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Stolz auf sein ganzes Team ist Mario Corti, Kulinarischer Leiter in Schloss Elmau.

Anonyme Gourmet-Tester werden in Mittenwald und Elmau bestens bekocht

Sterne für Isartaler Restaurants: Mit der Freude kommt der Druck

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Wer sie waren? Wie viele von ihnen kamen? Was sie wann gegessen haben? Was sie überzeugt hat? Ein großes Geheimnis. Fest steht nur: Die Gourmet-Tester haben im Isartal bestens gespeist. Zwei Restaurants erhielten erneut den Michelin-Stern. Eine hohe Auszeichnung.

Mittenwald/Elmau – Champagner, das Getränk für besondere Anlässe. Gleich ein paar Flaschen davon hatMario Corti aufgemacht, als er vom Ergebnis erfuhr: Das Restaurant-Team im Luce d’Oro in Schloss Elmau hat sich erneut einen Michelin-Stern erkocht, steht zudem als eines der 15 besten Restaurants Bayerns im Gourmet-Führer „Gault Millau“, auch zwei weitere Restaurants schnitten erfolgreich ab. „Das ist einfach ein besonderer Moment, jedes Mal wieder“, sagt der Kulinarische Direktor im Fünf-Sterne-Hotel. Bereits seit 2010 wird das Luce d’Oro mit einem Stern im renommierten Gastronomie-Führer Guide Michelin erwähnt, zudem seit 2016 mit 17 (von maximal 20) Punkten im ebenso anerkannten Pendant Gault Millau. Dort tauchen zwei weitere Restaurants von Schloss Elmau auf: seit 2015 das Fidelio mit thailändischer (15 Punkte) sowie seit 2016 das Summit mit mediterraner Küche (14 Punkte).

„Leistung zu halten, ist riesen Verantwortung“

Auch 2017 überzeugten sich Gourmet-Tester anonym von der Qualität der Häuser – und bestätigten alle Ergebnisse. „Darüber freuen wir uns enorm“, sagt Corti. Denn als „größten Stress“ empfindet er nicht, erstmals einen Stern oder eine hohe Punktzahl zu erhalten. Für die größte Herausforderung hält er die Kontinuität. Die Leistung zu halten, „das ist eine riesen Verantwortung“.

Stern verteidigt: Andreas Hillejan vom Marktrestaurant Mittenwald ist glücklich.

Diese trug erstmals in diesem Jahr Andreas Hillejan, der seit sieben Jahren das Marktrestaurant in Mittenwald führt. 2016 erhielt er seinen Stern. 2017 hat er ihn verteidigt. „Man bangt natürlich, man will ihn nicht verlieren.“ Im Alltag aber blendet er die Auszeichnung weitgehend aus. „Du darfst nicht anfangen, nur dem Stern hinterherzurennen. Das zermürbt dich.“ Unter Druck setzt er sich als Koch mit hohem Qualitätsanspruch ohnehin. Er will jeden Tag die Erwartungen seiner Gäste erfüllen. Stern hin oder her.

Ähnliche Worte wählt Corti. „Du kannst nicht das ganze Jahr über für den Tester kochen, davon musst du dich frei machen.“ Entscheidend sind am Ende des Tages für ihn glückliche, zufriedene Gäste und ein volles Restaurant. Die Auszeichnung sieht er vor allem als Bestätigung für das Team, das zwölf Monate lang „Kraft und Energie in seine Arbeit steckt. Ihr Einsatz wird damit belohnt.“

Positive Effekte durch Michelin-Stern

Für Hillejan hatte der Stern bereits einige positive Effekte. Neue Gäste kamen, manche reisen in ihrem Urlaub gezielt in Orte mit Sterne-Restaurants. Die Bekanntheit seines Restaurants stieg. Doch was ist mit den Einheimischen? Verliert er sie, weil sie mit gehobener Küche wenig anfangen können? Hillejan, der auch für die Kindergärten und die Schule im Ort kocht, schüttelt den Kopf. Auf Bodenständigkeit und Regionalität legt er Wert. Die größte Wertschätzung, sagt er, erlebte er nicht , als er von seinem Stern erfuhr. Sondern, als er merkte, wie sich die Mittenwalder mit ihm freuten. Wie neulich im Supermarkt. Die Kassiererin dort kennt er nur vom Sehen. Auf einmal stand sie auf, um ihm zu gratulieren. „Das ist Gänsehaut.“

Den Stern will er in den nächsten zwölf Monaten natürlich verteidigen. Einen zweiten Stern aber strebt Hillejan nicht an. „Das wäre utopisch für mich“, sagt er. Nicht aber für seine Kollegen in Elmau. Das Luce d’Oro, meint er, würde einen zweiten Stern gut vertragen.

Erklärtes Ziel im Luce d‘Oro: der zweite Stern

Tatsächlich ist dieser das erklärte Ziel von Corti und seinem Team. Erst im Oktober kam mit Christoph Rainer ein neuer Küchenchef ins Luce d’Oro. Seine Kochkunst wurde in den vergangenen sieben Jahren bereits mit zwei Sternen ausgezeichnet. Realistischerweise, sagt Corti, müsse man sich drei Jahre Zeit geben, um mit einer neuen Mannschaft einen zweiten Stern zu erreichen. Das Team aber ist gut und ehrgeizig – und hofft bereits 2018 auf die Krönung. Bleibt sie aus, wird sich eine gewisse Enttäuschung breit machen, das weiß der Kulinarische Direktor schon heute. Champagner aber dürfte Corti auch bei einem Stern wieder ausschenken. Ihn zu verteidigen, ist schließlich auch ein Grund zum Anstoßen.

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