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In diesem Bereich wird sich das Laintal spürbar verändern.
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Ortstermin: Horst Hofmann (l.) erklärt Bürgermeister Adolf Hornsteiner die Sachlage am Eingang zum Laintal.
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Geschiebe-Barriere: Ein ähnliches Bauwerk wie im Kranzbach bei Klais wird im Laintal entstehen.
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Unmengen von Holz haben sich im Fangnetz an der Kanker angesammelt. So könnt’s auch am Lainbach ausschauen.

Massiver Eingriff in die Natur 

Lainbach-Hochwasserschutz: Jetzt geht‘s an das Schlüsselbauwerk

Für die Experten vom Wasserwirtschaftsamt ist es „das entscheidende Schlüsselbauwerk“. Ohne die sogenannte Geschiebe-Rückhaltesperre wäre für sie der sündteure Lainbach-Hochwasserschutz in Mittenwald völlig für die Katz’. Doch bis die geplante Barriere realisiert werden kann, muss einiges aus dem Weg geräumt werden

Mittenwald – „Ein sehr großer Eingriff in die Natur.“ Den Worten von Gemeinderat Rudi Rauch (SPD) ist im Grunde nichts mehr hinzuzufügen. Denn das, was in einigen Monaten entlang des Wanderwegs hinauf zum Lautersee entstehen soll, wird den malerischen Eingangsbereich des Laintals massiv verändern. Was vorher war, wird nicht mehr sein. Doch das ist offenbar der Preis, den die Mittenwalder für einen soliden Hochwasserschutz bezahlen müssen.

Im Grunde geht es lediglich um eine sogenannte Schwergewichtsmauer mit Geschiebefang samt Stahlnetz. Diese künstliche Barriere – so eine ähnliche gibt es bereits im Kranzbach bei Klais – soll bei Starkregen und Murenabgängen verhindern, dass Schwemmholz und mitgerissenes Gestein in den Lainbach geraten. Welche Mengen mitunter in kurzer Zeit angespült werden können, beweist das prall gefüllte Fangnetz an der Kanker bei Partenkirchen, das zum wiederholten Mal geleert werden musste.

„Das Schlüsselbauwerk“

Denn das verkeilte Material könnte rasch Wasser aufstauen, was wiederum in neuralgischen Gebieten zu einer Überflutung führen könnte. Nicht auszudenken, falls Unmengen von Kies in den überdeckelten Bereich innerorts kommen würden. In solch einem Szenario wäre die aktuell laufende Hochwasser-Verbauung des Lainbachs quer durch Mittenwald völlig ad absurdum geführt. Für Horst Hofmann, den Experten vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim (WWA), ist es sogar „katastrophal, wenn so etwas passiert. Das können wir uns bei einer Bausumme von 8,7 Millionen Euro schlicht nicht erlauben“, verdeutlichte er bei seinem Vortrag im Gemeinderat.

Kosten von 860000 Euro

Deshalb ist für ihn die Geschiebe-Rückhaltesperre im Laintal-Eingangsbereich mit vorgelagertem Becken – zehn bis 15 Meter breit und ungefähr 60 Meter lang – „das entscheidende Schlüsselbauwerk“. Doch ganz billig wird es nicht. Hofmann kalkuliert mit etwa 860 000 Euro, 30 Prozent davon darf der Mittenwalder Steuerzahler berappen. Was das Vorhaben vergleichsweise teuer macht, ist nicht etwa das Bauwerk, sondern die Strecke dorthin. Der bestehende Wanderweg, der sich in der beschaulichen Klamm nach oben schlängelt, ist nämlich viel zu schmal, um darauf mit tonnenschweren Dreiachsern Material zur Baustelle zu befördern. Diese wird zirka 40 Meter oberhalb des letzten Anwesens der Laintal-Straße eingerichtet.

Da also der Weg das Ziel ist, kommt es zu einer massiven Verbreiterung des Steigs auf rund 3,50 Meter auf der Talseite. Das heißt: In diesem Areal muss der komplette Schluchtwald gefällt werden. 160 Pfähle mit einem Durchmesser von 60 Zentimetern sollen in den Boden gebohrt werden, die wiederum die massive Wand stützen. An der höchsten Stelle ist diese 5,50 Meter. Anschließend verfüllt und verfestigt man die riesigen Lücken zwischen Felsseite und neuer Wand mit Kies.

Beweissicherung

Bei diesen Erdarbeiten sieht Gemeinderat und Anwohner Klaus Zwerger (Bürgervereinigung) die Gefahr von Hangrutschen und Rissen an nahegelegnen Gebäuden. Es sollten Vorkehrungen getroffenen werden, empfahl er, „damit die Häuser dort auch noch die nächsten 100 Jahre stehen“.

Dahingehend konnte Hofmann Zwerger beruhigen. „Wir wollen bohren und nicht rammen, das ist erschütterungsärmer.“ Gleichzeitig werden „zur Beweissicherung“ die Anwesen vor und nach der Baumaßnahme kontrolliert und dokumentiert. „Wir haben daher großes Interesse, das Ganze schadensfrei zu erledigen.“

Ein weiteres Problem ist auch die Wasserleitung der Brauerei Mittenwald. Die verläuft ebenfalls durch die Laintal-Engstelle und muss verlegt werden. Im Vergleich zu dem Wegausbau eine geradezu einfache Aufgabe. Geht es nach Hofmann, soll im Herbst mit dem Projekt begonnen werden. Zeitgleich mit den aktuell laufenden Hochwasserschutzarbeiten (derzeit an der Goethestraße) soll das Vorhaben im August 2018 abgeschlossen sein.

Dass das Rückhaltebecken das Laintal verändern wird, ist Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) bewusst. „Aber eine Ideallösung gibt es nicht.“ Das sahen seine Gemeinderatskollegen ebenso, die mit 19:0 Stimmen diesem Projekt ihren Segen gaben.

Christof Schnürer

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