbewerb im italienischen Cremona statt.

„Unabhängig davon kann man eine absteigende Tendenz erkennen“, erläuterte der zuständige Philipp Golka aus der Tourist-Information den Gemeinderäten. Aus diesem Grund strebt man für 2022 eine neue Wertungsklasse „Nachbauten“ an. Gleichzeitig soll das Anmelde-Prozedere digitalisiert werden. Das alles kostet natürlich Geld. Golka und Co. rechnen mit maximal 35 000 Euro, die der Mittenwalder Steuerzahler dafür entrichten darf. Als Ausrichtungstermin wählte man die Pfingstferien – natürlich mit Hintergedanken. Denn zur Einlagerung und Bewertung der Instrumente brauchen die Experten Platz und Ruhe. Beides ist in den Ferien sowohl in der Grund- und Mittel- als auch der Geigenbauschule gegeben.

Dem Gemeinderat wurden zudem die Mitglieder des Organisationskomitees vorgeschlagen: Darin finden sich neben Golka Bürgermeister Enrico Corongiu, Sabrina Blandau (Geschäftsführerin der Alpenwelt-Karwendel-GmbH), Patrick Wagner (AWK), Dr. Constanze Werner (Leiterin Geigenbaumuseum), Georg Neuner (Geigenbauschule) sowie die Geigenbaumeister Rainer W. Leonhardt und Anton Sprenger.

Wünschenswert wäre laut Golka auch ein OK-Vertreter aus den Reihen des Gemeinderats. Doch die Resonanz am Dienstag seitens der Adressaten war gleich null, wie eine erste zarte Anfrage des Bürgermeisters vor Augen führte. Am Ende wollte Ludwig Hornsteiner (CSU) von Golka wissen, inwiefern sich ein solcher Wettbewerb auf die Übernachtungszahlen auswirkt. „Das ist relativ überschaubar“, antwortete Golka. Doch das sei auch nicht das primäre Ziel einer solchen Veranstaltung. „Es geht um die Wahrnehmung des Ortes. Das ist identitätsstiftend.“

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