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Symbolträchtig: Wie das inzwischen verschwundene Hallenbad gleicht auch das Verhältnis zwischen der Bürgermeister-Partei CSU und den Freien Wählern einem Trümmerfeld.

Kommunalwahl-Serie des Tagblatts

Mittenwald auf dem Prüfstand: Zertrümmertes Miteinander

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Wahltag ist Zahltag: Was haben Bürgermeister und Gemeinderat in der zu Ende gehenden Legislaturperiode erreicht? Unter anderem dieser Frage geht die Kommunalwahl-Serie des Tagblatts nach. Jede der 22 Landkreis-Kommunen wird dabei auf den Prüfstand gestellt. Zum Auftakt steht Mittenwald im Rampenlicht.

Mittenwald – Das Karwendelbad, das zum Jahreswechsel 2017/2018 in Trümmern liegt, steht sinnbildlich für das Klima im Mittenwalder Marktgemeinderat. Vorbei die Zeiten, in denen das Kommunalparlament eher einem Streichelzoo glich. Knackpunkt des Stimmungsumschwungs war die Diskussion über das Für und Wider eines neuen Planschtempels – eine Zerreißprobe inner- und außerhalb des Rathauses. „Ein Jahr lang wurden der Gemeinderat und die Bürger dermaßen hinters Licht geführt“, kritisiert Georg Seitz (Vereinigung der Freien Wähler Mittenwald/VFM). Damit zielt der „Gratz’n-Schorsch“ auf Bürgermeister Adolf Hornsteiner (58) und seine CSU ab, die mit ihrem Ratsbegehren den beschlossenen abgespeckten Hallenbad-Neubau auf dem Nemayer-Gelände im zweiten Anlauf gekippt hatten.

Wasser auf den Mühlen derer, die schon seit einiger Zeit den angeblich selbstherrlichen Stil des allmächtigen Bürgermeisters und die Unterwürfigkeit der willfährigen CSU-Fraktion brandmarkten. Somit ist es also nur konsequent, dass mit Seitz einer der schärfsten Kritiker von Hornsteiner bei der Kommunalwahl am 15. März den lange Zeit unumstrittenen Rathauschef herausfordert. Dieser sei nach zwölf Jahren „verbraucht und mitgenommen“. Etwas moderatere Töne schlägt ein weiterer Anwärter auf das höchste Mittenwalder Amt an: Enrico Corongiu (SPD). Warum der derzeitige Bürgermeister seinen Posten räumen sollte? „Weil ich eine andere Sicht auf die Dinge habe wie Herr Hornsteiner.“ Auch Corongiu (41) – Mutter Deutsche, Vater Italiener – war ein vehementer Befürworter eines Hallenbads. Nicht zuletzt deshalb rasselten er und Hornsteiner im Gemeinderat im Zuge einer Haushaltsdebatte furchtbar aneinander. „Sicherlich gab es Phasen, in denen es mal härter zuging“, relativiert der rote Hoffnungsträger mit etwas Abstand. „Aber alles ist noch im Rahmen geblieben.“ Doch vergessen haben die Hallenbad-Befürworter nichts. „Da ist sehr viel menschliche Enttäuschung dabei“, findet Seitz (51). Sinnbildlich dafür steht das inzwischen angespannte Verhältnis zu seinem ehemaligen guten Freund Hornsteiner.

Bürgermeister-Wahl in Mittenwald: Hornsteiner bekommt es nach zwei Solo-Auftritten erstmals mit Gegenkandidaten zu tun

Dieser bekommt es in zwei Monaten nach zwei Solo-Auftritten erstmals mit Gegenkandidaten zu tun. Völlig zurecht, finden Kritiker, die beispielsweise dem Rathauschef – hinter vorgehaltener Hand – ankreiden, dass ausgerechnet seine Tochter zur neuen Tiefbauamtschefin berufen wurde. Doch mit Tiefschlägen weiß Hornsteiner spätestens seit der Schlammschlacht mit der Karwendelbahn, die seit bald vier Jahren viel Zeit und Geld bindet, umzugehen. Freilich sind einige Projekte (Hotelbau an der Bahnhofsstraße, Wasserkraftwerk Leutasch oder Kranzberg-Modernisierung) fürs erste gescheitert. Gleichwohl wurden dahingehend Grundlagen geschaffen. Und nicht nur das. „Wir haben in den vergangenen sechs Jahren wieder Dinge angestoßen und abgeschlossen“, verdeutlicht Hornsteiner. Stellvertretend dafür nennt er den millionenträchtigen Lainbach-Hochwasserschutz, den Lawinen-Umlenkdamm an der Rainlähne, die Sanierung des Fußballplatzes, der Bau eines neuen Altenheims auf dem Gewa-Gelände oder die Bauleitplanung für das Silva-Mountain-Sporthotel im Kaffeefeld oder das Einheimischenmodell. „Das waren für Mittenwald sehr gute Jahre.“ Nicht zuletzt auch in puncto Tourismus. Allen Unkenrufen zum Trotz geht die Kurve bei den Gästeankünften – auch ohne Schwimmbad – weiter nach oben. „Jetzt haben wir das Niveau der späten 1980er Jahre erreicht.“

Bürgermeister Adolf Hornsteiner: „Es hat viel Substanz gekostet.“

Auch wenn sich Hornsteiner nach zwölf Jahren auf dem Chefsessel keineswegs verbraucht und mitgenommen fühlt, räumt er ein: „Es hat viel Substanz gekostet.“ In erster Linie die Grabenkämpfe der zurückliegenden drei Jahre im Gemeinderat und vor Gericht (Karwendelbahn). Doch seine Mission sieht der „Mousn-Adolf“ noch nicht erfüllt. „Ich möchte das Angefangene zu Ende bringen.“ Womit Hornsteiner unter anderem auf die Realisierung einer modernen Sporthalle oder den Kommunalen und Sozialen Wohnungsbau im ehemaligen Gelände der Standortverwaltung (StoV) abzielt. Schenkt ihm der Souverän ein drittes Mal das Vertrauen, wird die im Mai beginnende Legislaturperiode seine letzte sein. Das steht für ihn in Stein gemeißelt wie der Vierer in der gleichnamigen Spitze.

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