Braungebrannt und angriffslustig: SPD-Gemeinderat Enrico Corongiu kann das Vorgehen der Rathaus-Spitze nicht nachvollziehen. Wolfgang Kunz

Modernisierung des Kranzberggebiets 

Corongiu fährt schwere Geschütze auf

Mit der vielbeschworenen Transparenz ist es im Mittenwalder Rathaus nicht weit her – glaubt zumindest SPD-Gemeinderat Enrico Corongiu. Dieser findet die Vorgehensweise des Bürgermeisters in puncto Kranzberg-Modernisierung nicht akzeptabel.

Mittenwald Die Frisur sitzt, das Gesicht ist braungebrannt. Der Sardinien-Urlaub nach der Bundestagsschlappe hat dem gescheiterten SPD-Direktkandidaten offenbar sehr gut getan. Als es am Mittwochabend bei einem Treffen seines Mittenwalder Ortsvereins im Gasthof Alpenrose um die geplante Modernisierung des Kranzberg-Wander- und Skigebiets ging, konnte von Tiefenentspannung bei Enrico Corongiu nicht mehr die Rede sein. Im Gegenteil: Einmal in Fahrt gekommen, redete sich der rote Hoffnungsträger regelrecht in Rage. Sein Hauptangriffsziel: Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU), der zuletzt seinerseits den SPD-Gemeinderat bei der Etat-Debatte wegen seines Finanzierungsvorschlags zum Hallenbad-Neubau scharf attackiert hatte.

Nun schießt Corongiu mit einer kräftigen Salve zurück. Die „aus dem Hut gezogenen“ Pläne zur Modernisierung der Kranzberg-Region findet der 39-jährige Sozialdemokrat, der bei der besagten Aussprache im Katholischen Pfarrheim vor gut drei Wochen urlaubsbedingt (Sardinien) fehlte, machte vor seinen Parteifreunden deutlich: „Ich wurde nach dem Bürgerbegehren pro Hallenbad und der Kostenschätzung von 9,5 Millionen Euro als unseriös abgetan. Jetzt sollen 25 Millionen Euro plötzlich seriös sein“, stellte Corongiu leicht verwundert fest. „Ich fühle mich bestätigt, und die Gemeinderäte sollten ihre Aussagen noch einmal überprüfen, weil jetzt mit den gleichen Beweismitteln argumentiert wird.“

Hierzu fragte Zuhörer Arne Kielgas nach, wie es möglich sei, „dass trotz Bürgerbegehrens für ein Schwimmbad jetzt ohne einen vorliegenden Entscheid plötzlich vom Kranzberg gesprochen werden kann“. Warum es so viele ungeklärte Fragen gebe, beantwortete Corongiu mit der Informationspolitik seitens des Rathauses. „Viele notwendigen Unterlagen werden dem Gemeinderat oft nicht zugänglich gemacht, deshalb ist manchmal eine seriöse Vorbereitung nicht möglich.“ Eine rote Breitseite gegen den schwarzen Bürgermeister, der für sich in Anspruch nimmt, bei wegweisenden Projekten alle Fraktionen mit ins Boot holen zu wollen.

Der stellvertretende Ortsvorsitzende Bastian Eiter hatte bei der Ankündigung der Kranzberg-Offensive zunächst an einen Aprilscherz geglaubt. „Wie kann die Gemeinde bei diesen Wetterprognosen so etwas in die Gänge bringen, wenn sie genug andere Baustellen hat?“ Damit zielte der Wallgauer sicherlich auf den Dauerstreit mit der Karwendelbahn oder den Schwimmbad-Neubau ab, der Hornsteiner und Co. per Bürgerentscheid aufgebürdet worden war.

Die SPD-Versammlung und bereits mehrfach geäußerte Kritik ehemaliger Gemeinderäte wie Bärbel Rauch und Adolf Merk offenbaren deutlich: Bis der naturschonende Ausbau des Kranzbergs mit einer modernen Kabinenbahn als Herzstück für geschätzte 25 Millionen Euro angepackt werden kann, müssen im Vorfeld noch viele Gespräche geführt werden. Im Gemeinderat – so viel ist sicher – wird das durch das Plebiszit entfachte Reizklima durch Hornsteiners Kranzberg-Visionen so schnell nicht verfliegen.

Wolfgang Kunz

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