Das Kreuz steht: Mit einem Tiroler Hubschrauber ist es zum Gipfel geflogen und dort von den Mittenwalder Bergsteigern fixiert worden.

Gipfelkreuzeinweihung Mittlerer Karwendelkopf

Eine Segnung in schwindelerregender Höhe

  • Josef Hornsteiner
    vonJosef Hornsteiner
    schließen

Der Mittlere Karwendelkopf hat wieder ein Gipfelkreuz. Eigentlich hätte es am Sonntag eingeweiht werden sollen. Doch leider spielt das Wetter nicht mit. Nun wird nach einem Termin Anfang Oktober gesucht.

Mittenwald – Es war schon später Nachmittag an diesem 7. Juni 2016. In Mittenwald zog ein Gewitter über die Westflanke des Karwendels. Im Tal blieb es trocken, während hoch im Gebirge ganze Sturzbäche abgingen. Der Isartaler Thomas Häffner war Augenzeuge dieses Naturspektakels. Plötzlich glühte der Himmel. Ein Blitzschlag donnerte in die markante Spitze des Mittleren Karwendelkopfs auf 2366 Metern Höhe. Gegen halb sechs „ist Rauch am Gipfel aufgestiegen“, sagt Häffner. Am nächsten Tag konnte er mit dem Fernglas das Unglück deutlich erkennen: Das schmiedeeiserne Gipfelkreuz war gefallen.

Es sei „verblüffend“, wie „ein einzelner Blitz einen solchen Schaden verursachen kann“, sagt Johann Brennauer verwundert. Der Mittenwalder ist einer von nur etwa 15 Bergsteigern, die den recht abgeschiedenen Gipfel jährlich erklimmen. In 44 Jahren haben sich lediglich 645 Personen ins Gipfelbuch eingetragen. Dieses konnte glücklicherweise gerettet werden. Wie durch ein Wunder blieb auch das Kreuz trotz des Donnerwetters unversehrt. „Der Untergrund des Sockels ist wohl zersprengt worden“, sagt er. Experten gehen von einer Wasserdampf-Explosion aus, die von einer schlagartigen Erhitzung der Nässe in den Felsklüften ausgelöst wurde.

Sieben Mann arbeiten an neuem Kreuz

Für Brennauer, Thomas Hennl, Hannes Hornsteiner, Christian Klotz, Thomas Niggl, Josef Rieger, Matthias Schandl und Simon Witting stand fest: ein neues Symbol christlichen Glaubens musste her. Nur wenige Monate später, am 1. Oktober, betonierten die Mannsbilder auf der nur wenige Quadratmeter großen Gipfelfläche einen Beton-Sockel samt Kreuzschuh. Das Material trugen sie zu Fuß zur Spitze. Teilweise kletterten sie mit schweren Rucksäcken über gefährliche Felspassagen. Wie oft es rauf und runter ging: Brennauer weiß es nicht mehr. Während auf dem Gipfel der Beton trocknete, werkelte die Gruppe in einer Werkstatt im Tal an dem neuen viereinhalb Meter hohen Kreuzes aus Lärchenholz. „An drei Seiten ummantelten wir es mit poliertem Blech und rostfreiem Edelstahl“, erklärt Brennauer.

Das 300 Kilogramm schwere Werk auf 2366 Metern Höhe zu bringen war jetzt die größte Herausforderung. Drei Mal scheiterte der Versuch, das mächtige Symbol christlichen Glaubens mit dem Hubschrauber aufzustellen. Die Männer warteten auf dem winzigen Plateau – vergebens. „Das Wetter war bei den drei Anläufen zu schlecht“, sagt Brennauer. Manchmal schneite es sogar bei den Versuchen im Oktober, im November und letztlich im Mai 2017.

Endlich konnte geflogen werden

Dann endlich: Wieder einigten sich die acht Männer auf einen Flugtermin. Der 4. August 2017 sollte der Tag X werden, der verwaiste Gipfel endlich wieder ein Kreuz bekommen. Der Hubschrauber Heli Tirol aus Karres bei Imst nahm das Objekt am neuen Lawinenschutz-Damm an der Rainlähne auf. Die Stimmung war angespannt. Würde es diesmal funktionieren? Wieder herrschten schlechte Sichtverhältnisse. „Der Nebel zog auf.“ Es blieb also nur ein ganz kurzes Zeitfenster, in dem der Himmel aufhellte. Nun musste alles perfekt harmonieren. Helm auf und ran ans Kreuz, hieß es für die Bergsteiger. Hinein in den Schuh, festschrauben und – voilà: Nach zwei Jahren thronte endlich wieder ein Kreuz auf dem Mittleren Karwendelkopf. Das alte nahm der Helikopter gleich mit. Es staubt aber nirgends ein, im Gegenteil: Die Bayerischen Staatsforsten präsentierten es bei der Internationalen Grünen Woche in Berlin als

Begeistert sogar die Minister: Das alte Gipfelkreuz war Ausstellungsstück in Berlin (v.l.): Dr. Richard Loibl (Direktor Haus der Bayerischen Geschichte), Christian Schmidt (Bundesminister), Helmut Brunner (Bayerischer Staatsminister) und Martin Neumeyer (Vorstandsvorsitzender Bayerische Staatsforsten.

Ausstellungsstück. Dort sorgte das geschmiedete Kunstwerk für solch eine Begeisterung, dass es ab Herbst im Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg präsentiert wird. „Wir fragten Wolfgang Hausmann, ob das für ihn in Ordnung ist“, sagt Brennauer. Hausmann hat 1972 mit Klaus Jungbauer, Günter Schandl und Siegfried Zapke das erste Kreuz auf dem Gipfel errichtet. „Auf Eigeninitiative“, erinnert sich Hausmann. Sie wollten die kreuzlose Lücke zwischen der Vierer- und der Westlichen Karwendelspitze schließen. „Mich freut es, dass es nun im Museum ausgestellt wird.“ Nach langer Suche wurde auch endlich ein schwindelfreier Pfarrer für die Einweihung gefunden. Militärdekan Alfons Hutter wird nun das Kreuz Anfang Oktober segnen, das Gewitter nun hoffentlich besser übersteht. Ein Blitzableiter wurde diesmal jedenfalls installiert.

Kreuzeinweihung

ACHTUNG: Die geplante Kreuzeinweihung auf dem Mittleren Karwendelkopf am Sonntag, 26. August, findet wegen der schlechten Witterung nicht statt. Der Ersatztermin Anfang Oktober wird noch bekannt gegeben.

Das macht das Wetter an diesem Wochenende

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare