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Traum-Immobilie: Am Kranzberg-Gipfelhaus darf nichts in Sachen Nutzung schiefgehen. 

Tourismus: Gemeinde schlägt Pflöcke ein

Besonderes Vorkaufsrecht für Kranzberg-Gipfelhaus

Der Markt Mittenwald will auf Nummer sicher gehen: So verschafft sich die Kommune im Falle des Kranzberg-Gipfelhauses ein besonderes Vorkaufsrecht. Damit soll die touristische Nutzung der Berggaststätte in Traumlage auch künftig unanfechtbar bleiben.

Mittenwald – Der anstehende Verkauf des Kranzberg-Gipfelhauses an einen Münchner Investor hat die Verantwortlichen im Mittenwalder Rathaus aufgeschreckt. Der Horrorgedanke: Das traumhafte Idyll auf rund 1300 Metern könnte einmal in falsche Hände geraten und „privatisiert“ werden.

Dem versucht der Marktgemeinderat vorzubeugen – mit einem besonderen Vorkaufsrecht. Zu diesem Schritt entschied sich das Gremium am Dienstagabend nach kurzer Debatte einhellig (21:0). Dabei berufen sich die Volksvertreter auf Paragraf 25 des Baugesetzbuches. Darin heißt es unter Punkt zwei: „Die Gemeinde kann in Gebieten, in denen sie städtebauliche Maßnahmen in Betracht zieht, zur Sicherung einer geordneten städtebaulichen Entwicklung durch Satzung Flächen bezeichnen, an denen ihr ein Vorkaufsrecht an den Grundstücken zusteht.“

Für Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) ist es „ganz wichtig, dieses besondere Vorkaufsrecht drüber zu legen“. Marktbaumeister Ralf Bues wiederum sieht darin „ein adäquates Mittel, um private Nutzer abzuschrecken“.

Gemeinderat Florian Lipp (Freie Wähler) wollte wissen, ob Eigentümer dagegen juristisch vorgehen können. Die Antwort Hornsteiners: „Klagen kann man gegen alles.“ Für den Rathauschef steht außer Zweifel: „Wir haben damit eine weitere rechtliche Option geschaffen, um im schlimmsten Fall einschreiten zu können.“ Doch eine Frage bleibt dabei unbeantwortet: Was macht die Gemeinde, wenn ein Wirt auf dem Kranzberg schließt und sein Gasthaus partout nicht mehr öffnen will? Soweit soll es auf dem sonnigen Millionen-Areal aber niemals kommen.

Trotzdem drücken Hornsteiner und Co. auf die Tube. Der Beschluss soll so schnell wie möglich bekanntgemacht werden, damit die Satzung noch in dieser Woche in Kraft treten kann. Sicher ist sicher.

Auch beim Thema Flächennutzungsplan hat der Marktgemeinderat Pflöcke eingeschlagen. So wird im Bereich Tonihof am Schmalensee und am Latscheneck ein klares Bekenntnis zu einer touristischen Sonderzone abgelegt. Ein deutliches Signal an potenzielle Investoren, die in der Folge über einen sogenannten vorhaben-bezogenen Bebauungsplan Hotels der gehobenen Klasse in diesen Filet-Bereichen realisieren können. Dieser Passus wurde in den neu gestalteten Flächennutzungsplan eingearbeitet. Das Regelwerk, das als eine Art Absichtserklärung der Kommune zu bewerten ist, hat der Gemeinderat ebenfalls nach achtjähriger Vorbereitung mit 21:0 auf den Weg gebracht. Nun liegt es zur endgültigen Genehmigung im Landratsamt.

Im Falle Tonihof, wo Hotel-Investor Johannes Rabl aus Bad Kötzting einmal ein Chaletdorf verwirklichen wollte – die Pläne haben sich dem Vernehmen nach endgültig zerschlagen–, wurde allerdings abgespeckt. Sollten ursprünglich fünf Hektar für die touristische Sonderzone im Außengebiet reserviert werden, sind’s aktuell nur noch 2,5 Hektar. Das geschah offenbar auf Intervention übergeordneter Stellen. Bürgermeister Hornsteiner meint hierzu gegenüber dem Tagblatt vielsagend: „Das Leben besteht aus Kompromissen.“

Christof Schnürer

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