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Einheimischenmodell Mittenwald: Bundeswehr im Fadenkreuz

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Von: Christof Schnürer

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Kleine Variante, große Hoffnung für in erster Linie junge Mittenwalder Familien. Das geplante Einheimischenmodell soll – vorerst – über die bestehende Siedlung am Unteren Rain erschlossen werden. Grafik: marktgemeinde mittenwald
Kleine Variante, große Hoffnung für in erster Linie junge Mittenwalder Familien. Das geplante Einheimischenmodell soll – vorerst – über die bestehende Siedlung am Unteren Rain erschlossen werden. Grafik: marktgemeinde mittenwald © Marktgemeinde Mittenwald

Das Einheimischenmodell in Mittenwald wird immer realistischer. Am Dienstag hat der Marktgemeinderat einstimmig den darauf basierenden Bebauungsplan auf den Weg gebracht. Doch statt Freude machte sich auch diesmal eher Frust breit – über die mangelnde Kooperationsbereitschaft des Bundes.

Mittenwald – Die Armee ist endgültig ins Fadenkreuz der Mittenwalder Ortspolitik geraten. „Ich bin immer ein Freund der Bundeswehr gewesen, aber nun bin ich von ihr enttäuscht“, brach es am Dienstagabend in der Gemeinderatssitzung aus Gerhard Schöner (CSU) heraus. Eigentlich hatte er Unterstützung erwartet. „Stattdessen werden uns von Bundesseite nur Knüppel zwischen die Beine geworfen!“

Was Schöners Blut einmal mehr in Wallung gebracht hatte, war die im Rathaus vielfach kritisierte mangelnde Kooperationsbereitschaft des Bundes bei der Erschließung eines rund 2,8 Hektar großen Geländes entlang der Isar zwischen den Kasernen und der Siedlung am Unteren Rain. Bei einer für viele sinnvollen Zuwegung über den Hirtbichl – dort steht das Offiziersheim – grätschte die zuständige Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) aus „Gründen der Sicherheit“ dazwischen. Diese Behörde soll zwischenzeitlich gesprächsbereit sein, teilte Bürgermeister Enrico Corongiu (SPD) mit. „Mit der BImA sind wir auf einem guten Weg.“ Einen schweren Stand hat die Kommune dagegen seinen Aussagen zufolge mit dem Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr und mit dem Bundeswehrdienstleistungszentrum.

Also probiert es Corongiu in Kürze auf der „nächst höheren Ebene“. Dem Vernehmen nach soll es Anfang Dezember ein Gespräch mit einer regierungsnahen Bundespolitikerin geben.

So muss sich die Gemeinde, die während der Ära von CSU-Bürgermeister Adolf Hornsteiner (2008 bis 2020) bereits das Einheimischenmodell angestoßen hatte, noch in Zurückhaltung üben – getreu dem Motto: Klein handeln, groß denken. Das bedeutet: Zuerst einmal das ehrgeizige Projekt mit zehn Bauparzellen auf 0,6-Hektar-Gemeindegrund auf den Weg bringen und parallel dort eine Erschließung für ein viel größeres Wohnviertel (2,8 Hektar) über Bundeswehr-Grund zustandebekommen.

Da kommen wir ja ins Schwarzbuch der Steuerzahler.

Bürgermeister Enrico Corongiu

Die Aufstellung des darauf basierenden Bebauungsplans Nummer 49 „Am Unteren Rain“ stieß daher auf ein einhelliges Echo. Doch von allen Fraktionen gab es Feuer gegen die Bundeswehr beziehungsweise die ihr zuarbeitenden Dienststellen. „Ich bitte Euch, dran zu bleiben“, appellierte Ursula Seydel (SPD) an den Bürgermeister und die Marktverwaltung. Das Einheimischenmodell, das notgedrungen vorerst ausschließlich über den Unteren Rain erschlossen wird, betrachtet Seydel „als ersten Schritt“. „Nix Gescheites und nix Ganzes“, wetterte Kurt Stransky (CSU) einmal mehr. Unlängst hatte dieser notfalls den Bau einer weiteren Isarbrücke gefordert. Was angesichts der Finanzlage und der Tatsache, dass es hundert Meter nördlich bereits einen solchen Übergang gibt, natürlich illusorisch und laut Bürgermeister auch nicht vertretbar ist. „Da kommen wir ja ins Schwarzbuch der Steuerzahler“, schwante Corongiu. Auch Stefan Schmitz (Bürgervereinigung) empfindet die Haltung des Bundes als „eine Frechheit“.

Etwas moderatere Töne schlägt Vize-Bürgermeister Georg Seitz (Freie Wähler) an. „Ich bin auch nicht ganz glücklich, aber wir müssen doch froh sein, dass wir die Fläche dort draußen weiterentwickeln können.“ Ferner erinnerte Seitz im Zusammenhang mit den oft erwähnten beengten Straßenverhältnissen am Unteren Rain daran, dass die bestehenden Häuser ja auch von schwerem Baugerät angefahren wurden. „Da waren nicht die Heinzelmännchen da.“

Seitz hatte damit auch Kurt Stransky angesprochen, dessen Familie in Kasernennähe bekanntlich eine Gärtnerei betreibt. Dieser stellte deshalb noch einmal klar: „Ich bin nicht gegen das Baugebiet, ich bin gegen die Erschließung!“

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