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Anstoßen im Familienkreis: (v.l.) Kerstin, Enrico und Sohn Davide mit den Eltern Magdalena und Gesuino Corongiu.

Amtsinhaber muss nach zwölf Jahren abdanken

Stichwahl-Hammer in Mittenwald: Corongiu stürzt Hornsteiner

  • vonChristof Schnürer
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Das war ein Wahlkrimi: Am Ende mit Happy End für Herausforderer Enrico Corongiu. Er ist künftig Bürgermeister von Mittenwald.

Mittenwald – Politisches Erdbeben unterm Karwendel: Enrico Corongiu (41) hat in der Mittenwalder Bürgermeister-Stichwahl die Sensation geschafft. Mit 52,5 zu 47,5 Prozent hat er den favorisierten Amtsinhaber Adolf Hornsteiner (58) in die Schranken gewiesen. Beide Konkurrenten erleben an diesem denkwürdigen 29. März ein Wechselbad der Gefühle. Lange Zeit trennen die zwei nur wenige Stimmen. Um 19.57 Uhr, knapp zwei Stunden nach Beginn der Auszählung der 4465 Wahlzettel (73 Prozent Wahlbeteiligung), steht der Sieger fest.

„Surreal – ich muss das erst mal sacken lassen“, meint der Mann des Abends. „Die Freude ist riesig, vor allem wenn man überhaupt nicht damit gerechnet hat.“ Kurz nach 20 Uhr gratuliert ihm der amtierende Bürgermeister mit ernstem Gesicht zu seinem Erfolg. „Kein schöner Tag für mich“, räumt Hornsteiner unumwunden ein. „Jetzt muss ich erst mal eine Nacht drüber schlafen – aber es wird nicht die beste Nacht.“ Kurz nach dem Handschlag – Corona-Krise hin oder her – ziehen sich die Protagonisten zu einem Vier-Augen-Gespräch zurück. „Alles, was ich weiß, gebe ich Enrico gerne weiter“, versichert Hornsteiner im Stile eines fairen Verlierers. „Es geht um Mittenwald.“ Die kommenden vier Wochen will der abgewählte Rathauschef noch einmal Gas geben. „Dann ist der Bürgermeister Hornsteiner Geschichte.“ Ob er sein Gemeinderatsmandat annimmt, lässt er offen.

Vom Roten Kreuz ins Rathaus

Corongiu hingegen ist sichtlich überwältigt von dem Traumergebnis. Kurz nach 21 Uhr wird er zu Hause im Hof von einigen Parteifreunden mit einem Glas Sekt empfangen – den Sicherheitsabstand halten die siegestrunkenen Roten ein. „Eine Sensation“, jubelt die künftige Gemeinderätin Bärbel Rauch. „Eine tolle Geschichte, ich bin überglücklich.“ Dass Corongiu an diesem geschichtsträchtigen Tag einen roten Anorak gewählt hat, ist reiner Zufall. „Der ist einfach am wärmsten.“ Der gelernte Rettungssanitäter sieht nun spannenden Zeiten entgegen. „Vom Roten Kreuz ins Rathaus“, bringt er es auf eine schlüssige Kurzformel. Er sieht sich nun „vor besonders großen Herausforderungen“.

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Seinen Wahlsieg hat Corongiu insbesondere den Anhängern der Freien Wähler zu verdanken, die nahezu komplett ins rote Lager gewechselt sind. Im künftigen Marktgemeinderat verfügen diese beiden Fraktionen – die Pro-Hallenbad-Gruppierungen – über eine hauchdünne Mehrheit. Die Abwahl eines Bürgermeisters hat es in Mittenwald seit über 60 Jahren nicht mehr gegeben. Auch dieser Umstand beschreibt die umwälzende Entwicklung in der Karwendelgemeinde. Besonders bemerkenswert: Das Obere Isartal, bekannt für satte CSU-Mehrheiten im 70-Prozent-und-mehr-Bereich verfügt urplötzlich über zwei Bürgermeister mit SPD-Parteibuch: Corongiu in Mittenwald und Bastian Eiter in Wallgau, zugleich Erster und Zweiter Vorsitzender der Isartaler Sozialdemokraten. Das Karwendel leuchtet neuerdings rot.

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