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Symbolträchtig: Wie das inzwischen verschwundene Hallenbad gleicht auch das Verhältnis zwischen der Bürgermeister-Partei CSU und den Freien Wählern einem Trümmerfeld.

Kommunalwahl-Serie des Tagblatts

Mittenwald auf dem Prüfstand: Zertrümmertes Miteinander

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Das müssen Sie zur Kommunalwahl 2020 in Mittenwald wissen. Vor der Wahl wird jede Gemeinde des Kreises Garmisch-Partenkirchen auf den Prüfstand gestellt.

Mittenwald – Das Karwendelbad, das zum Jahreswechsel 2017/2018 in Trümmern liegt, steht sinnbildlich für das Klima im Mittenwalder Marktgemeinderat. Vorbei die Zeiten, in denen das Kommunalparlament eher einem Streichelzoo glich. Knackpunkt des Stimmungsumschwungs war die Diskussion über das Für und Wider eines neuen Planschtempels – eine Zerreißprobe inner- und außerhalb des Rathauses. „Ein Jahr lang wurden der Gemeinderat und die Bürger dermaßen hinters Licht geführt“, kritisiert Georg Seitz (Vereinigung der Freien Wähler Mittenwald/VFM). Damit zielt der „Gratz’n-Schorsch“ auf Bürgermeister Adolf Hornsteiner (58) und seine CSU ab, die mit ihrem Ratsbegehren den beschlossenen abgespeckten Hallenbad-Neubau auf dem Nemayer-Gelände im zweiten Anlauf gekippt hatten.

Wasser auf den Mühlen derer, die schon seit einiger Zeit den angeblich selbstherrlichen Stil des allmächtigen Bürgermeisters und die Unterwürfigkeit der willfährigen CSU-Fraktion brandmarkten. Somit ist es also nur konsequent, dass mit Seitz einer der schärfsten Kritiker von Hornsteiner bei der Kommunalwahl am 15. März den lange Zeit unumstrittenen Rathauschef herausfordert. Dieser sei nach zwölf Jahren „verbraucht und mitgenommen“. Etwas moderatere Töne schlägt ein weiterer Anwärter auf das höchste Mittenwalder Amt an: Enrico Corongiu (SPD). Warum der derzeitige Bürgermeister seinen Posten räumen sollte? 

„Weil ich eine andere Sicht auf die Dinge habe wie Herr Hornsteiner.“ Auch Corongiu (41) – Mutter Deutsche, Vater Italiener – war ein vehementer Befürworter eines Hallenbads. Nicht zuletzt deshalb rasselten er und Hornsteiner im Gemeinderat im Zuge einer Haushaltsdebatte furchtbar aneinander. „Sicherlich gab es Phasen, in denen es mal härter zuging“, relativiert der rote Hoffnungsträger mit etwas Abstand. „Aber alles ist noch im Rahmen geblieben.“ Doch vergessen haben die Hallenbad-Befürworter nichts. „Da ist sehr viel menschliche Enttäuschung dabei“, findet Seitz (51). Sinnbildlich dafür steht das inzwischen angespannte Verhältnis zu seinem ehemaligen guten Freund Hornsteiner.

Kommunalwahl 2020 in Bayern: Welche Aufgaben haben Stadtrat und Gemeinderat?

Alle Informationen zur Kommunalwahl 2020.

Bürgermeisterwahl 2020 im Kreis Garmisch-Partenkirchen.

Bürgermeister-Wahl in Mittenwald: Hornsteiner bekommt es nach zwei Solo-Auftritten erstmals mit Gegenkandidaten zu tun

Dieser bekommt es in zwei Monaten nach zwei Solo-Auftritten erstmals mit Gegenkandidaten zu tun. Völlig zurecht, finden Kritiker, die beispielsweise dem Rathauschef – hinter vorgehaltener Hand – ankreiden, dass ausgerechnet seine Tochter zur neuen Tiefbauamtschefin berufen wurde. Doch mit Tiefschlägen weiß Hornsteiner spätestens seit der Schlammschlacht mit der Karwendelbahn, die seit bald vier Jahren viel Zeit und Geld bindet, umzugehen. Freilich sind einige Projekte (Hotelbau an der Bahnhofsstraße, Wasserkraftwerk Leutasch oder Kranzberg-Modernisierung) fürs erste gescheitert. Gleichwohl wurden dahingehend Grundlagen geschaffen. Und nicht nur das. 

Alle Kandidaten im Überblick

„Wir haben in den vergangenen sechs Jahren wieder Dinge angestoßen und abgeschlossen“, verdeutlicht Hornsteiner. Stellvertretend dafür nennt er den millionenträchtigen Lainbach-Hochwasserschutz, den Lawinen-Umlenkdamm an der Rainlähne, die Sanierung des Fußballplatzes, der Bau eines neuen Altenheims auf dem Gewa-Gelände oder die Bauleitplanung für das Silva-Mountain-Sporthotel im Kaffeefeld oder das Einheimischenmodell. „Das waren für Mittenwald sehr gute Jahre.“ Nicht zuletzt auch in puncto Tourismus. Allen Unkenrufen zum Trotz geht die Kurve bei den Gästeankünften – auch ohne Schwimmbad – weiter nach oben. „Jetzt haben wir das Niveau der späten 1980er Jahre erreicht.“

Bürgermeister Adolf Hornsteiner: „Es hat viel Substanz gekostet.“

Auch wenn sich Hornsteiner nach zwölf Jahren auf dem Chefsessel keineswegs verbraucht und mitgenommen fühlt, räumt er ein: „Es hat viel Substanz gekostet.“ In erster Linie die Grabenkämpfe der zurückliegenden drei Jahre im Gemeinderat und vor Gericht (Karwendelbahn). Doch seine Mission sieht der „Mousn-Adolf“ noch nicht erfüllt. „Ich möchte das Angefangene zu Ende bringen.“ Womit Hornsteiner unter anderem auf die Realisierung einer modernen Sporthalle oder den Kommunalen und Sozialen Wohnungsbau im ehemaligen Gelände der Standortverwaltung (StoV) abzielt. Schenkt ihm der Souverän ein drittes Mal das Vertrauen, wird die im Mai beginnende Legislaturperiode seine letzte sein. Das steht für ihn in Stein gemeißelt wie der Vierer in der gleichnamigen Spitze.

Marktgemeinderat: Namen, Daten, Fakten

Der Marktgemeinderat besteht aus 20 Mitgliedern plus dem hauptamtlichen Bürgermeister.

Sitzverteilung: CSU: 11 Sitze (Gerhard Schöner, Dieter Schermak, Regina Hornsteiner, Kurt Stransky, Michael Schwind, Johann Ostler, Michael Altmann, Ludwig Knilling, Helmut Hornsteiner, Peter Wimmer, Adolf Frank) – Vereinigung der Freien Wähler Mittenwald (VFM): Georg Seitz, Josef Schandl, Josef Zunterer, Florian Lipp, ChristophWörnle – Bürgervereinigung (BVM): Klaus Zwerger, Stefan Schmitz – SPD: Rudi Rauch, Enrico Corongiu.

Zur Kommunalwahl am 15. März treten die CSU, die Vereinigung der Freien Wähler, die Bürgervereinigung und die SPD an.

Kommunalwahl 2020 in Bayern: Welche Aufgaben hat der Bürgermeister?

Bürgermeister von Mittenwald:

  • 1890 bis 1897: Max Baader
  • 1897 bis 1905: Franz Altenöder
  • 1906 bis 1911: Adolf Baader
  • 1912 bis 1915: Josef Neuner
  • 1915 bis 1919: Hans Neuner
  • 1919 bis 1929: Franz Hornsteiner
  • 1929 bis 1933: Karl Bader
  • 1933 bis 1934: Josef Schmucker
  • 1934 bis 1945: Hans Sailer
  • 1945 bis 1952: Johann Neuner (CSU)
  • 1952 bis 1960: Andreas Seitz (PWG*)
  • 1960 bis 1984: Josef Brandner (CSU)
  • 1984 bis 1996: Hans Neuner (VFM)
  • 1996 bis 2008: Josef Salminger (VFM)
  • seit 2008: Adolf Hornsteiner (CSU)
    * Parteilose Wählergruppe

Landkreis-Gemeinden im Fokus: Alle Gemeinden vor der Kommunalwahl 2020

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