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Zufriedene Gesichter: Adolf Hornsteiner und Sabrina Blandau freuen sich auf die Kooperation mit dem Regionalverkehr Oberbayern.

Kooperation mit dem Regionalverkehr Oberbayern 

Isartal-Urlauber fahren gratis

Oberes Isartal - Die Alpenwelt Karwendel kooperiert ab 1. Mai 2017 mit dem Regionalverkehr Oberbayern (RVO) und bietet Urlaubern mit elektronischer Gästekarte kostenlose Fahrten an.

Der Frust über die Schließung des Mittenwalder Karwendelbads sitzt immer noch tief bei einigen Gemeinderäten. Wie ein Damoklesschwert schwebte das Thema deshalb über der jüngsten Sitzung. So kam es, dass der Tagesordnungspunkt „Erhöhung des Kurbeitrags“ fast zur Gänze vom Hallenbad überschattet wurde.

Doch zuerst zum eigentlichen Thema: Mit der Kooperation mit dem RVO wird im Oberen Isartal „eine neue Ära eingeläutet“. Da ist sich Mittenwalds Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU), aktuell auch Aufsichtsratsvorsitzender der Alpenwelt-Karwendel-Tourismus-GmbH, absolut sicher. Ab dem 1. Mai 2017 können Urlauber mit der sogenannten AlpenweltCard, einer elektronischen Gästekarte, die RVO-Busse im gesamten Landkreis kostenlos und unbegrenzt nutzen. „Die Kooperation gilt ganzjährig und auf Dauer“, ergänzt Geschäftsführerin Sabrina Blandau. Damit wird gleichzeitig der Fortbestand der Linien für Einheimische gesichert, da sich „die Fahrgastzahlen durch die Gäste erhöhen“.

Um diese Ergänzung des öffentlichen Nahverkehrs zu finanzieren, wurden die Kurbeiträge in Mittenwald um 30 Cent und in Wallgau um 60 Cent erhöht. Krün diskutiert in dieser Angelegenheit erst in seiner Sitzung Anfang Dezember. Die Voraussetzung für die Kooperation war allerdings „die scharfe Prüfung und Abrechnung der genutzten Fahrten“, wie Blandau beschreibt. Hierfür rüstet der RVO nun seine Busse auf, damit die Gästekarten „in Echtzeit geprüft und zugeordnet werden können“.

Dabei will Blandau einen „mutigen Schritt“ wagen. Denn der kostenlose Transfer wird ausschließlich für jene möglich sein, die elektronisch gemeldet sind. Das machen bisher aber nur „rund 50 Prozent der Vermieter“ in der Alpenwelt Karwendel. Mit dem Angebot will die GmbH künftig auch in diesem Segment die Gastgeber auf Kurs bringen. Jene Vermieter, die bisher noch nicht ihre Kundschaft elektronisch melden, sollen durch eine Offensive im ersten Halbjahr 2017 entsprechend darauf vorbereitet werden. „Wir werden viele Schulungen in kleinen Gruppen anbieten, Tipps für Druck und Zubehör bieten und bei allen anfallenden Fragen unterstützen“, versichert Blandau.

Für Wallgaus Gemeinderat Hans Baur (Junge Mitarbeiter) ist das zu wenig. Für ihn würden Vermieter, die nicht elektronisch melden könnten, damit „ins kalte Wasser geworfen“ werden. Auch Mittenwalds Freie-Wähler-Vorsitzender Josef Schandl singt das gleiche Lied. Ihm stößt es „sauer auf“, das 50 Prozent der Urlauber das Angebot nicht in Anspruch nehmen könnten. Sinnvoller erscheint Baur deshalb eine Art „Übergangszeit“, in der die nicht digitalen Vermieter die Möglichkeit hätten, ihre Gäste etwa in der Tourist-Info anzumelden, um ebenfalls in den Genuss der kostenlosen Busfahrten zu kommen.

Damit würde das Problem mit der elektronischen Meldemoral aber „nur aufgeschoben werden“, weiß Blandau. Denn für sie ist die neue Attraktivitätssteigerung ein Anreiz für die Vermieter, ihre Gäste ab sofort auf digitalem Wege zu registrieren oder sich zumindest mit der Technik „vertraut zu machen“. Für die „wenigen Einzelfälle“, die tatsächlich keine Möglichkeit hätten, ihre Gäste elektronisch zu erfassen, soll noch einmal darüber nachgedacht werden, „einen Computer in der Touristinfo bereit zu stellen“. Dort könnten dann die Urlauber gemeldet und die Gästekarte bedruckt werden.

Der Wallgauer Gemeinderat beschloss letztlich einhellig die Erhöhung um 60 Cent auf genau zwei Euro Kurbeitrag. In Mittenwald war die Abstimmung wesentlich emotionaler. Fast geschlossen stimmten die Freien Wähler und die beiden SPD-Vertreter gegen die geplante Anhebung um 30 Cent. „Die Erhöhung ist nicht notwendig, da wir uns jetzt sowieso Geld einsparen durch die Schließung des Hallenbads“, meinte beispielsweise Enrico Corongiu (SPD). Doch auch 2017 müssten die Aufwendungen für das Hallenbad beglichen werden, erklärte daraufhin Ordnungsamt-Chef Josef Stieglmeier.

Für Josef Zunterer (Freie Wähler) ist es kurz nach der Schließung des Schwimmbads der denkbar schlechteste Zeitpunkt, um den Kurbeitrag aufzustocken. Für ihn hätte es mehr Sinn gemacht, ihn zu erhöhen „wenn etwas gebaut wird“. Auch für Georg Seitz (Freie Wähler) ist der Zeitpunkt unglücklich. Aber er weiß, dass die Vorbereitungen für diese Kooperation „schon seit Jahren“ laufen. Seitz war letztlich der einzige Freie Wähler, der der Anhebung zustimmte. Für Seitz’ Fraktionskollegen Josef Schandl liegt indes auf der Hand, dass diese Erhöhung eine mögliche Hallenbadfinanzierung verbauen würde.

Doch hier möchte Aufsichtsratsvorsitzender Adolf Hornsteiner beides klar getrennt wissen: „Mit dem Kurbeitrag werden zu 100 Prozent ausschließlich touristische Belange finanziert“, versichert er. Ein Hallenbad-Neubau würde dazu allerdings nicht zählen, da es schließlich „auch von Einheimischen genutzt werden würde“. Dennoch stimmten sechs Gemeinderäte gegen, 15 für die Kurbeitragserhöhung.

Josef Hornsteiner

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