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Beweisfoto: Auf dem linken Bild ist das „Zwerger-Haus“ zu sehen. Davor steht ein großes Schild mit der Aufschrift „Lainthalbad“.

Idee im Zuge des Lainbach-Millionenprojekts

Informationsweg über eine Fundgrube voller Schätze

Die Bauarbeiten für das 8,1-Millionen-Euro-Projekt Lainbach-Hochwasserschutz schreiten voran. Die Bürgervereinigung Mittenwald, in erster Linie Gemeinderat Klaus Zwerger, hat nun eine Idee, wie künftig eine kleine Attraktion zwischen der Laintalpforte und dem Lautersee entstehen könnte.

Ideengeber: Gemeinderat Klaus Zwerger.

Mittenwald– „Mei muaß de da g’froren ham.“ Lachend schaut Klaus Zwerger auf das uralte Foto in seiner Hand. Es zeigt ein seltenes Motiv, welches wohl nur die wenigsten Mittenwalder bisher zu Gesicht bekommen haben. Ein kleiner, sandiger Fußweg schlängelt sich durch eine Waldlandschaft. In der Mitte ein Holzverschlag, jedoch ohne Dach – es ist das 1898 eröffnete „Lainthalbad“.

Wie kalt das heitere Baden damals gewesen sein muss, kann Zwerger nur mehr erahnen. „Das Wasser ist schon sehr frisch“, sagt er. Nicht, dass er selbst Mal darin gebadet hätte, aber sein Wohnhaus liegt nur wenige Schritte vom Laintal entfernt. Sehr oft spaziert er durch das kleine Tälchen zwischen Mittenwald und dem Lautersee. Zurzeit interessiert ihn ganz besonders die Baustelle rund um die Hochwasserschutz-Verbauung. Mit großen Erdbewegungen wird dort die Geschiebe-Rückhaltesperre errichtet.

Auch wenn die Bauarbeiten den Anlieger bisher kaum tangierten – Lärm- und Schmutzbelästigung waren bis dato so gut wie kein Thema – fiebert er der Fertigstellung bereits entgegen. Denn in ihm gart schon seit langem eine Idee, die er jetzt im Zuge der Arbeiten gerne umsetzen würde: ein Informationsweg. „Das Laintal gäbe so viel her an interessante Themen“, betont Zwerger, der in seiner Freizeit leidenschaftlich alte Postkarten, Briefmarken und geschichtliche Dokumente sammelt. Das Laintal ist für ihn eine historische Fundgrube. Nur mehr wenige Bilder sind von anno dazumal erhalten geblieben. Diese Schätze will Zwerger nun aber der Öffentlichkeit präsentieren.

Die Idee wäre, eine Art Informationsweg „von der Laintalpforte bis zur Wasserscheid am Lautersee zu errichten. Eine der ersten Stationen würde dann das „Lainthalbad“ sein. Am 7. Juli 1898 wurde es feierlich eröffnet, auch wenn Zwerger glaubt, dass es schon früher als Bad genutzt wurde. Ein Foto zeigt das „Zwerger-Haus“ mit einem Schild davor: „Lainthalbad. Badewäsche Schlüssel im Hause...“. Auch eine Zeichnung fand der Gemeinderat, die das Badehaus aus Holz und ohne Dach zeigt.

Billig, aber wirksam

Beweisfoto: Auf dem linken Bild ist das „Zwerger-Haus“ zu sehen. Davor steht ein großes Schild mit der Aufschrift „Lainthalbad“.

Im Spätmittelalter war zudem die so genannte „Höll-Mühle“ im Laintal beheimatet. Zwerger hat bereits fleißig recherchiert. „Bis zum Jahr 1605 war sie anscheinend in Betrieb.“ Eine Chronik könne dies belegen. In dieser steht geschrieben, dass ein gewisser Georg Höltzel als Müller dort eine wasserangetriebene Mühle betrieb. „1605 erwarb Höltzel das Gebäude, wo heute das E-Werk der KEW (Anm. der Red.: Karwendel Energie Wasser) am Mühlbach steht.“ Zwerger vermutet, dass dem Müller „das Wasser des Lainbachs zu ungleichmäßig lief“. Seine selbstgefertigten Fotos bestätigen dies. Eines zeigt den Lainbach als dünnes Rinnsal, das andere an gleicher Stelle als wilden Fluss. „Der Mühlbach wird wahrscheinlich beständiger geflossen sein.“

Auch eine Haardörr-Stube soll damals im Laintal zum Einsatz gekommen sein. Was genau gedörrt wurde, bleibt ein Rätsel. „Wahrscheinlich Flachsfaser.“ Dieses Produkt wurde bis in die Neuzeit als Gewebe für die Leinenindustrie verwendet. Doch auch die Natur selbst hat im Laintal ihre Spuren hinterlassen. So sind an vielen Stellen „Flechten“, eine symbiotische Lebensgemeinschaft mehrerer Pilze, in Gelb und Rot zu finden. „Das sind die ältesten Lebewesen dieser Welt.“ Ebenso viele uralte Steinfindlinge sind zu entdecken.

Auf Höhe Lautersee könnte sich Zwerger durchaus vorstellen, die Kapelle Maria Königin des Trachtenvereins sowie die artenreichen Blumenwiesen und Feuchtbiotope in den Infoweg einzubinden. Den Nutzen des Wassers für die Bevölkerung damals könnte aufgearbeitet werden. Beispielsweise hat die Brauerei Mittenwald bis heute noch Wasserrecht und eine eigene Leitung ins Tal. „Dieser Infoweg wäre für kleines Geld machbar“, sagt Zwerger. Die Wirkung könnte allerdings maximal sein, in Anbetracht der vielen Besucher, die es täglich über das Laintal zum Lautersee zieht.

Josef Hornsteiner

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