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In der Kritik: Enrico Corongiu.

Modernisierungspläne auf dem Kranzberg 

Retourkutsche der Bürgermeister-Partei

Gesalzen und gepfeffert hat die CSU auf die Verbalattacke von SPD-Gemeinderat Enrico Corongiu in puncto Kranzberg-Modernisierung reagiert. Der Sozialdemokrat gaukle den Mittenwaldern etwas vor, heißt es unter anderem in der Stellungnahme der Schwarzen.

Mittenwald – Dass die Bürgermeister-Partei CSU die jüngste Kritik von Enrico Corongiu (SPD) zum Ausbau des Kranzbergs nicht unkommentiert stehen lassen würde, damit musste gerechnet werden. Beste Plattform hierfür: die Gemeinderatssitzung.

Unter dem Punkt „Sonstiges“ meldete sich CSU-Fraktionschefin Regina Hornsteiner zu Wort. Die Stellungnahme der 44-jährigen Pfarrsekretärin, die ansonsten nicht unbedingt als Einpeitscherin bekannt ist, kam einer Retourkutsche für Reizfigur Corongiu gleich. Dieser hatte am 18. Oktober bei einem Treffen seiner Partei im Gasthof Alpenrose die „aus dem Hut gezogenen“ Kranzberg-Pläne gebrandmarkt. Wörtlich sagte der SPD-Gemeinderat: „Ich wurde nach dem Bürgerbegehren pro Hallenbad und der Kostenschätzung von 9,5 Millionen Euro als unseriös abgetan. Jetzt sollen 25 Millionen Euro plötzlich seriös sein.“

„Eine Frechheit“

Des Guten zu viel. Der Konter der CSU folgte prompt. „Wenn der Artikel im Tagblatt über die SPD-Mitgliederversammlung richtig ist, haben wir es unserem Tagblatt zu verdanken, zu erfahren, welche Aussagen unser SPD-Kollege in dieser Versammlung getätigt hat“, eröffnete Regina Hornsteiner ihren Vortrag. „Diese Aussagen entbehren jeglicher Grundlage und sind, gelinde gesagt, eine Frechheit. Ich nutze hier die Gelegenheit, die Öffentlichkeit aufzuklären.“ Ein deftiger Prolog – gesalzen und gepfeffert. Dann macht sich die CSU-Fraktionschefin ans Filetieren. 

„Das musste Dir bekannt sein“

Die sogenannte Klimawandel-Anpassungsstudie zum Kranzberg sei keineswegs, wie von Corongiu dargestellt, „aus dem Hut gezaubert“. „Bereits am 18. November 2014 wurde sie mit mehrheitlichem Gemeinderats-Beschluss in Auftrag gegeben und laut Protokoll war Herr Corongiu anwesend und hat zugestimmt.“ In der Zwischenzeit soll laut Hornsteiner von den einzelnen Fraktionen öfters nachgefragt worden sein, wann mit einem Ergebnis zu rechnen ist. „Das musste Dir bekannt sein, dass da etwas kommt“, wandte sich die CSU-Sprecherin direkt an Corongiu. 

Lesen und nachhaken

Weiter erläuterte sie, dass besagte Studie in einer nicht-öffentlichen Sondersitzung am 25. Juli in aller Ausführlichkeit vorgestellt und an die Fraktionen mit der Bitte um Diskussion und eventuelle Vorschläge bis nach der Sommerpause ausgehändigt wurde. Es könne also nicht von mangelhafter Informationspolitik seitens des Rathauses und zu wenig Vorbereitungszeit für die Gemeinderäte die Rede sein. „Man muss die zur Verfügung gestellten Unterlagen nur lesen und bei offenen Fragen nachhaken.“

Unklarheiten beseitigen

Das gleiche gilt Hornsteiner zufolge für die öffentliche Präsentation der Studie am 26. September im Katholischen Pfarrsaal, bei der Corongiu urlaubsbedingt fehlte. „Somit hast Du eine weitere Chance innerhalb von zwei Monaten nicht ergriffen, Fragen zu stellen und Unklarheiten zu beseitigen.“ Und nicht nur das: „Du hättest Deinen Mitgliedern erklären müssen, warum die Modernisierung des Kranzbergs leichter zu finanzieren ist als ein Hallenbad.“

Denn trotz größerer Investitionssumme (25 Millionen Euro) soll das Jahresdefizit bei der neuen Seilbahn (Kosten: 13 Millionen Euro) laut Studie inklusive Darlehenstilgung „nur“ 125 000 Euro betragen – als unwesentlich mehr als beim jetzigen Lift. Im Gegensatz zum neuen Hallenbad (Kostenschätzung rund 9,4 Millionen Euro), bei dem mit jährlich 800 000 Euro Miesen zu rechnen sein soll, eine weit geringere Belastung für den Steuerzahler, rechnete Hornsteiner vor.

„Etwas vorgegaukelt“

Auch den Vorwurf Corongius, der Kostenrahmen für den künftigen Planschtempel sei zu hoch angesetzt, konterte die CSU-Fraktion. „Bei den Haushaltsberatungen hast Du aber den Zahlen der Verwaltung zugestimmt. Das nennen wir unseriös, weil Du den Bürgern etwas vorgegaukelt hast.“

Das alles hätte der SPD-Mann beim Treffen in der Alpenrose kommunizieren können. „Aber es ist natürlich geschickter, sich bei solch schwierigen und großen Aufgaben zurückzuhalten und die anderen machen zu lassen.“ Am Ende wird Hornsteiner staatstragend, als sie meint, „dass es unsere Pflicht ist, den Ort für die Zukunft zu rüsten und nicht zuzuschauen, wie alles den Bach runter geht. Deshalb bitten wir alle Bürger um eine konstruktive Mitarbeit bei der Zukunftsgestaltung des Kranzberggebiets.“

Rathaus-Informationssystem

Nach diesem Frontalangriff versuchte sich der überrumpelte Corongiu natürlich zu rechtfertigen. „Man sollte nicht alles so hoch aufhängen. Etliches wurde falsch dargestellt und aus dem Zusammenhang gerissen. Mein Vorschlag wäre ein neues Rathaus-Informationssystem und ein sinnvoller Austausch.“

Doch das verärgerte Rathaus-Vize Gerhard Schöner (CSU) noch mehr. „Den Vorwurf, dass nicht alle Unterlagen zugänglich sind, hättest Du zurücknehmen und die begründete Stellungnahme unserer Fraktion akzeptieren müssen.“ Einer schwieg bei dieser Diskussion: Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU).

Wolfgang Kunz

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