Stichwahl unterm Karwendel

Bürgermeisterwahl in Mittenwald: Denkzettel für Amtsinhaber

  • VonChristof Schnürer
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Adolf Hornsteiner muss nachsitzen. Am Sonntag hat der Mittenwalder Bürgermeister im ersten Wahlgang lediglich 45 Prozent erreicht. Für viele völlig überraschend: Im Finale in 14 Tagen bekommt es der Favorit von der CSU mit Enrico Corongiu von der SPD zu tun, die ein überdurchschnittlich gutes Ergebnis im erzschwarzen Karwendelort eingefahren hat.

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Mittenwald – Wenn Gesichter Bände sprechen: Wer am Sonntagabend im Gasthof Stern die Stimmungslage bei der regierenden CSU ausloten wollte, musste nur in die versteinerten Mienen blicken. „Wir lassen das Ergebnis jetzt erst mal wirken – und morgen ist ein neuer Tag.“ Mehr will Adolf Hornsteiner in einer ersten Stellungnahme nicht einfallen. Bei der Bürgermeisterwahl hat der bislang souverän amtierende Titelverteidiger – seit 2008 auf dem Chefsessel – einen empfindlichen Dämpfer erhalten. 45,7 Prozent im ersten Wahlgang – ein echter Denkzettel für den erfolgsverwöhnten Rathauschef. Völlig überraschend kam dieses Resultat für ihn nicht. „Ich habe mit so etwas gerechnet.“ Nicht zuletzt wegen der Hallenbad-Geschichte. „Mir war bewusst, dass dieses Thema mit Sicherheit eine Rolle spielen wird.“

Enrico Corongiu (SPD), der sich stets als klarer Befürworter einer solchen Anlage exponierte, hat das offenbar in die Karten gespielt. Für viele im stockkonservativen Mittenwald überraschend, dass der Sozialdemokrat mit deutlichem Vorsprung vor Georg Seitz (Freie Wähler), dem dritten Kandidaten, über die Ziellinie ging. „Das freut mich natürlich riesig.“ Zumal seine Partei, die bislang eher eine Splittergruppierung war, an Stimmen und Sitzen enorm zulegen konnte.

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Während man bei den Roten – eine Wahlparty in der Alpenrose wurde wegen Corona kurzfristig abgesagt – also Grund zum feiern hatte, hält sich die Euphorie bei Seitz und Co. in Grenzen. „Ich bin schon überrascht, dass der Enrico so eingeschlagen hat“, räumt der Spitzenkandidat ein. Selbstredend hat Seitz Corongiu zu seinem 31 Prozent artig gratuliert. Dieser stieß zu Hause mit seiner Frau Kerstin mit einem Glas Weißwein an. In zwei Wochen darf Corongiu den schwarzen Riesen zum Duell fordern. Die Strategie möchte der SPD-Mann am besten heute mit seinen Parteifreunden besprechen. „Dann werden wir die verbleibenden zwei Wochen durchplanen.“ Unters Volk mischen, dürfte angesichts der Corona-Angst so gut wie unmöglich sein.

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Wenig Zeit zum Durchschnaufen bleibt auch dem ins Trudeln geratenen Bürgermeister. „Wir versuchen, auf sachliche Ebene durchzudringen“, gibt Hornsteiner die Marschroute aus. „Auf geht’s, pack ma’s an!“, fordert er seine CSU-Mitstreiter auf. Doch eines ist ihm spätestens nach dem Dämpfer vom Sonntag klar: „Ein Selbstläufer wird das nicht.“

Denn die restlichen fünf Prozent müssen erst geholt werden. Der inzwischen verstorbene Gerd Gaupp, 1996 für die CSU mit haushohem Vorsprung in die Stichwahl gegangen, könnte davon ein Lied singen.

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