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Gemeinsames Gedenken an den beiden Stelen: 2014 nehmen bei der Brendtenfeier erstmals Blauhelmsoldaten teil.

Vorwürfe an den Kameradenkreis

Brendtenfeier: Kritik aus den eigenen Reihen

Mittenwald - Die Arbeitskreis Angreifbare Traditionspflege hat einen neuen Mitstreiter: Ulrich Manschke feuert die Diskussion um die traditionelle Gedenkfeier am Hohen Brendten erneut an.

Es war eine Geste des tiefen Bedauerns, eine Entschuldigung für die Greueltaten im Zweiten Weltkrieg. Begangen von Gebirgsjägern aus Mittenwald, die zur 1. Gebirgsdivision gehörten. 70 Jahre nach den Verbrechen hat sich Bundespräsident Joachim Gauck durchgerungen, in Griechenland um Verzeihung zu bitten. Und 70 Jahre später trifft sich der Kameradenkreis der Gebirgstruppe, einst gegründet von den Generälen der alten Gebirgsdivision, immer noch am Hohen Brendten. An den beiden Stelen gedenkt er seiner gefallenen, vermissten und toten Kameraden. Für Ulrich Manschke ist das ein Affront erster Güte. Der ehemalige Gebirgsjägeroffizier und Standortälteste fordert: Weg mit der „Kriegsverbrecher-Verehrung am Nazi-Denkmal“, weg mit dem „Schandnamen“ Kameradenkreis der Gebirgstruppe, der ihm zufolge mit so vielen toten Zivilisten behaftet ist.

Manschke, selbst Mitglied in dem Verein, schlüpft in die Rolle des Nestbeschmutzers und stellt sich auf Seiten der Gegner – des Arbeitskreises „Angreifbare Traditionspflege“ um Historiker Stephan Stracke. Der Garmisch-Partenkirchner fühlt sich in Gaucks Aussagen bestätigt. „Mit dieser klaren Schuldzuweisung an die Wehrmachts-Generalität hat er den jahrzehntelangen Kampf des Arbeitskreises als verfassungsgemäß und gerechtfertigt gewürdigt“, schreibt er im Mai 2015 in einer Stellungnahme, die er auch dem Vorsitzenden des Kameradenkreises, Horst-Dieter Buhrmester, zukommen hat lassen.

Die Vorwürfe, die Manschke erhebt, haben Zündstoff. Er feuert seine Kritik unverblümt ab. Für ihn ist das Gedenken reine Vortäuschung. Eine kleine Gruppe von hochrangigen Militärs und Generälen habe in seinen Augen das Ziel, das Erbe der Kriegsverbrecher aufrechtzuerhalten. Zu der Meinung kommt Manschke, weil sich der Kameradenkreis noch heute auf seine Gründungsväter beruft.

Ins Visier nimmt Manschke vor allem zwei Personen: Buhrmester und den derzeitigen Mittenwalder Standortältesten, Oberst Michael Warter. Letzterem hält er vor, das neue Denkmal, das bei der diesjährigen Brendtenfeier am 13. September für die Opfer der Gebirgstruppe der Bundeswehr eingeweiht werden soll, genehmigt zu haben. Eine private Einrichtung wie der Kameradenkreis dürfe auf Bundeswehr-Gelände aber nicht bauen. Warter selbst bringt sich aus der Schusslinie. „Ich bin nicht zuständig für diesen Bereich“, sagt er und bekommt Unterstützung von Buhrmester. „Manschke täuscht sich“, betont er. Der Kameradenkreis sei der Besitzer des Geländes, räumt aber gleichzeitig ein, dass dieses vom Standortübungsplatz umgeben ist. Heißt für ihn: „Wir können dort machen, was wir wollen.“ Und: Für die Genehmigung des Denkmals reicht der normale Behördenweg.

Besänftigen kann der Vereins-Präsident seinen Widersacher nicht. Dem ehemaligen Gebirgsjägeroffizier stinkt es gewaltig, dass er die Anhänger der Angreifbaren Traditionspflege – trotz deren Rehabilitation durch den Bundespräsidenten – immer noch in die Schublade der „linken Chaoten“ steckt. Mehr noch, ihnen bei einer Störung der Denkmal-Einweihung sogar mit Polizei und Feldjägern sowie einer Klage wegen Landfriedensbruchs droht.

Die Anschuldigungen kann Buhrmester indes nur belächeln. Manschkes Schreiben hat er einmal gelesen und rasch weggelegt. „Das ist eine reine Selbstbeweihräucherung.“ Die Stellungnahme wurde an den Ältestenrat weitergeleitet. Aus seinen Augen, aus seinem Sinn. „Darüber zerbreche ich mir nicht den Kopf“, sagt er. Er weist jegliche Kritik von sich und seinem Verein. „Bei den Kriegsverbrechen, die begangen wurden, war keiner aus dem Verein dabei.“ Buhrmester distanziert sich auch klar davon. Seinen Mitgliedern und ihm gehe es schlicht und ergreifend darum, als Verband aufzutreten und zu zeigen, dass man mit der Gebirgstruppe verbunden ist. Ebenso rechtfertigt er die Bedeutung des neuen Denkmals. Denn bisher gab es kein Denkmal, das auch an die Opfer der Bundeswehr erinnert. „Wir machen das, was längst überfällig war.“ Mit oder ohne Demonstrationen.

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