+
Klare Worte findet Dr. Uwe Erfurth (blaues Jacket). Das Foto zeigt ihn bei einer Sitzung des Kreistag-Schulausschusses im November 2015 im ehemaligen Forstamtsgebäude, dem jetzigen Verwaltungstrakt der Geigenbauschule. 

Zwei Mitarbeiter sind erkrankt

Landratsamt schließt Akte Geigenbauschule: Doch ein Experte rechnet mit der Behörde ab 

  • schließen

Das Thema Geigenbauschule birgt Zündstoff: Jahrelang hat das Landratsamt in Räumen des alten Forstamts beschäftigt. Jetzt wurde saniert - und die Angelegenheit bereinigt. Zumindest aus Sicht der Behörde.

Mittenwald – Das Landratsamt hat die Mittenwalder Geigenbauschule zu den Akten gelegt – Dr. Uwe Erfurth nicht. „Es tut mir leid, aber unsozialer können sich Behörden nicht verhalten“, konstatiert der Diplom-Chemiker aus Bad Kohlgrub am Ende seiner Stellungnahme ans Tagblatt.

Vor drei Jahren hatte ihn die Kreisbehörde wegen der akuten Geruchs- und Gesundheitsprobleme, die mit dem Umbau des ehemaligen Forstamtsgebäudes zum Verwaltungstrakt der Geigenbauschule einhergingen, um eine Expertise gebeten. Seine Sichtweise schmeckte nicht jedem. Schnell wurde der unbequeme Sachverständige aus dem Ammertal zur Persona non grata abgestempelt.

Jetzt meldet er sich mit aller Vehemenz zu Wort, rechnet schonungslos mit dem Krisen-Management des Landratsamts ab. Erfurth bekräftigt nach Prüfung aller verwendeter Materialien, „dass die Ursache in dem Lösemittel des Fußbodenöls zu suchen sei, dem Citrusschalenöl, das in Fachkreisen berühmt berüchtigt für seine allergene Wirkung ist“. Laut einer geltenden EU-Richtlinie hätte ihm zufolge das Kreisbauamt die Inhaltsstoffe prüfen und gegebenenfalls aussortieren müssen. „Das ist aber nicht geschehen, vermutlich aus Unwissenheit und grandioser Ahnungslosigkeit.“ Was für den Wissenschaftler einen groben Verstoß darstellt, denn: „Diese Richtlinie hat Gesetzes-Charakter!“ 

Geigenbauschule: Raumluftmessungen seien „Alibi-Gutachten“ gewesen

Erfurth geht noch weiter. Diese Prüfung hätte zur Folge gehabt, dass das Landratsamt als sogenannter Sachaufwandsträger für die Sanierung mit schädlichen Produkten für die Folgeschäden zu haften hätte. „Das durfte natürlich nicht geschehen, denn Behörden machen keine Fehler.“ Dumm nur, findet Erfurth, „dass die beiden Mitarbeiter zweifelsfrei nach dem Bezug der neuen Räume erkrankt sind, während sie vorher gesund waren“. Offenbar reagierte ihr Körper auf das verwendete Citrusöl. Sie leiden nun an der sogenannten Mehrfachen Chemikalien Sensivität (MCS). „Warum hat sich keiner der Gutachter mit dem Limonen- beziehungsweise dem Citrusschalenöl beschäftigt?“, fragt sich Erfurth. „Der Landrat war in einem Vortrag und in mehreren Schreiben darüber informiert.“

„Das muss man eben als Kollateralschaden abbuchen.“

Die veranlassten Raumluftmessungen bezeichnet der Bad Kohlgruber als „reine Alibi-Gutachten“. Ebenso kritisch beäugt Erfurth die 2017 veranlasste Untersuchung des Bodenaufbaus nach Polycyclischen Aromatischen Kohlenwasserstoffen – kurz PAK. „Nachdem man die Böden entfernt hatte, kam der Gestank zutage.“ Alle seien begeistert gewesen. Denn „nun hatte man etwas gefunden“. Gleichzeitig habe sich die Gelegenheit geboten, den mit dem Citrusschalenöl getränkten Parkettboden, „den eigentlichen Verursacher der Probleme“, zu entsorgen. „Dumm nur, dass die PAK zwar krebserregend sind, aber nicht allergisierend. Wer weiß das schon?“

Für Erfurth bleiben „zwei lebenslang schwer erkrankte Mitarbeiter“, denen jede Hilfestellung verweigert werde. Erfurths süffisantes Schlusswort: „Das muss man eben als Kollateralschaden abbuchen.“  

Lesen Sie auch: 

Nach Geruchsproblemen: Akte Geigenbauschule ist geschlossen

Geigenbauschule: Experte spricht von Körperverletzung

Geigenbauschule: Das könnte die Ursache des Geruchsproblems sein

„Das ist ein Behördenskandal“

Geigenbauschule: Belastetes Material kommt raus

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Kampf ums Murnauer Rathaus: Phillip Zoepf steigt in den Ring
Der Kampf ums Murnauer Rathaus wird spannend: Wie zu erwarten war, greift nun auch Mehr-Bewegen-Chef Phillip Zoepf zur Kommunalwahl 2020 als Bürgermeisterkandidat an. …
Kampf ums Murnauer Rathaus: Phillip Zoepf steigt in den Ring
Schlimm zugerichtetes Hirschkalb stirbt qualvoll: Tierschützer haben schrecklichen Verdacht
Einen grausamen Tod musste ein Rotwildkalb in der Nähe von Oberau erleiden: Das Tier wurde offenbar gejagt und verletzt. Tierschützer haben einen besorgniserregenden …
Schlimm zugerichtetes Hirschkalb stirbt qualvoll: Tierschützer haben schrecklichen Verdacht
„Das Kranzbach“: Hoteldirektor King geht
Acht Jahre stand Klaus King im Luxushotel „Das Kranzbach“ an der Spitze. Ende Dezember ist dieses Kapitel offiziell geschlossen.
„Das Kranzbach“: Hoteldirektor King geht
Freitag geht es los: Erstes Skigebiet in Bayern startet in die Saison
Am Freitag startet das erste Skigebiet Bayerns in die Saison. Hier die zwei größten in der Region Garmisch-Partenkirchen und ein Geheimtipp.
Freitag geht es los: Erstes Skigebiet in Bayern startet in die Saison

Kommentare