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Sündteure Marchklamm: Der geplante Schutz der Bahnlinie und der Bundesstraße an der Landesgrenze soll deutlich mehr kosten. 

Zur Ski-WM 2019 nicht realisierbar

Kostenexplosion bei der Marchklamm

Kommt die Lawinenverbauung an der Marchklamm tatsächlich einmal zustande, dann wird’s richtig teuer. Die bislang kolportierte Summe von 7,3 Millionen Euro ist nach den jüngsten Planungen nicht mehr aufrechtzuerhalten. Straßenbau-Experten gehen von einem deutlich höheren Betrag aus.

Mittenwald/Scharnitz – „Unglaublich, wohin die Reise gegangen ist.“ Worauf Seefelds Bürgermeister Werner Frießer anspielt? Auf die Kostenentwicklung bei der seit Jahren geplanten Lawinenverbauung am Fuße der Marchklamm. Ursprünglich war bei diesem grenzüberschreitenden Projekt an der Landesgrenze bei Scharnitz einmal von 7,3 Millionen Euro die Rede gewesen. Dieser vergleichsweise moderate Betrag kann laut jüngsten Berechnungen des Staatlichen Bauamts Weilheim nun nicht mehr aufrechterhalten werden. „Die 7,3 Millionen Euro sind deutlich zu niedrig“, bestätigt der zuständige Abteilungsleiter Dr. Hermann Streicher. „Es wird um einiges teurer.“ Auf eine detaillierte Summe möchte sich der Straßenbau-Experte wohlweislich nicht festlegen. Zu groß sei die Schwankungsbreite bei dem Vorhaben. Diese soll zwischen fünf und zehn Millionen Euro liegen.

Der Seefelder Bürgermeister indes will etwas von einer Vervier- oder sogar Verfünffachung gehört haben. Wobei man dann schnell bei rund 30 Millionen Euro wäre. Lange Zeit hatte Frießer gehofft, dass das Bauvorhaben unterhalb des berüchtigten Lawinenstrichs noch rechtzeitig zur Nordischen Ski-Weltmeisterschaft 2019 in seiner Tiroler Gemeinde fertiggestellt wird. „Denn das deutsche Publikum ist uns ganz wichtig.“ Doch diese Illusion wurde ihm bereits vor einem Jahr geraubt. „Eine kurzfristige Lösung bis zur Ski-WM halten wir nicht für realisierbar“, hatte im April 2016 Kathrin Fändrich vom federführenden bayerischen Innenministerium dem Tagblatt mitgeteilt.

Schon damals waren sich die beteiligten Instanzen (Staatsregierung Bayern und Deutsche Bahn Netz AG auf deutscher sowie Bundesbahn und Tiroler Landesregierung auf österreichischer Seite) in Sachen Finanzierung nicht immer ganz grün. Umso schwieriger wird der Geldpoker nach der aktuellen Kostenexplosion.

Doch warum wird die Baumaßnahme an der Marchklamm plötzlich so teuer? Die erste Summe „war eine ganz grobe Schätzung“, meint Streicher. Nach Rücksprache mit den örtlichen Lawinen-Kommissionen musste das Staatliche Bauamt bei seinen Berechnungen völlig andere Schneelasten einkalkulieren. Das wiederum bedeutet beispielsweise viel mehr Beton für den geplanten, rund 330 Meter langen Eisenbahn-Tunnel diesseits und jenseits der Grenze. Parallel dazu soll die leicht in Richtung Isar verschobene Bundesstraße verlaufen – eingehaust in einer sogenannten Galerie. Im Katastrophenfall soll die Lawine über diese Konstruktionen hinweg donnern und in der Isar landen.

Demnächst will man die modifizierten Pläne den jeweiligen Partnern zustellen. Nach dem ersten Schrecken setzen sich dann alle Beteiligten an einen Tisch. Kommt’s tatsächlich zu einer Einigung, muss ein Staatsvertrag zwischen Deutschland und Österreich abgeschlossen werden, schließlich handelt es sich um ein grenzüberschreitendes Projekt. „Aber bis dahin vergeht bestimmt noch einige Zeit“, glaubt Streicher.

Beim Blick in die Historie kann ihm da nur zugestimmt werden. Seit sich am 8. Februar 2003 eine Lawine in der Marchklamm löste und „wie eine Kanonenkugel“ (Josef Gerstmeir, damaliger Obmann der Mittenwalder Lawinen-Kommission) nach unten schoss und Bahnlinie und B2 unter sich begrub, suchen Deutsche und Österreicher nach einer (bezahlbaren) Lösung. Doch über mehr oder weniger erfolgversprechende Verhandlungen kam man seitdem nicht hinaus. Und das, obwohl schon vor 14 Jahren der seinerzeitige Seefelder Bürgermeister Erwin Seelos gefordert hatte: „Die Gemeinden sollten Gas geben.“ Doch die sind nur ein kleines Rädchen, richten müssen’s schon die Großen.

Christof Schnürer

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